Umstrittener Bundesbanker Sarrazin lehnt Rücktritt ab

Seit Tagen hat Thilo Sarrazin zu seiner Zukunft geschwiegen: Doch am Donnerstag lehnte der Bundesbank-Vorstand einen Rücktritt ab. Genau dies hatte ihm nach seinen umstrittenen Äußerungen über Ausländer Bundesbank-Chef Weber nahegelegt. Auch Politiker und Verbände fordern seinen Rauswurf.

Thilo Sarrazin: Muss er die Bundesbank am Ende doch verlassen?
dpa

Thilo Sarrazin: Muss er die Bundesbank am Ende doch verlassen?


Berlin - So schnell gibt Thilo Sarrazin öffentlichem Druck nicht nach: Berlins früherer Finanzsenator und jetzige Bundesbank-Vorstand lehnte am Freitag einen Rücktritt wegen seiner abwertenden Äußerungen über Ausländer ab. "Ich habe alles gesagt, was ich sagen wollte", sagte der Ex-SPD-Politiker am Rande eines Kongresses in Berlin, wo er Gastredner war. Auf die Fragen von Journalisten nach seiner beruflichen Zukunft sagte Sarrazin, er werde am Montag wie üblich in seinem Bundesbank-Büro in Frankfurt arbeiten, wo ein Stapel von Akten auf ihn warte.

In dem vor mehr als einer Woche erschienenen langen Interview über Berlins wirtschaftliche Zukunft hatte Sarrazin unter anderem von "neuen kleinen Kopftuchmädchen", die "produziert" würden, gesprochen und beklagt: "Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate.

"Ich bringe nur Dinge gerne auf den Punkt"

Sollte Sarrazin bei seiner Linie bleiben und nicht zurücktreten, ist allerdings unklar, wie es bei der Bundesbank weitergeht: Das Verhältnis des 64-Jährigen, der erst im Mai nach Frankfurt gewechselt war, zu Bundesbank-Chef Axel Weber gilt inzwischen als zerrüttet. Weber hatte Sarrazin den Rücktritt nahegelegt. Offenbar sprechen beide nicht mehr miteinander. Auch Politiker und Verbände hatten einen Rückzug von Sarrazin gefordert.

Für den Fall, dass Sarrazin nicht zurücktritt, könnte der sechsköpfige Bundesbank-Vorstand den Bundespräsidenten per Mehrheitsentscheid um eine Entlassung des Ex-Politikers bitten. Einen Rauswurf aus disziplinarischen Gründen hat es bei der Bundesbank allerdings bislang nicht gegeben.

Zentralrat der Juden wirft Sarrazin geistige Nähe zu Nazis vor

In einer gemeinsamen Pressekonferenz am Freitag solidarisierte sich der Zentralrat der Juden mit der Türkischen Gemeinde in Deutschland. Generalsekretär Stephan Kramer sagte, was Sarrazin gesagt habe, "das ist perfide, das ist infam, das ist volksverhetzend".

"Ich habe den Eindruck, dass Herr Sarrazin mit seinen Äußerungen, mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler wirklich eine große Ehre macht", sagte Kramer weiter. Die Türkische Gemeinde forderte erneut den Rücktritt des Bankers. Er habe Bundesbankpräsident Weber in einem Brief um ein Gespräch gebeten, in dem er diese Forderung verstärken wolle, sagte ihr Vorsitzender Kenan Kolat.

böl/dpa-AFX

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Klo, 01.10.2009
1.
Zitat von sysopEntsetzen in Politik und Finanzwelt: Bundesbank-Vorstand Sarrazin hat in einem Interview mit einem Kulturmagazin kräftig über Berlin hergezogen - und über die Einwanderer in der Stadt. "Türkische Wärmestuben" brächten Berlin nicht voran, sagte der SPD-Politiker. Ist Sarazin noch zu halten?
Er ist unmöglich zu halten. Diese Aussagen sind nicht nur eines Politikers unwürdig, der eben diese angeprangerten Verhältnisse in Berlin mitzuverantworten hat, sondern sie sind schlichtweg eine Unverschämtheit.
CMH 01.10.2009
2.
Sarazin ist der einzige Politiker, der sagt was Sache ist. Kein anderer hat einen solchen Mumm. Es ist immer wieder eine Freude, seine seltenen Interviews zu hören oder lesen. Auch wenn er natürlich überspitzt - das was er sagt hat im Kern Hand und Fuß. Und das, obwohl er (für mich) in der völlig falschen Partei ist.
Harald E, 01.10.2009
3.
Zitat von KloEr ist unmöglich zu halten. Diese Aussagen sind nicht nur eines Politikers unwürdig, der eben diese angeprangerten Verhältnisse in Berlin mitzuverantworten hat, sondern sie sind schlichtweg eine Unverschämtheit.
grummel... Wie soll denn eine vernünftige Diskussionskultur entstehen, wenn sie bereits im ersten Beitrag schon alles zum Thema gesagt haben. ;-D
Reziprozität 01.10.2009
4.
Zitat von sysopEntsetzen in Politik und Finanzwelt: Bundesbank-Vorstand Sarrazin hat in einem Interview mit einem Kulturmagazin kräftig über Berlin hergezogen - und über die Einwanderer in der Stadt. "Türkische Wärmestuben" brächten Berlin nicht voran, sagte der SPD-Politiker. Ist Sarazin noch zu halten?
LOL, er ist doch nur eitel, der Thilo. War ja klar, dass er intellektuellen Importbedarf in der Hauptstadt ausmacht, jetzt, wo er nicht mehr da ist... ;-o Wer Politik als Spektakel vor irgendwelchen Kulissen ansieht, wird die Rolle des Clowns kaum in Frage stellen. Und die kann er gut. Lasst ihn da wo er ist, sonst faengt er wieder an Kochkurse fuer Hartz IV-Bezüger zu geben. P.S.: Er schreibt sich mit zwei "r" im Nachnamen.
nr6527 01.10.2009
5.
Zitat von KloEr ist unmöglich zu halten. Diese Aussagen sind nicht nur eines Politikers unwürdig, der eben diese angeprangerten Verhältnisse in Berlin mitzuverantworten hat, sondern sie sind schlichtweg eine Unverschämtheit.
Sarazin polarisiert, es fehlt halt einfach der Weichspüler in seinen oft treffenden Analysen. Immerhin hat er kein Problem damit, unbequeme Wahrheiten unverblümt auszusprechen. Empörung bitte......
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