Öffentlicher Dienst Ver.di-Chef Bsirske droht mit unbefristetem Streik 

Mit markigen Worten erhöht Ver.di-Chef Bsirske im Tarifstreit im Öffentlichen Dienst den Druck. Er drohte mit einem Streik "wie es ihn 20 Jahre nicht gegeben hat", wenn die Arbeitgeber sich nicht bewegten. Diese signalisieren Kompromissbereitschaft.

Ver.di-Chef Frank Bsirske bei Kundgebung in Köln: Drohung an die Arbeitgeber
DPA

Ver.di-Chef Frank Bsirske bei Kundgebung in Köln: Drohung an die Arbeitgeber


Köln - Warnstreiks und kernige Sprüche - mit dieser Strategie will die Gewerkschaft Ver.di ihre Forderungen im Tarifstreit im Öffentlichen Dienst durchsetzen. Am Mittwoch legten Tausende Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen die Arbeit nieder. 71.000 Beschäftigte beteiligten sich dort laut Ver.di am Warnstreik - 16 000 mehr als vor zwei Wochen.

Der öffentliche Nahverkehr in den Großstädten Köln und Düsseldorf sowie im Ruhrgebiet war am Mittwoch weitgehend lahmgelegt. Ein Großteil der städtischen Kitas in den Ballungszentren war geschlossen. Der Müll wurde nicht abgeholt. Bestreikt wurden auch Theater, Ämter, Schwimmbäder, Sparkassen und Jobcenter. Auch in Berlin traten nach Gewerkschaftsangaben 7000 Menschen in einen ganztägigen Ausstand.

Ver.di-Chef Frank Bsirske legte vor der nächsten Verhandlungsrunde verbal nach. Wenn die Arbeitgeber ihren Kurs fortsetzten, werde ein Streik stattfinden, "wie es ihn 20 Jahre nicht gegeben hat", sagte Bsirske. Führten die Verhandlungen in der kommenden Woche nicht zu Lohnerhöhungen, "dann heißt es Urabstimmung und Arbeitskampf". Eine Schlichtung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern unter Leitung eines Vermittlers lehnte er ab.

Die Gewerkschaften verlangen 6,5 Prozent mehr Lohn für die zwei Millionen Staatsbediensteten von Bund und Kommunen. Die Arbeitgeber bieten bislang 3,3 Prozent Lohnsteigerung über zwei Jahre an. Ab 28. März wird in Potsdam wieder verhandelt. "Wir wollen beim nächsten Verhandlungstermin zu einer Einigung kommen. Das setzt Kompromissbereitschaft auf allen Seiten voraus", sagte der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Manfred Hoffmann. Man wolle alles dafür tun, dass es nicht zu einem regulären Arbeitskampf mit unbefristeten Streiks komme.

Am Donnerstag sind Warnstreiks in Baden-Württemberg, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen geplant. Verdi will die Arbeitsniederlegungen bis zum Beginn der dritten Verhandlungsrunde am kommenden Mittwoch fortsetzen.

mmq/dpa/Reuters

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rabenkrähe 21.03.2012
1. jaja
Zitat von sysopDPAMit markigen Worten erhöht Ver.di-Chef Bsirske im Tarifstreit im Öffentlichen Dienst den Druck. Er drohte mit einem Streik "wie es ihn 20 Jahre nicht gegeben hat", wenn die Arbeitgeber sich nicht bewegten. Diese signalisieren Kompromissbereitschaft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,822902,00.html
....... Die Geschichte wird noch hochdramatisch. Daß die öffentlichen Mitarbeiter, die jährlang Abstriche hinnehmen mußten, an einer besser laufenden Konjunktur Teilhabe nehmen wollen, ist ja nur zu verständlich und die eine Seite der Medaille. Die andere ist, daß diverse Städte und Gemeinden vor der Pleite stehen. Schon heute legen Banken Notfallpläne vor, wie mit dem Konkurs von Kreisen und Ländern umzugehen wäre. Jeder Cent mehr für die Mitbürger ist da ein ganz heißes Eisen. Zumal der Bund die anderen kommunalen Einheiten bislang im Stich läßt. So könnte diese popelige Tarifauseinandersetzung zu einem unerwarteten Flächenbrand führen. rabenkrähe
conny2, 21.03.2012
2. Schön wär's
Zitat von rabenkrähe....... Die Geschichte wird noch hochdramatisch. Daß die öffentlichen Mitarbeiter, die jährlang Abstriche hinnehmen mußten, an einer besser laufenden Konjunktur Teilhabe nehmen wollen, ist ja nur zu verständlich und die eine Seite der Medaille. Die andere ist, daß diverse Städte und Gemeinden vor der Pleite stehen. Schon heute legen Banken Notfallpläne vor, wie mit dem Konkurs von Kreisen und Ländern umzugehen wäre. Jeder Cent mehr für die Mitbürger ist da ein ganz heißes Eisen. Zumal der Bund die anderen kommunalen Einheiten bislang im Stich läßt. So könnte diese popelige Tarifauseinandersetzung zu einem unerwarteten Flächenbrand führen. rabenkrähe
Sie könnte auch dazu führen, dass die chronische Unterfinanzierung von Städten und Gemeinden zum Vorteil des Bundes endlich einmal ein großes Thema würde. Denn schließlich leben die Menschen in Städten und Gemeinden und nicht in einem blutleeren Rechtsgebilde, genannt "der Bund."
nick115 22.03.2012
3. Der Bund muss Verantwortung übernehmen
Seit Jahren leiden vorallem die Kommunen unter der Aufgabenflut aus Berlin und den Länderhauptstädte, die garnicht oder nur mit geringen Mitteln gegenfinanziert werden. Alleine die Sozialausgaben auf Grund von Bundesgesetzen (ALG II und co) reißen jedes Jahr größere Löcher in die Haushalte. Hier ist vom Bund anzusetzen und ein voller Finanzausgleich umzusetzen. Dann wären auch 6,5 % nicht mehr utopisch!
gibbonnobbig 22.03.2012
4.
am besten finde ich die Argumente der Streikenden selbst, wenn sie auf der Straße befragt werden.. da kommen dann so Aussagen wie "Die Konzernbosse verdienen immer weniger und der kleine Mann.." bla bla bla Wir reden hier vom Öffentlichen Dienst, Leute die natürlich vom Aufschwung der Wirtschaft nicht direkt profitieren, aber im Gegensatz zur Wirtschaft auch in der Krise noch sichere ARbeitsplätze haben!! Da regen sich die Leute über die bösen Banken auf, die auf die Rückzahlung ihrer Anleihen bestehen, obwohl sie für das entsprechende Risiko höhere Zinsen bekommen haben, aber dann will Verdi für den öffentlichen Dienst Löhne auf Niveau der freien Wirtschaft ohne das gleiche Risiko. typische populistische Gewerkschafter-Doppelmoral!
alsomomentmal 22.03.2012
5. Bosse...
Zitat von gibbonnobbigam besten finde ich die Argumente der Streikenden selbst, wenn sie auf der Straße befragt werden.. da kommen dann so Aussagen wie "Die Konzernbosse verdienen immer weniger und der kleine Mann.." bla bla bla Wir reden hier vom Öffentlichen Dienst, Leute die natürlich vom Aufschwung der Wirtschaft nicht direkt profitieren, aber im Gegensatz zur Wirtschaft auch in der Krise noch sichere ARbeitsplätze haben!! Da regen sich die Leute über die bösen Banken auf, die auf die Rückzahlung ihrer Anleihen bestehen, obwohl sie für das entsprechende Risiko höhere Zinsen bekommen haben, aber dann will Verdi für den öffentlichen Dienst Löhne auf Niveau der freien Wirtschaft ohne das gleiche Risiko. typische populistische Gewerkschafter-Doppelmoral!
...verdienen immer weniger, sagen die Demostranten! Ehrlich?
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