100-Bolívares-Schein Venezuela zieht meistverbreitete Banknote aus dem Verkehr

Nicolás Maduro stellt sein Volk vor eine weitere Herausforderung: Venezuelas Präsident will die bisher größte Banknote der Landeswährung innerhalb von drei Tagen aus dem Umlauf nehmen.

100-Bolívares-Scheine
AFP

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Rund sechs Milliarden 100-Bolívares-Scheine sind laut Venezuelas Zentralbank im Umlauf, das sind etwa 48 Prozent aller Geldnoten und Münzen der Währung des krisengeplagten Landes. Überraschend kündigte der venezolanische Präsident Nicolás Maduro nun an, den Geldschein aus dem Verkehr zu ziehen - und das noch in dieser Woche.

Der Schritt sei eine Verteidigungsmaßnahme, sagte Maduro. Er behauptet, vor allem aus Kolumbien, aber auch aus Deutschland, Tschechien und der Ukraine, sei in den vergangenen Jahren gezielt Bargeld aus Venezuela abgezogen worden, um der Wirtschaft des Landes zu schaden. Dahinter stecke laut Maduro das US-Finanzministerium.

Nun sollen die Venezolaner innerhalb von 72 Stunden ihre 100-Bolívares-Scheine umtauschen oder auf ihre Konten einzahlen. Danach gebe es noch eine Frist von zehn Tagen, um die Scheine bei der Zentralbank zu tauschen. Maduro sagte, er habe die Streitkräfte zudem angewiesen, die Grenzen zu sichern, um zu verhindern, dass aufgekaufte 100-Bolívares-Noten zurück in das Land gelangten. "Ihr könnt mit eurem Betrug draußen bleiben", sagte der Präsident.

Noch ist der 100-Bolívares-Schein die größte Banknote - allerdings ist er derzeit kaum etwas wert, sogar ein einzelnes Bonbon ist teurer. Wegen der Inflation im Land mit den größten Ölreserven der Welt werden in den kommenden Tagen ohnehin größere Geldscheine eingeführt. Die venezolanische Währung hat in den vergangenen drei Monaten 75 Prozent an Wert zum Dollar verloren. Auf dem Schwarzmarkt werden derzeit für einen Dollar bis zu 4400 Bolívares gezahlt. Das macht 44 Scheine á 100 Bolívares für einen Dollar. Da bei Zahlung mit Kreditkarte der viel schlechtere offizielle Kurs berechnet wird, bezahlen beispielsweise Hotelgäste in bar - mit Tüten voller Geldscheine werden die Rechnungen beglichen.

Kritiker nannten die Ankündigung ökonomischen Unsinn und warfen Maduro vor, dass 72 Stunden nicht annähernd genug Zeit seien, um zu den neuen Banknoten zu wechseln. Schon jetzt warten Venezolaner stundenlang in Schlangen an Banken und Geldautomaten, um an Bargeld zu kommen.

max/dpa/AP/AFP/Reuters



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