Angebliche Führungsschwäche BA-Finanzchefin Holsboer droht Ablösung

Ihre Berufung sorgte für Überraschung, jetzt scheint die Zeit von Valerie Holsboer bei der Bundesagentur für Arbeit schon wieder vorbei zu sein. Berichten zufolge soll die Finanz- und Personalchefin ihren Posten vorzeitig räumen.

Valerie Holsboer
BCG/Frank Beer

Valerie Holsboer


Nach nur gut zwei Jahren im Amt steht Valerie Holsboer, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA), offenbar vor einer vorzeitigen Ablösung. Es gebe im Verwaltungsrat der Arbeitsagentur Bestrebungen, der Bundesregierung ihre Abberufung vorzuschlagen, berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa) aus Verwaltungsratskreisen. Über den Vorstoß solle möglicherweise schon auf der nächsten Verwaltungsratssitzung am 12. Juli beraten werden.

Holsboer ist im Vorstand für Personal und Finanzen zuständig. Das einzige weibliche Mitglied im BA-Vorstand hatte einen Vertrag bis zum Frühjahr 2022. Über die Pläne hatten zuerst "Bild" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet. Als Nachfolgerin ist nach dpa-Informationen die Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen, Christiane Schönefeld, im Gespräch.

Dem Vernehmen nach halten große Teile des BA-Verwaltungsrats Holsboer für "führungsschwach". Ihr sei es nicht gelungen, die Bundesagentur personell für die neuen Herausforderungen wie das Aufbrechen verhärteter Langzeitarbeitslosigkeit umzubauen. "Frau Holsboer war der Größe der Aufgaben nicht gewachsen", hieß es im Umfeld des Verwaltungsrats.

Die Volljuristin habe zwar viel Energie in die Themen "Gleichberechtigung und gutes Betriebsklima bei der Bundesagentur" gesteckt, hieß es weiter. "Das ist aber zu wenig und nicht das einzige Thema." Der Vorsitzende des BA-Verwaltungsrats, Peter Clever, wollte sich zu der Personalie nicht äußern.

Gegenpol zum Sozialdemokraten Scheele

Die Berufung Holsboers hatte 2017 wegen ihrer mangelnden Behördenerfahrung für Überraschung gesorgt. Die Arbeitgeberseite, die sie seinerzeit als Gegenpol zum Sozialdemokraten Detlef Scheele für den BA-Spitzenjob ins Gespräch brachte, hatte allerdings auf ihre mehrjährige Erfahrung im BA-Verwaltungsrat verwiesen.

Dem Gremium hatte Holsboer von 2014 bis 2017 angehört. Bis zu ihrem Wechsel in den BA-Vorstand war sie zehn Jahre lang Hauptgeschäftsführerin beim Bundesverband der Systemgastronomie gewesen. Ihr Fokus hatte dabei auf der Lobbyarbeit für Fast-Food-Ketten gelegen.

dab/dpa



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