Streit um Dispo-Zinsen Verbraucherschutzminister kanzelt Top-Banker Fitschen ab

Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen legt sich mal wieder mit der Politik an. In seiner Rolle als Bankenpräsident spricht er sich gegen die geplante Reform der Dispo-Zinsen aus - und erntet dafür prompt den Spott des zuständigen Ministers Heiko Maas.

Justizminister Maas: "Irgendwann auch mal Realität"
DPA

Justizminister Maas: "Irgendwann auch mal Realität"

Von


Hamburg - Jürgen Fitschen ist Ärger gewohnt - für einen Co-Chef der Deutschen Bank gehört eine gewisse Frustrationstoleranz mittlerweile zum Jobprofil. Doch wenn ein Bundesminister den Top-Banker wahlweise der Lüge oder der Unwissenheit bezichtigt, ist das selbst für einen Fitschen ungewöhnlich hart.

Es geht um einen Streit über das leidige Thema Dispo-Zinsen. Für die Banken sind diese Überziehungszinsen mittlerweile fast die letzte Möglichkeit, im normalen Privatkundengeschäft noch Geld zu verdienen. Deshalb langen sie gerne kräftig hin. Für die Politik hingegen sind die Zinsen ein einfaches Thema, um sich beim Volk beliebt zu machen.

Und so plant die Große Koalition unter dem zuständigen Justiz- und Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) denn auch neue Auflagen für die Finanzindustrie. Die Banken sollen verpflichtet werden, Kunden mit einem überzogenen Konto zu warnen und bei längerer Inanspruchnahme des Dispos günstigere Kreditalternativen anzubieten.

Am Freitag nun ist dieser Streit zwischen Politik und Banken eskaliert. Den Anfang machte Bankenpräsident Jürgen Fitschen, der die Pläne der Regierung als realitätsfremd darstellte. "Wer nach einer Woche beispielsweise schon einen Anruf bekommt, weil er mit tausend Euro im Dispo ist, kann sich möglicherweise nicht beraten, sondern vielleicht eher belästigt fühlen", sagte Fitschen der Nachrichtenagentur dpa. Eine Beratung dieser Kunden finde ohnehin schon in aller Regel statt, behauptete der Top-Manager: "Es ist bei vielen Banken üblich, dass man das Gespräch mit denjenigen Kunden sucht, die den Dispo-Kredit länger in Anspruch nehmen. Eine gesetzliche Verpflichtung halte ich in diesem Punkt für überflüssig."

Das wollte Minister Maas offenbar nicht auf sich sitzen lassen. Bei einem Besuch in der Verbraucherzentrale Hamburg reagierte er ungewöhnlich heftig auf Fitschens Vorstoß. Dieser ermuntere ihn, das Thema "noch intensiver" anzugehen, sagte Maas spitz, "damit das, was Herr Fitschen behauptet, dann auch mal irgendwann Realität wird". Übersetzt heißt das: Maas suggeriert, dass Fitschen entweder lügt, oder dass er nicht weiß, was in Deutschlands Bankfilialen wirklich passiert - beides wäre nicht gerade schmeichelhaft für den Deutsche-Bank-Chef, der im Nebenberuf auch noch die gesamte Branche der privaten Finanzinstitute repräsentiert.

Es ist nicht das erste Mal, dass Fitschen Ärger mit der Politik bekommt. Erst im Herbst war er öffentlich mit Finanzminister Wolfgang Schäuble aneinandergeraten, weil dieser den Banken vorgeworfen hatte, geltende Regeln gerne zu umgehen. Fitschen hatte dem Minister daraufhin Populismus vorgeworfen - mittlerweile sollen sich die beiden aber wieder vertragen haben.

Ende Februar hatte Fitschen zudem Bankenkritiker wie den Grünen-Finanzfachmann Gerhard Schick attackiert. "Herr Schick, vielleicht geht das, dass Sie mal zu uns in die Vorstandssitzung kommen", hatte Fitschen bei einer Veranstaltung in Frankfurt gesagt. "Dann sehen Sie mal, wie das ist, eine Bank zu führen. Sie werden überrascht sein."



insgesamt 102 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Fresh-Air 14.03.2014
1. Gut so Herr Minister...
.... Ich war Jahre lang im Dispo und bin nicht wirklich gefragt worden von der Bank, ob ich nicht umschulden möchte. Im Gegenteil: Meine diesbezügliche Frage nach Umschuldung an die (Deutsche) Bank wurde komplett abgelehnt.... Auch wenn ich sie jetzt zum Glück nicht mehr brauche, eine gesetzliche Reglung fänd ich toll....
Dengar 14.03.2014
2. Lol
Belästigt fühle ich mich von meiner Bank, wenn mir alle drei Wochen "günstige Verraucherkredite" angedreht werden wollen, oder m"meine" Bankberaterin mir alle habe Jahr einen "verbindlichen" Beratertermin mit Datum und Uhrzeit wie eine Vorladung zuschickt! Da ich den Dispo bisher noch nie in Anspruch genommen habe, kann ich allerdings nicht beurteilen, WIE lästig Bankberater DANN wohl erst werden könnten...vielleicht hat Herr Fitschen ja recht...:o)
kalman, 14.03.2014
3. Fitschen reiht sich ein
in die Großmaulschnautzen seiner Vorgänger - nichts anderes ist man von der Deutschen Bank gewöhnt; bei den weltweit von der Deutschen Bank verlorenen Milliarden-Prozesse scheint mir die kriminelle Energie in diesem Institut Bestandteil des Geschäftsmodells zu sein.
nozron101 14.03.2014
4. Fitschen hat Recht...
...und wenn ich umschulden möchte tue ich das selbstständig. nichts ist so.flexibel wie ein Dispo. Da nehm ich auch höhere Zinsen in kauf. Das sich Herr Maas hier mal wieder in Bereiche einmischen will die ihn nichts angehen tun mir als Spd-wähler weh. Schluss damit um sich selbst zu profilieren.
brut_dargent 14.03.2014
5. @Dengar
"... Da ich den Dispo bisher noch nie in Anspruch genommen habe, kann ich allerdings nicht beurteilen, WIE lästig Bankberater DANN wohl erst werden könnten...vielleicht hat Herr Fitschen ja recht...:o) ..." Zitat Ende - Ne, hat er nicht. Er lügt sich die Realität zusammen, wie er sie gern hätte. Darin ist die Commerzbank auch Weltmeister. Gute Strategie von Ihnen. Ist meine (inzwischen) auch. Banken sehen NIE wieder einen Cent Kreditzins von mir ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.