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24. Mai 2019, 17:59 Uhr

Zahlreiche Mängel

Alle zwei Wochen kommt es zu einem Unfall in einer Biogasanlage

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Tote und Verletzte bei Unfällen, Umweltschäden durch "Gülle-Tsunamis": Das Umweltbundesamt bemängelt nach SPIEGEL-Informationen die Sicherheit von Biogasanlagen. Ohne strengere Regeln sei ein Weiterbetrieb "nicht vertretbar".

Das Umweltbundesamt warnt vor den Gefahren durch Biogasanlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen. Es handele sich um "komplexe Anlagen mit erheblichem Gefährdungspotential", schreiben die Experten in einem bisher unveröffentlichten Papier, das dem SPIEGEL vorliegt.

Einer Auswertung des Amtes zufolge kommt es durchschnittlich alle zwei Wochen zu einem Unfall in einer Biogasanlage, teils mit gravierenden Folgen. Seit 2005 seien dabei 17 Menschen getötet und 74 verletzt worden. Aus Sicht des Umweltbundesamtes sei es "nicht vertretbar, die große Zahl von Biogasanlagen ohne eine angemessene Regelung weiterlaufen zu lassen". Nötig sei eine umfassende Verordnung speziell für solche Anlagen.

In Deutschland sind derzeit laut dem Fachverband Biogas rund 9000 Biogasanlagen in Betrieb, viele angeschlossen an landwirtschaftliche Betriebe. Darin werden zum Beispiel Abfälle, Gülle oder speziell angebaute Pflanzen wie Mais vergoren und das dabei entstehende Biogas genutzt, um Strom zu erzeugen. 2018 wurden rund fünf Prozent des deutschen Stroms mithilfe von Biogas produziert.

Tatsächlich Zahl der Unfälle wahrscheinlich höher

Für seine Unfallstatistik wertete das Umweltbundesamt systematisch Medienberichte aus. Die tatsächlichen Unfallzahlen dürften deutlich höher liegen, schreiben die Experten, da kleinere Unfälle für Medien weniger interessant seien und deshalb nicht erfasst würden. Eine Meldepflicht für Unfälle in Biogasanlagen gibt es bisher nur eingeschränkt.

Bei 46 Prozent aller erfassten Unfälle handelte es sich um Brände, die damit die häufigste Unfallart ausmachten. In weiteren neun Prozent kam es auch zu mindestens einer Explosion.

Erhebliche Gefahren, vor allem für die Umwelt, gehen dem Papier zufolge von sogenannten Gülle-Tsunamis aus. Dabei laufen Gärreste oder Gülle aus den Biogasanlagen aus, teilweise mehrere Millionen Liter. Diese könnten "Gebäude fluten, Fischsterben in Gewässern auslösen und Schutzgebiete erheblich schädigen". Laut Statistischem Bundesamt sind Biogasanlagen für den Großteil an wassergefährdenden Stoffen verantwortlich, die bei Unfällen freigesetzt werden. So gab es im Jahr 2017 insgesamt 741 Zwischenfälle, bei denen 10,2 Millionen Liter solcher Substanzen austraten.

Technisch nicht auf dem aktuellen Stand

Das Umweltbundesamt macht vor allem einen schlechten Sicherheitsstandard in den Anlagen für die Unfälle verantwortlich. Kontrollen von Sachverständigen hätten in den vergangenen Jahren ergeben, dass "zwischen circa 70 Prozent und 85 Prozent der geprüften Biogasanlagen erhebliche sicherheitstechnische Mängel aufweisen", heißt es in dem Papier. Die eingesetzte Technik werde dem Gefährdungspotential häufig nicht gerecht und manche Anlagen seien technisch nicht auf dem aktuellen Stand. Als Beispiele nennen die Experten "zusammengeklebte oder gar nur zusammengesteckte Kunststoff-Kanalrohre als Gasleitungen" oder Membransysteme "aus zusammengeklebten Folien für Gartenteiche aus dem Baumarkt".

Die zum Teil veraltete oder unzureichende Technik ist laut Umweltbundesamt nicht nur ein Sicherheitsproblem, sondern auch für das Klima schlecht. Denn das Treibhausgas Methan, das in den Anlagen erzeugt wird, kann an unterschiedlichen Stellen unkontrolliert entweichen. Der geschätzte Gesamtverlust belaufe sich auf 300.000 Tonnen Methan pro Jahr, was rund 0,8 Prozent der jährlichen deutschen Treibhausgasemissionen im Jahr 2015 entspräche. In der Gesamtbetrachtung könnten Biogasanlagen "sogar eine negative Klimabilanz aufweisen, das heißt mehr Emissionen an klimaschädlichen Gasen verursachen als einsparen", so die Experten.

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