Klimaschutz Scheuer will zehn Millionen Elektroautos - bis 2030

Bundesregierung und Industrie setzen noch stärker auf E-Autos, nachdem sie ihre Ziele bisher krachend verpasst haben. Bis 2030 soll es 300.000 Ladepunkte geben, um "die letzten Bedenken" gegen die Technik zu zerstreuen.
Ladestation im brandenburgischen Cottbus

Ladestation im brandenburgischen Cottbus

Foto: Patrick Pleul/ DPA

Das 2008 formulierte Elektroauto-Ziel der Bundesregierung von einer Million Batteriefahrzeuge bis 2020 gilt längst als illusorisch. Also haben Politik und Autobranche bei einem Spitzentreffen nun einfach neue Ziele ins Auge gefasst - für einen zehn Jahre späteren Zeitpunkt.

Nach dem Willen der Bundesregierung sollen bis 2030 auf deutschen Straßen zehn Millionen Elektro-Pkw unterwegs sein und 500.000 Elektro-Nutzfahrzeuge. Den Strom sollen sie aus 300.000 Ladepunkten ziehen.

Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD war noch von 100.000 Ladepunkten die Rede, allerdings bis 2020. Zuletzt gab es laut dem Energiewirtschaftsverband BDEW aber erst 17.400 Stück. Nun plant Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) einen neuen Masterplan - das Laden solle "immer für alle und überall möglich" sein, um "die letzten Bedenken" zu E-Autos zu zerstreuen.

Lesen Sie hier den Kommentar: Ein paar Ladesäulen sind noch keine Zukunft

Der Ausbau der Elektromobilität soll helfen, die deutschen und europäischen Ziele beim Klimaschutz zu erreichen. Ihre ursprünglichen Vorgaben für das Jahr 2020 hatte die Bundesregierung aber ebenfalls bereits aufgegeben. Im Verkehrsbereich soll Deutschland dem Klimaschutzplan der Großen Koalition zufolge nun bis 2030 den CO2-Ausstoß um gut 40 Prozent gegenüber 1990 senken, nachdem die Emissionen bis heute weitgehend stagnierten.

E-Autos verkaufen sich bisher schleppend, die Deutschen setzen meist auf Benziner oder Diesel - trotz der Kaufprämie, die gerade bis 2020 verlängert wurde. Nach amtlichen Zahlen gab es zu Jahresbeginn 83.000 Elektro-Pkw und 341.000 Hybrid-Pkw. Zum Vergleich: Der Gesamtbestand beläuft sich auf 47,1 Millionen Autos.

Dem Verkehrsministerium fehlt es bei seiner E-Auto-Offensive mitunter auch an Wissen. Unbekannt ist etwa, wie viele private Ladestellen es in Deutschland gibt. Das hatte eine Expertengruppe dem Ministerium im Frühjahr dargelegt. Zuhause spielen sich laut Schätzungen aber rund 85 Prozent der Ladevorgänge ab.

Es solle einfacher werden, in Tiefgaragen Ladepunkte einzubauen, sagte Scheuer nun. Ein Gesetzentwurf werde in der Regierung abgestimmt. Die Finanzierung ist aber noch nicht gesichert, es ist von einer Milliarde Euro die Rede, die benötigt würden.

Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, sprach von einem "guten Grundstein", den Industrie, Gewerkschaften und Politik bei ihrem Treffen gelegt hätten. Ladestellen seien extrem wichtig für mehr E-Autos.

Kritik kam von Umweltschützern. Es seien bereits Milliarden an Steuergeld in Forschung und Entwicklung der E-Mobilität und Hunderte Millionen in den Aufbau der Infrastruktur gegangen, bemängelte die Deutsche Umwelthilfe. Die Bundesregierung müsse sich aus dem Würgegriff der Autoindustrie befreien.

apr/dpa
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