SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

10. August 2012, 12:51 Uhr

Uno-Appell wegen Dürre

USA sollen Biotreibstoff-Produktion drosseln  

Die USA erleben die schlimmste Dürre seit den fünfziger Jahren, dennoch soll ein großer Teil der Ernte für die Ethanol-Produktion verwendet werden. Die Uno fordert die US-Regierung jetzt zum Umsteuern auf - andernfalls könne eine Nahrungsmittelkrise drohen.

London - Nahrung oder Treibstoff? Dieser Konflikt zeigte sich bereits 2007, als die Getreidepreise in vielen Ländern stark anstiegen, was auch auf die zunehmende Produktion von Bio-Kraftstoffen zurückgeführt wurde. Angesichts der historischen Dürre in den USA hat die Welternährungsorganisation (FAO) der Uno bereits vor einer neuen Lebensmittelkrise gewarnt. Am Freitag wurde die FAO noch konkreter: Ihr Generaldirektor José Graziano da Silva fordert die USA in einem Kommentar für die "Financial Times" ("FT") auf, ihre Produktion von Biokraftstoff zu drosseln.

Laut da Silva gehen derzeit 40 Prozent der US-Mais-Ernte in die Produktion von Biokraftstoff. Eine vorübergehende Reduzierung dieser Quote würde "dem Markt eine Atempause verschaffen und es ermöglichen, mehr Getreide als Nahrung und Tierfutter zu nutzen", schreibt da Silva. Zwar befinde man sich noch nicht in einer Krise, doch die US-Dürre mache die globalen Märkte "höchst anfällig" für weitere Erschütterungen.

Da Silva warnte davor, dass Regierungen die Situation wie 2007 durch falsche Reaktionen verschärfen könnten. Damals hatten mehrere große Produktionsländer Einfuhrrestriktionen erlassen, um im eigenen Land die Preise in Schach zu halten. Das hatte die Krise aber noch verschärft.

Die USA erleben derzeit die schwerste Dürre seit 1956. Sie betrifft fast zwei Drittel der Fläche des Landes, in zahlreichen Landkreisen wurde der Notstand ausgerufen. In der Folge hat sich Mais allein im Juli um fast 23 Prozent verteuert, die Preise für Weizen legten etwa 19 Prozent zu.

Der US-Kongress hatte 2007 vorgeschrieben, welcher Anteil der Getreideproduktion für Biokraftstoffe verwendet werden soll. Seitdem sind die Preise laut Studien stark gestiegen. Mehrere G-20-Staaten haben sich bereits besorgt über die hohe Ethanolproduktion in den USA gezeigt.

An der Börse locken die steigenden Lebensmittelpreise zunehmend Investoren an. Die Zuflüsse in börsennotierte Indexfonds und andere Anlageformen, die sich auf Terminkontrakte und Indizes für Agrarprodukte beziehen, erreichten mit knapp 110 Millionen Dollar den höchsten Wert seit März 2011. Das zeigte eine am Freitag veröffentlichte Statistik des Analysehauses Lipper.

dab/Reuters

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung