Tiefe Krise Venezuela will Inflation mit Cybergeld bekämpfen

Präsident Nicolás Maduro will der Hyperinflation in Venezuela Herr werden, indem er die Landeswährung zum Teil auf die Kryptowährung Petro umstellt. Das dürfte kaum funktionieren.

Nicolas Maduro
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Nicolas Maduro


Venezuelas Regierungschef Nicolás Maduro hat am Montag ein "neues Währungssystem" angekündigt, das teilweise auf der Kryptowährung des Landes, dem Petro, basieren soll.

Die Währungsreform richte sich gegen den "kriminellen Dollar" und die "imperialistischen" Sanktionen, die die USA und ihre Verbündeten gegen Venezuela verhängt hätten, sagte Maduro, der sich trotz Protesten im In- und Ausland am vergangenen Donnerstag für eine zweite Amtszeit hatte vereidigen lassen.

Zugleich ordnete er an, dass die Staatsunternehmen des Landes ab sofort 15 Prozent ihres Umsatzes in Petros abwickeln müssten. Der Petro wurde im Februar 2018 eingeführt. Abgesichert wird die Kryptowährung mit den riesigen Erdölreserven des südamerikanischen Landes.

Maduro machte keine Angaben dazu, inwiefern die Umstellung der Währung die tiefgreifenden wirtschaftlichen Probleme des Landes verbessern soll. Experten halten die Maßnahme für ein Ablenkungsmanöver.

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Venezuela: Hunger, Drogen, Gewalt

"Es ist eine Art Déjà-Vu", sagte der Ökonom Asdrubal Oliveros von der Beratungsfirma Ecoanalitica. Es gebe nach wie vor nichts, das darauf hindeute, dass Venezuela seine Wirtschaftskrise überwinden könne.

Maduro kündigte außerdem eine Anhebung des Mindestlohns um 300 Prozent an, um der hungernden Bevölkerung zu helfen. Der neue Mindestlohn von 18.000 Bolivars, umgerechnet rund 6,70 Dollar, reicht derzeit, um eine Palette Eier oder ein Kilo Fleisch zu kaufen.

Die Wirkung dieser Maßnahme dürfte allerdings rasch verpuffen. Die jährliche Inflationsrate wird auf 1,7 Millionen Prozent geschätzt. Die Kaufkraft wird dadurch binnen Tagen geschmälert.

Drei Millionen Wirtschsaftsflüchtlinge

Maduro kündigte zudem an, die nationale Ölproduktion drastisch zu erhöhen, um neue Einnahmen zu generieren. Die Krise im erdölreichsten Land der Welt, dessen Wirtschaftsleistung sich binnen fünf Jahren halbiert hat, entwickelt sich zu einem Problem für die ganze Region.

Wegen Devisenmangels kann der Staat kaum noch Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs importieren. Die medizinische Versorgung ist weitgehend zusammengebrochen.

Rund drei Millionen Menschen haben Venezuela bereits verlassen und Zuflucht in benachbarten Ländern gesucht.

ssu/AP/dpa-AFX



insgesamt 7 Beiträge
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imlattig 15.01.2019
1. da versucht...
maduro durch öleinnahmen verbessrungen für die prekäre bevölkerung zu erreichen wird eine hasskampagne losgetreten und an den grenzen von venezuela rücken die nachbarstaaten militärisch vor. hier wird mit kanonen auf spatzen geschossen. würde venezuela kein öl besitzen sondern kokain anbauen wie in kolumbien würde sich die usa keinen deut um die bevölkerung kümmern. bestes beispiel ist auch haiti, das nach dem erdbeben immer noch auf hilfe von ausserhalb angewiesen ist und der grösste teil in bitterster armut lebt. warum wird maduro in seinem bestreben, großen teilen der bevölkerung ein besseres leben zu ermöglichen nicht unterstützt? es wäre doch erstrebenswert, dass alle von dem ölreichtum profitieren. stattdessen wirtschaftssanktionen.
bommipit 15.01.2019
2. Mann......
ist geneigt zu sagen das es die westlichen Mächte sind die Venezuela vor die Hunde gehen lassen weil sie von den Öleinnahmen nichts ab bekommen. Maduro aber will etwas dem Volk geben,wie im Sozialismus üblich. Aber er ist das Problem. Wie in der ehemaligen DDR haben nur die ganz oben gut gelebt. Bei denen herrschte kein Mangel. Würde Maduro es so machen ,wie in den arabischen Ländern,wo die Bevölkerung sehr viel vom Öl hat ginge es besser. Die arabischen Staaten lassen auch den Westen daran teilhaben. Maduro denkt nur an sich.
gman87 15.01.2019
3. Crypto in Venezuela
Die Venezuelaner verwenden bereits Cryptogeld, und zwar Bitcoin. Das dort -heimlich- gehandelte Volumen steigt immer weiter an. Allerdings ist es offiziell "verboten".
romanpg 15.01.2019
4. Hacker werden sich freuen
Hacker werden sich über Maduros Petro freuen. Anders als oft behauptet sind sind cryptowährungen alles andere als absolut sicher. Vor allem cryptos mit geringer verbreitung haben das Risiko einem 51-percent-takeover zum opfer zu Fallen. Dies ist möglich, wenn jemand mehr als 50% der gesamten hash-kapazität der Währung verfügt. Ab diesem Zeitpunkt hat dieser die volle Kontrolle über das digitale Grundbuch der Cryptowährung und kann beispielsweise alle Transaktionen blockieren oder diese sogar rückgängig machen.
Aberlour A ' Bunadh 15.01.2019
5. machen, wie in den arabischen Ländern?
Zitat von bommipitist geneigt zu sagen das es die westlichen Mächte sind die Venezuela vor die Hunde gehen lassen weil sie von den Öleinnahmen nichts ab bekommen. Maduro aber will etwas dem Volk geben,wie im Sozialismus üblich. Aber er ist das Problem. Wie in der ehemaligen DDR haben nur die ganz oben gut gelebt. Bei denen herrschte kein Mangel. Würde Maduro es so machen ,wie in den arabischen Ländern,wo die Bevölkerung sehr viel vom Öl hat ginge es besser. Die arabischen Staaten lassen auch den Westen daran teilhaben. Maduro denkt nur an sich.
Das schwere, schwefelhaltige venezuelanische Rohöl ist bei den derzeitigen Weltmarktpreisen nicht konkurrenzfähig. Da nützen auch die - angeblich - größten Reserven der Welt wenig. Daher ist ein Vergleich mit den erdölproduzierenden Staaten des Nahen Ostens Wunschdenken. Problem: beginnen die Weltmarktpreise auch nur leicht zu steigen, werden die USA Öl fracken als wenn es kein Morgen mehr geben würde. Durch den Fracking-Boom in den USA werden sie alsbald ohnehin der größte Ölproduzent der Welt werden. Zuletzt haben die USA bereits mehr als 10 Millionen Barrel Öl pro Tag gefördert. Das wiederum hat nachhaltig dämpfende Wirkung auf die relevanten Weltmarktpreise. Daher ist Venezuela im Öl-Endgame hoffnungslos verloren. Sozusagen der Biggest Loser.
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