Verkehr in Deutschland Ausländische Laster verstopfen Autobahnen

Auf deutschen Fernstraßen ist immer mehr los. Neue Daten zeigen nach SPIEGEL-Informationen, dass das auch an ausländischen Lkw liegt. Doch Verkehrsminister Dobrindt hält die Studie unter Verschluss.

Autobahnkreuz Hannover-Ost
DPA

Autobahnkreuz Hannover-Ost


Die Presseabteilung der Bundesanstalt für Straßenwesen hatte alles sorgfältig vorbereitet. Die zweiseitige Mitteilung an die Medien war geschrieben. Nur dort, wo "XX.05.2016" stand, musste noch das genaue Datum eingetragen werden.

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Heft 24/2017
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Allerdings haben die Mitarbeiter der Behörde die Pressemitteilung bis heute nicht verschickt. Sie warten noch immer auf die Freigabe durch den Bundesverkehrsminister. Über die Frage, warum Alexander Dobrindt (CSU) die sogenannte Fahrleistungserhebung seit mehr als einem Jahr unter Verschluss hält, wird sogar in seinem Berliner Ministerium gerätselt. "Kaum einer kann sich das erklären", sagt ein Insider, "zumal die Daten eigentlich auch für die Neuberechnung der Lkw-Maut benötigt werden." (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Unverständlich ist die Öffentlichkeitsscheue des Ministers auch deshalb, weil ihm der Datenschatz bei der Durchsetzung der umstrittenen Ausländer-Maut auf Autobahnen geholfen hätte. Schließlich lautet das zentrale Ergebnis der Fahrleistungserhebung: Auf deutschen Autobahnen sind immer mehr ausländische Fahrzeuge unterwegs.

Sie haben bereits einen Anteil von zwölf Prozent an allen auf Autobahnen gefahrenen Kilometern. Beim Schwerverkehr waren es insgesamt 35 Prozent. Bei Sattelzugmaschinen - also jenen Lkw, die einen beträchtlichen Teil des Schwerverkehrs auf den Autobahnen ausmachen - liegt der Anteil sogar bei 41 Prozent.

Aus der Erhebung, die größtenteils 2014 durchgeführt wurde, geht außerdem hervor, dass jeder in Deutschland zugelassene Pkw im Schnitt rund 13.600 Kilometer pro Jahr fährt. Das ist nur unbedeutend mehr als bei der vorherigen Untersuchung 2002.

Vor allem unterscheidet sich die Kilometerleistung deutlich nach der Antriebsart: Ein Diesel-Pkw privater Halter fährt rund 17.400 Kilometer pro Jahr, ein Benziner mit 10.400 Kilometern deutlich weniger.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 91 Beiträge
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Seite 1
blueberryhh 09.06.2017
1. offensichtlich!
dafür braucht`s keine Studie - das wird jeder Autofahrer selbst erleben, wenn er nur mal einige Kilometer über die deutschen großen Autobahnen fährt ...
stefanmargraf 09.06.2017
2. Das wissen wir Fahrer schon lange
Und das liegt an den EU Erweiterungen, dadurch wird mehr hin und her und durch-transportiert. Demnächst auch noch Bulgarien...
Biegel 09.06.2017
3. Kein Geheimnis: Deutschland ist Transitland
Das ist auch keine neue Botschaft. Wer einmal die A2 nach Berlin fährt, wird auf der rechten Spur vor allem LKW aus dem Osten sehen, die Deutschland als Durchgangsland benutzen. Ein LKW belastete die Autobahn wie 9000 PKW. Die gehören auf die Schiene.
Direwolf 09.06.2017
4. Komisch
Also wenn es um die Fahrleistung ausländischer Lkw auf Autobahnen geht, die wird jeden Monat veröffentlicht: https://www.bag.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Statistik/Lkw-Maut/Archive/Monatstabellen_2016.html?nn=1591040
gammoncrack 09.06.2017
5. Ich vermute einmal,
dass sich Herrn Dobrindt fürchtet, dass aus den Ergebnissen abzuleiten ist, dass sich hier in Deutschland das Speditionsgewerbe aufgrund der diversen Vorschriften einfach nicht mehr lohnt. Und, dass sich als Folge dieses Gewerbe immer mehr in die Hände ausländischer Spediteure oder Subunternehmer verlagert. Die haben mit den diversen Vorschriften hier eben nichts zu tun und auch nichts am Hut. Die Mautkosten stehen vermutlich in keinem Verhältnis zu den Kosten, die ein verkehrsicherer LKW erfordert.
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