Vergleichende Studie US-Amerikaner arbeiten mehr als Europäer

Mehr Wochenstunden, weniger Urlaub, späterer Ruhestand: US-Amerikaner arbeiten laut einer Studie deutlich länger als ihre EU-Kollegen. Aber auch die Unterschiede zwischen den EU-Staaten sind deutlich.

Arbeitnehmer (Symbolbild)
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Arbeitnehmer (Symbolbild)


Die US-Amerikaner arbeiten durchschnittlich nicht nur jeden Tag länger als die Menschen in Europa, sie gehen auch später in den Ruhestand und machen weniger Urlaub. Das ist das Hauptergebnis einer gemeinsamen Studie von amerikanischen und deutschen Ökonomen, über die die Nachrichtenagentur Bloomberg als Erster berichtet hat.

Ziel der Studie war es, die Arbeitsgewohnheiten in den Ländern besser zu vergleichen, indem nicht nur die reine Wochenarbeitszeit heranzogen wurden. Erfasst wurde auch der Zeitpunkt, in den Ruhestand zu gehen, die Länge des Urlaubs und die Zeiten von Arbeitslosigkeit.

In Zahlen: Der durchschnittliche EU-Arbeitnehmer arbeitet 19 Prozent weniger Stunden als der US-Kollege. Anders ausgedrückt sind dies rund 258 weniger Stunden pro Jahr oder etwa eine Stunde weniger pro Wochentag. Auf Deutschland bezogen: Hierzulande beträgt nach dieser Berechnungsart die durchschnittliche Wochenarbeitszeit 20,2 Stunden. Weniger wird nur noch in Polen (19,8), Belgien (19,4), Frankreich (19,3) und Italien (18,4) gearbeitet. In den USA sind es 26,1 Stunden. Inwieweit die Autoren bei der Berechnung berücksichtigt haben, wie hoch der Anteil an Teilzeitjobs in den Ländern war, geht aus der Studie nicht hervor.

Höhere Renten in Deutschland als in den USA

Die Autoren verweisen hinsichtlich der längeren Arbeitszeit der US-Amerikaner auf schwache Gewerkschaften, niedrige Steuern und niedrigere Renten. Bekanntermaßen haben US-Gewerkschaften weniger Macht als ihre Pendants in Europa - das führt laut den Autoren dazu, dass die US-Amerikaner mehr arbeiten.

Zudem sind in den USA die Steuern wesentlich niedriger als in der EU. Studien haben ergeben, dass eine höhere Steuerbelastung den Anreiz verringert, mehr zu arbeiten.

Höhere Renten in Europa sind auch ein starker Faktor, früher das Arbeitsleben aufzugeben. Denn wie nie zuvor in den vergangenen fünfzig Jahren arbeiten in den USA derzeit mehr Menschen im Alter über 65 Jahren.

msc



insgesamt 201 Beiträge
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fatherted98 19.10.2016
1. Stimmt...
...die Amis schrubben Stunden wie blöd...aber...trotzdem sie soviel arbeiten hinken sie in der Produktivität weit hinterher....sprich....die bloße Anwesenheit am Arbeitsplatz ist noch kein Garant für dort geleistete Arbeit.
Zorpheus 19.10.2016
2. Dafür machen Sure auch viel mehr privates während der Arbeitszeit
Habe ich zumindest gehört. Einfach die Stundenzahl zu vergleichen funktioniert jedenfalls nicht.
echoanswer 19.10.2016
3. Was sagt uns das nun?
Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten muss niemand arbeiten. Er darf. Warum werden die USA mit Europa verglichen? Die Amis sind stolz darauf was sie geschaffen haben. Wer das nicht glaubt wird bombardiert. Da verstehe ich diesen weinerlichen Unterton des Artikels nicht. Die größten und wichtigsten Menschen der Welt können auch gerne noch viel länger arbeiten.
0815jrb 19.10.2016
4. Typisch Studie
Alleine dieser Satz "wie hoch der Anteil an Teilzeitjobs in den Ländern war, geht aus der Studie nicht hervor." macht die komplette Studie hinfällig. Ausserdem sind viele Amerikaner gezwungen länger als 65 zu arbeiten, weil es eben nur private Renten gibt und bei Niedrieglohn-Jobs kann sich niemend eine Rentenversicherung leisten. Ausserdem gibt es faktisch keine Sozialleistungen (nur wenn vom Arbeitgeber freiwillig gezahlt) im Krankheitsfall. Hier werden Birnen mit Äpfeln verglichen.
noch ein Spon-Leser 19.10.2016
5.
Anwesenheit ist nicht alles. Europäer sind im gleichen Zeitraum deutlich effektiver. Mit der erhöhten Effizienz wird der reine Zeitvergleich teilweise kompensiert. Die hohe Arbeitsteiligkeit und die kurze Verweildauer auf Positionen erfordert mehr Zeit von mehr Personen. Es gilt das eben Leistung ist Arbeit pro Zeit.
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