Venezuela Größte Brauerei produziert wieder Bier

Durch die Krise ist Essen in Venezuela knapp, Bier soll es allerdings nun wieder geben. Die größte Brauerei des Landes konnte dank eines Kredits die nötigen Zutaten importieren.

Bier von Polar
AP

Bier von Polar


Die Wirtschaftskrise in Venezuela treibt weiter absurde Blüten: Während Lebensmittel fehlen, produziert die größte Brauerei des Landes wieder Bier. Mithilfe eines Kredits habe man Gerstenmalz, Hopfen und Blech für die Kronkorken kaufen können, teilte das Unternehmen Polar mit.

Polar braut 80 Prozent des Bieres in Venezuela. Von kommender Woche an soll das Bier ausgeliefert werden. Polar hatte die Bierproduktion im April einstellen müssen, weil es wegen der strengen Devisenkontrollen der sozialistischen Regierung keine Rohstoffe mehr aus dem Ausland importieren konnte.

Polar erhielt ein Darlehen der spanischen Bank BBVA über 35 Millionen Dollar, rund 31,3 Millionen Euro. Ein Schiff aus Europa brachte neues Gerstenmalz. Das sei allerdings nur eine vorübergehende Lösung, hieß es in der Mitteilung von Polar. Bis Ende des Jahres sei die Produktion zunächst sichergestellt.

Preissteigerung von 10.000 Prozent

Bis Ende 2015 galt für die Einfuhr von Rohstoffen für die Bierproduktion ein fester Wechselkurs von 6,30 Bolívares. Dann schaffte die Regierung den Vorzugskurs für Polar allerdings ab. Zuletzt kostete der Dollar rund 640 Bolívares - eine Preissteigerung von 10.000 Prozent. Trotz zahlreicher Bemühungen habe die Regierung dem Unternehmen keine frischen Devisen zum Vorzugskurs mehr zugeteilt, der Konkurrenz hingegen schon, teilte Polar mit.

Der niedrige Ölpreis und jahrelange Misswirtschaft haben Venezuela an den Rand des wirtschaftlichen Ruins getrieben. In den Supermärkten des Landes fehlt es immer wieder an Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. Die höchste Inflation der Welt frisst die Ersparnisse der Venezolaner auf.

Wegen Zuckermangels musste auch Coca-Cola seine Produktion in Venezuela drosseln. Zahlreiche Airlines fliegen Caracas nicht mehr an, weil sie mit in Bolívares verkaufte Tickets kaum noch Gewinn machen. Die lokalen Währungsbestände können zudem nicht in Dollar transferiert und ins Ausland überwiesen werden.

Reportage aus Venezuela

sep/dpa

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