Finanzaffäre um IWF-Chefin Vernehmung von Lagarde unterbrochen

Zwölf Stunden lang musste sie sich erklären, dann wurde die Vernehmung unterbrochen: IWF-Chefin Christine Lagarde ist am Donnerstag vor Gericht zu ihrer Finanzaffäre befragt worden. Es geht um den Verdacht, sie habe öffentliche Gelder veruntreut. Am Freitag soll die Befragung weitergehen.
Muss sich zu ihrer Finanzaffäre erklären: IWF-Chefin Christine Lagarde

Muss sich zu ihrer Finanzaffäre erklären: IWF-Chefin Christine Lagarde

Foto: AP/dpa

Paris - "Bis morgen", ruft Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), wartenden Journalisten vor dem Gerichtshof der Republik in Paris zu. Dort hatte sie sich zuvor einer zwölfstündigen richterlichen Befragung gestellt. Über den Verlauf des Verhörs gab es zunächst keine Angaben. Die Vernehmung wurde am Donnerstagabend unterbrochen und soll am Freitag fortgesetzt werden.

Dann muss sich die ehemalige Wirtschaftsministerin erneut zu den Vorwürfen der Veruntreuung öffentlicher Gelder und Amtsmissbrauch erklären. Konkret geht es um die Rolle Lagardes in einer privaten, außergerichtlichen Einigung, bei der Bernard Tapie - ein umstrittener Geschäftsmann und Ex-Politiker - 2007 von der Staatskasse mit mehr als 400 Millionen Euro abgefunden wurde.

Tapie war unter François Mitterand selbst Minister und führte einst den Fußballverein Olympique Marseille. Außerdem war er Hauptaktionär bei Adidas. Weil er 1993 dringend Geld brauchte, verkaufte er Aktien des Sportartikelherstellers an die damalige Staatsbank Crédit Lyonnais - für zwei Milliarden Francs. Die Bank verkaufte sie kurz darauf für das Doppelte. Tapie fühlte sich betrogen und zog vor Gericht.

Nach einem jahrelangen Rechtsstreit zwischen Tapie und der Crédit Lyonnais beauftragte Lagarde 2008 ein Schiedsgericht, den Fall zu lösen - gegen den Rat der Experten ihres Ministeriums. Das Gericht sprach Tapie 258 Millionen Euro aus der Staatskasse zu. 45 Millionen Euro wurden Tapie allein als steuerfreies Schmerzensgeld gezahlt, auch diese Summe soll auf eine Anweisung Lagardes zurückgehen.

Bei der Vernehmung geht es nun darum, ob gegen Lagarde ein förmliches Ermittlungsverfahren oder gar eine Anklage eingeleitet wird. Sollte Lagarde der Beihilfe überführt werden, drohen ihr nicht nur der Verlust ihres IWF-Postens, sondern auch 75.000 Euro Strafe und bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Seit August 2011 laufen gegen die IWF-Chefin erste Ermittlungen wegen "Beihilfe zur Fälschung" und "Beihilfe zur Veruntreuung öffentlicher Gelder". Die IWF-Chefin, , widerspricht den Vorwürfen. Sie habe nur ein langes und für den Staat teures Verfahren beenden wollen: "Seinerzeit handelte es sich um die beste Lösung und es war eine gute Wahl."

vks/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.