Corona-Bilanz 2020 US-Wirtschaft kommt (vergleichsweise) glimpflich davon

Die Wirtschaftskraft der USA ist 2020 so stark eingebrochen wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg. Trotzdem hat sich die größte Volkswirtschaft der Welt deutlich besser geschlagen als etwa Deutschland.
Nahezu verwaister Flughafen in Washington (Aufnahme vom April 2020).

Nahezu verwaister Flughafen in Washington (Aufnahme vom April 2020).

Foto: KEVIN LAMARQUE/ REUTERS

Die Wirtschaftsleistung der USA ist wegen der Coronakrise im vergangenen Jahr stark zurückgegangen. Wie aus am Donnerstag veröffentlichten Regierungs-Daten hervorgeht, schrumpfte die größte Volkswirtschaft der Welt um 3,5 Prozent. Das war der stärkste Rückgang seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und unterstreicht: die Pandemie hat auch in den USA eine Wirtschaftskrise historischen Ausmaßes ausgelöst.

Allerdings: Verglichen mit vielen anderen führenden Industrienationen fällt das Minus in den USA gar nicht so groß aus. In Deutschland ist die Wirtschaftsleistung beispielsweise 2020 um fünf Prozent zurückgegangen. In Großbritannien könnte die Wirtschaft sogar mit einer zweistelligen Prozentzahl schrumpfen.

Zu Beginn der Krise hatten die meisten US-Ökonomen einen noch schlimmeren Einbruch erwartet, die Wirtschaft stabilisierte sich jedoch in der zweiten Jahreshälfte wieder, auch dank massiver Konjunkturpakete. Der US-Kongress hatte in der ersten Jahreshälfte Hilfspakete mit einem Umfang von bis zu 3 Billionen Dollar auf den Weg gebracht.

Mehr als 20 Millionen Jobs verloren

Zuletzt war die weltgrößte Volkswirtschaft auf das ganze Jahr betrachtet 2009 infolge der globalen Finanzkrise geschrumpft. Ein so starker Einbruch wie 2020 war den amtlichen Daten zufolge aber seit 1946 nicht mehr registriert worden. Damals war die Wirtschaftsleistung um 11,6 Prozent zurückgegangen.

Inzwischen ist die US-Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs – was allerdings auch mit den vielerorts im Vergleich zu Europa lockeren Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung zu tun haben könnte. Im vierten Quartal 2020 lag das Wachstum aufs Jahr hochgerechnet bei vier Prozent, wie die Regierung mitteilte. In der in Deutschland üblichen Betrachtungsweise entspräche das im Vergleich zum Vorquartal einem Wachstum von etwa einem Prozent.

Auch die wöchentlichen Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe gingen unterdessen leicht zurück, befanden sich aber weiterhin auf historisch hohem Niveau. In der Woche bis zum 23. Januar stellten 847.000 Menschen erstmals einen Antrag, wie das Arbeitsministerium mitteilte. In der Vorwoche hatten nach korrigierten Angaben 914.000 Menschen erstmals Arbeitslosenhilfe beantragt. Die Erstanträge spiegeln die kurzfristige Entwicklung am US-Arbeitsmarkt wider. Damit bezogen Anfang Januar rund 18,3 Millionen Menschen eine Form von Arbeitslosengeld.

Nach Ausbruch der Pandemie war die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft innerhalb weniger Wochen von zunächst 152 Millionen auf nur noch 132 Millionen Menschen gesunken. Inzwischen liegt sie wieder bei 142 Millionen.

Vor der Zuspitzung der Pandemie im vergangenen März boomte die US-Wirtschaft noch. Die Arbeitslosenquote war mit 3,5 Prozent so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr, im Dezember lag sie bei 6,7 Prozent. Kein Land der Welt ist in absoluten Zahlen so stark von der Pandemie betroffen wie die USA. Bislang meldeten die Behörden in dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern rund 25,6 Millionen bestätigte Infektionen und rund 430.000 Todesfälle.

Für das laufende Jahr erwarten die meisten Analysten ein robustes Wachstum der US-Wirtschaft, angeschoben von den Konjunkturpaketen und der fortschreitenden Impfkampagne. Die Hoffnung ist, dass dank der Corona-Impfungen ab der Jahresmitte eine langsame Rückkehr zum normalen Wirtschaftsgeschehen möglich sein wird. Bislang erhielten rund 21 Millionen Menschen in den USA mindestens eine Impfdosis.

beb/dpa
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