Vermögen Großerben zahlen kaum Steuern

Erbschaften und Schenkungen im Wert von 31 Milliarden Euro wurden in Deutschland 2018 nur mit durchschnittlich fünf Prozent besteuert. Das geht aus einer Anfrage der Linken an die Bundesregierung hervor.

Testament: Diskussion um Erbschaften wird emotional geführt
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Testament: Diskussion um Erbschaften wird emotional geführt


Auf Erbschaften oder Schenkungen über zehn Millionen Euro mussten 2018 in Deutschland kaum Steuern gezahlt werden: Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, über die die "Süddeutsche Zeitung" am Montag berichtet. Demnach erhielten gut 600 Deutsche zusammen 31 Milliarden Euro, auf die im Schnitt nur fünf Prozent Steuern fällig wurden.

Zwei Drittel der knapp 40 Bürger, die sogar 100 Millionen Euro und mehr erbten oder geschenkt bekamen, gingen demnach komplett steuerfrei aus. Wer im vergangenen Jahr 100 Millionen Euro oder mehr geschenkt bekam, zahlte im Schnitt nur eine Steuer von 0,2 Prozent, heißt es in der Antwort der Bundesregierung.

Wirtschaftsverbände verteidigen gegenüber der "SZ" bestehende gesetzliche Ausnahmen für Unternehmenserben damit, dass sie Arbeitsplätze vor allem im Mittelstand sicherten. "Wird eine Firma vererbt oder verschenkt, muss meist weit weniger versteuert werden als etwa bei Wertpapieren oder Immobilien", erklärte Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Die durchschnittliche Steuer der Großerben ist nach den Daten halb so hoch wie für Erbschaften von ein bis zehn Millionen Euro.

Die Linkspartei übte scharfe Kritik an dieser Praxis. "Je höher das geerbte oder geschenkte Vermögen, desto geringer die Steuerbelastung", sagte Linksfraktionschef Dietmar Bartsch der "Süddeutschen Zeitung". "Deutschland ist ein Steuerparadies für Multimillionäre." Es sei "extrem ungerecht, dass Kinder in Armut leben müssen, Rentner immer mehr zur Kasse gebeten werden, die Mitte keine spürbare Entlastung erfährt und superreiche Erben und Beschenkte auf astronomische Summen kaum Steuern zahlen", kritisierte Bartsch.

mik/dpa

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