Vermögensverteilung Deutschland ist gespalten - in Superreiche und den Rest

In keinem Land Europas ist der Reichtum so ungleich verteilt wie in Deutschland. Eine neue Untersuchung zeigt: Allein das reichste Prozent besitzt ein Drittel des gesamten Privatvermögens. In Spanien oder Frankreich ist der Wohlstand gleichmäßiger verteilt.

Reiche bleiben gerne unter sich. Sie reden auch nicht über ihre Vermögen. Während die Einnahmen und Ausgaben der Mittelschichts- und Armen-Haushalte in Deutschland bis auf den letzten Cent durchleuchtet sind, wissen Staat und Statistiker über die Besitztümer der wirklich Wohlhabenden nicht so genau Bescheid.

Allerdings gibt es immer bessere Schätzungen. Und jede weitere Präzisierung festigt die Erkenntnis: Die Superreichen vereinen einen immer größeren Teil des gesamten Vermögens in Deutschland auf sich. Das zeigt eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Die reichsten ein Prozent der Haushalte in Deutschland besitzen 33 Prozent der Vermögen. Noch deutlicher wird es an der Spitze der Spitze: das oberste Promille (das sind ungefähr 40.000 Haushalte) halten mehr als 17 Prozent des Reichtums.

Wie ungleich die Verteilung in Deutschland ist, zeigt die Gegenrechnung: Die ärmere Hälfte der Deutschen besitzt gerade einmal 2,5 Prozent der Vermögen. In Frankreich, Spanien oder Griechenland, die das DIW ebenfalls untersucht hat, sind die Vermögen gleichmäßiger verteilt - auch wenn die Reichen dort ebenfalls weit mehr als der Durchschnitt besitzen. (s. Grafik)

Reichtümer bisher unterschätzt

Zwar war die Tendenz schon vorher zu erkennen, die extreme Ballung der Vermögen bei den Superreichen wurde aber vor der DIW-Studie so nicht gesehen, vor allem weil die Datenerhebung Schwächen hat. Die meisten Studien zur Verteilung von Reichtum in Europa beziehen sich auf die Eurosystem Household Finance and Consumption Survey (HFCS) der Europäischen Zentralbank (EZB).

Diese Untersuchung zur Einkommensverteilung und Vermögensverteilung in den Eurostaaten berechnet das Haushalts-Nettovermögen; dazu gehören: alle Spar- und Girokonten, Bausparguthaben, alle Arten von Wertpapieren, Unternehmensbeteiligungen, Fahrzeuge, Sammlungen, Schmuck und auch Guthaben aus privaten Renten- und Lebensversicherungen, allerdings keine Ansprüche an staatliche Sozialkassen. Von der Gesamtsumme werden wiederum die Schulden abgezogen: alle Konsumkredite (auch Kreditkartenschulden), überzogene Konten oder unbezahlte Rechnungen.

Diese Erhebung ist gründlich, sie weist aber gerade bei der Kartierung wohlhabender Haushalte einige Schwachstellen auf:

  • die Teilnahme ist freiwillig

  • die Vermögenswerte werden von den Befragten selbst geschätzt (problematisch bei Immobilien, Aktien, Kunst und anderen Sachwerten)

  • weil Reichtum viel stärker konzentriert ist als Einkommen, ist die Zahl der Haushalte kleiner - wenn also von den wenigen Befragte einige inkorrekt oder gar nicht antworten, wird das Ergebnis verzerrt

Um eine genauere Vorstellung von den Haushalten an der Spitze der Vermögenspyramide zu erhalten, haben die DIW-Forscher weitere Quellen ausgewertet, vor allem die Reichenlisten von Wirtschaftsmedien. So fließen die Zahlen der Forbes-Liste über europäische Milliardäre ebenso in die Berechnung ein, wie nationale Reichenlisten.

Für Deutschland haben die Wissenschaftler sich an der Liste der 200 reichsten Deutschen (im Schnitt 1,5 Milliarden Euro) orientiert, die das manager magazin jährlich recherchiert. In Frankreich haben die Redakteure des Magazins "Challenges" die 500 Superreichen des Landes aufgelistet und kommen auf Vermögen von durchschnittlich 1,1 Milliarden Euro. In Spanien hat die Tageszeitung "El Mundo" die 100 reichsten Menschen mit durchschnittlich 1,5 Milliarden Euro beziffert und in Griechenland kommt das Magazin "Greek Rich List" auf ein mittleres Vermögen pro Superreichenfamilie von rund 200 Millionen Euro.

Die Ergebnisse der DIW-Studie zeigen, dass bisherige Untersuchungen die Reichtümer der Oberschicht offenbar viel zu gering beziffert haben. Die Unterschiede bei den reichsten 0,1 Prozent der Deutschen sind bemerkenswert groß: Bisher hieß es, bei diesen Superreichen ballten sich knapp vier Prozent der gesamten Vermögen - mit mehr als 17 Prozent liegt die Zahl aber mehr als vier Mal so hoch.

Die Zahlen aus Spanien und Frankreich (die Datenbasis aus Griechenland ist etwas wackelig) zeigen aber auch: Die extreme Ungleichverteilung ist ein spezifisch deutsches Phänomen. Dem könnte durch die Wiedereinführung einer reformierten Erbschaftsteuer abgeholfen werden, schreibt einer der an der Studie beteiligten DIW-Forscher an anderer Stelle.