Handels- und Klimapolitik US-Industrie ruft Trump zur Mäßigung auf

Donald Trump will in der Handels- und Klimapolitik offenbar radikal umsteuern. Jetzt fordern ihn US-Lobbyverbände zur Mäßigung auf.

Donald Trump.
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In den USA ruft die Industrie den künftigen Präsidenten Donald Trump zu einer umsichtigen Handelspolitik vor allem im Verhältnis zu China und Mexiko auf. Verschiedene Lobbygruppen, Konzernchefs und Abgeordnete betonten, dass Freihandelsabkommen generell zu höherem Wirtschaftswachstum und mehr neuen Jobs führen.

Der Republikaner hatte im Wahlkampf unter anderem ein Ende der Nordamerikanischen Freihandelszone in ihrer derzeitigen Form sowie hohe Zollschranken gefordert."Es gibt zwei Millionen Industriejobs in diesem Land, die von unseren Handelsbeziehungen mit Kanada und Mexiko abhängen", sagte Linda Dempsey vom US-Industrieverband NAM. Diese Arbeitsplätze dürfe man nicht aufs Spiel setzen.

Ökonomen befürchten, dass Trump die USA stärker abschotten wird. Er hatte im hitzigen Wahlkampf gegen die Demokratin Hillary Clinton Importzölle und andere Handelshemmnisse angekündigt. Dies könnte vor allem Mexiko hart treffen.

Zudem liegt das Handelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA seit Längerem auf Eis und gilt als tot. Es sollte für mehr Wachstum auf beiden Seiten des Atlantiks sorgen.

Der milliardenschwere Immobilienunternehmer hatte mehrfach Ford als abschreckendes Beispiel genannt. Denn der Autobauer verlagert die Produktion seines Kompaktmodells Focus nach Mexiko.

Lockere Geldpolitik in den USA bald vorbei?

Zudem fürchtet die britische Großbank Barclays unter Trump einen verstärkten politischen Druck auf die US-Notenbank Federal Reserve (Fed). "Es gibt eine stramme Truppe innerhalb der Republikaner, die der Meinung ist, dass die Zeiten der lockeren Geldpolitik vorbei sind", sagte Barclays-Chef Jes Staley am Mittwoch in London. Trump hatte im Wahlkampf angekündigt, Fed-Chefin Janet Yellen nach Ablauf ihrer Amtszeit 2018 nicht noch einmal nominieren zu wollen.

Der US-Währungshüter James Bullard hält es deshalb für möglich, dass Trumps Wahlsieg die Inflation nach oben treibt. Denn an der Börse wird spekuliert, dass Trump die Konjunktur mit Steuersenkungen und massiven Investitionen in die Infrastruktur anschieben könnte.Bislang hatte die Notenbank eher die Sorge umtrieben, dass der Preisauftrieb zu schwach ist. Trotz des anhaltenden Wirtschaftsaufschwungs und der Vollbeschäftigung im Land zogen die Preise in den USA zuletzt nur sehr schwach an.

Neben den negativen Effekten, die durch Trumps Protektionismus ausgelöst werden könnten, fürchten US-Wirtschaftsvertreter, dass Trumps Anti-Klimapolitik schlimme Folgen haben könnte. Mehr als 360 amerikanische Unternehmen und Investoren haben deshalb Trump dazu aufgerufen, sich weiter für den Klimaschutz zu engagieren. "Wenn es nicht gelingt, eine CO2-arme Wirtschaft zu bauen, bedroht dies den amerikanischen Wohlstand", schrieben die Wirtschaftsvertreter in einer Erklärung.

Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die Kaffeehauskette Starbucks, die Lebensmittelhersteller Mars und Unilever, der Jeans-Produzent Levi Strauss, der Sportartikelhersteller Nike und der Konsumgüterkonzern L'Oreal.

Die Wirtschaftsvertreter fordern, dass die USA weiter Teil des in Paris vereinbarten Weltklimavertrags bleiben, der die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad begrenzen soll. Außerdem verlangen sie Investitionen in klimafreundliche Technologien und weitere Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel.

hej/Reuters/dpa-AFX



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