Millionärsstudie Vermögen in Deutschland viel ungleicher verteilt als bisher angenommen

Deutschlands ohnehin schon hohe Vermögensungleichheit wurde offenbar deutlich unterschätzt: Den obersten zehn Prozent der Bevölkerung gehören laut einer neuen Studie rund zwei Drittel des gesamten Nettovermögens.
Passantin vor einem Schaufenster in der Düsseldorfer Koenigsallee

Passantin vor einem Schaufenster in der Düsseldorfer Koenigsallee

Foto: Stefan Ziese/ imago images/ blickwinkel

Die Vermögen in Deutschland sind laut einer Untersuchung weit ungleicher verteilt als bisher angenommen. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor, über die "Zeit Online" vorab berichtete .

Demnach besitzt das oberste Prozent der Bevölkerung 35 Prozent statt, wie bisher angenommen, knapp 22 Prozent des Nettovermögens in Deutschland. Und den obersten zehn Prozent der Bevölkerung gehören nicht etwa, wie bisher geschätzt, 59 Prozent der Vermögen. Sondern sie besitzen rund zwei Drittel.

Die untere Hälfte der Bevölkerung hat hingegen kein oder nur ein geringes Vermögen von bis zu 22.800 Euro. Im Schnitt beträgt das Nettovermögen dieser Menschen rund 3700 Euro. 

Zudem ist in Deutschland der sogenannte Gini-Koeffizient, das international gängige Maß für Ungleichheit, höher als bislang gedacht. Er liegt bei 0,81, statt, wie bisher angenommen, bei 0,78. Liegt er bei null, haben alle Haushalte einer Gesellschaft ein gleich hohes Vermögen. Liegt er bei 1, fließt das gesamte Vermögen einem einzigen Haushalt zu, alle anderen bekommen gar nichts.

"Deutschlands ohnehin schon hohe Vermögensungleichheit wurde bisher deutlich unterschätzt", sagte Johannes König, einer der Autoren. "Wir sehen jetzt erstmals ein realistischeres Bild von der Verteilung am oberen Rand."

Millionäre deutlich zufriedener als der Rest der Bevölkerung

Für die Studie entwickelten die DIW-Wissenschaftler dem Bericht zufolge eine neue Zufallsstichprobe, in der Menschen mit hohem Vermögen stark überrepräsentiert sind. Die anschließende Befragung erlaube nun auch einen genaueren Blick auf die Gruppe der Vermögensmillionäre in Deutschland.

In dieser Gruppe sind der Studie zufolge überdurchschnittlich oft Männer, die älter und besser gebildet sind als der Durchschnitt der Bevölkerung und mehrheitlich in Westdeutschland leben. Rund drei Viertel der Millionäre sind selbstständig. Ein Großteil ihres Vermögens steckt in Firmenanteilen.

Zugleich fanden die Wissenschaftler heraus, dass Vermögensmillionäre deutlich zufriedener sind als der Rest der Bevölkerung. Nur hinsichtlich der Freizeit war die Zufriedenheit geringer. Das liegt den Autoren zufolge an der deutlich höheren Arbeitsbelastung. Laut der Umfrage arbeiten die Millionäre im Schnitt 47 Stunden pro Woche - rund zehn Stunden mehr als der Rest der Bevölkerung.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes hieß es, die untere Hälfte der Bevölkerung besitze weniger als 22.800 Euro. Richtig ist: Diese Gruppe hat kein oder ein Vermögen von bis zu 22.800 Euro. Außerdem bezieht sich der Gini-Koeffizient auf die Vermögensungleichheit. Wir haben beide Textstellen präzisiert.

hej/AFP
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