Außenhandel US-Leistungsbilanz weist 123 Milliarden Dollar Defizit auf

Donald Trumps "America-First"-Politik scheint bislang kaum zu wirken: Die US-Wirtschaft ist so stark von Importen abhängig wie seit 2008 nicht mehr - und die Güter werden auch noch teurer.

Container werden in Baltimore entladen
AP/ DPA

Container werden in Baltimore entladen


Das Defizit in der US-Leistungsbilanz ist im zweiten Quartal 2017 so hoch ausgefallen wie seit 2008 nicht mehr. Es summierte sich laut Handelsministerium auf 123,1 Milliarden Dollar. Das entspricht 2,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der USA.

Im ersten Quartal lag das Defizit noch bei 113,5 Milliarden Dollar. In die Leistungsbilanz fließen alle Transfers mit dem Ausland ein - vom Handel mit Waren und Dienstleistungen bis zur Entwicklungshilfe und den im Ausland erzielten Arbeitseinkommen.

US-Präsident Donald Trump pocht auf neue Handelsregeln, damit die USA nicht weiterhin mehr importieren als exportieren. Er wirft China unfaire Handelspraktiken zulasten der USA vor, die Einfuhren aus dem Land wachsen und wachsen. In Deutschland wird deswegen längst vor einem Handelskrieg gewarnt. Trump drohte zudem auch deutschen Autobauern offen mit höheren Zöllen.

Die Importe in die USA nehmen aber nicht bloß zu - sie werden auch teurer: Die Preise für in die USA eingeführte Güter erhöhten sich laut US-Handelsministerium im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,1 Prozent. Im Juli waren die Importpreise im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch um 1,2 Prozent gestiegen. Schuld sind laut Ministerium vor allem höhere Preise für importiertes Öl, das 15,8 Prozent teurer als vor einem Jahr war.

Mittlerweile werden selbst viele Verkaufsschlager von US-Konzernen ganz oder in weiten Teilen im Ausland gefertigt. Einige Beispiele finden Sie in der Fotostrecke:

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Handelspolitik: So amerikanisch sind die US-Verkaufsschlager

In der Eurozone dagegen weitet sich der Außenhandelsüberschuss weiter aus. Im Juli lag er saison- und arbeitstäglich bereinigt bei umgerechnet rund 30 Milliarden Dollar. Die Europäische Zentralbank rechnet fürs Gesamtjahr mit einem Plus von 2,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in der gesamten Währungsunion.

Nach Prognose des Ifo-Instituts wird Deutschland in diesem Jahr mit 285 Milliarden Dollar erneut den höchsten Überschuss in der Leistungsbilanz aufweisen, gefolgt von China (190 Milliarden) und Japan (170 Milliarden).

apr/Reuters/dpa



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