Diesel-Privilegien Verkehrsminister "verwundert" über VW-Forderung

VW-Chef Michael Müller hat sich für die Abschaffung von Diesel-Privilegien ausgesprochen. Ausgerechnet VW? Das Verkehrsministerium zeigt sich erstaunt.

VW-Autohaus
DPA

VW-Autohaus


Schon länger stehen die Steuervorteile für Dieselfahrzeuge in der Kritik. Am Wochenende hat sich Volkswagens Konzernchef Matthias Müller zu dem Thema geäußert - und die Seite der Diesel-Kritiker ergriffen. Der geschäftsführende Bundesverkehrsminister Christian Schmidt (CSU) zeigt sich über diesen Vorstoß nun irritiert.

Vor allem Müllers Forderung, eine weitere Umweltplakette einzuführen, sorgte im Verkehrsministerium für Erstaunen. "Dass die Automobilindustrie Fahrverbote fordert, verwundert sehr", sagte Schmidt. Die geforderte blaue Plakette bedeute "nichts anderes als die kalte Enteignung von Millionen von Diesel-Besitzern". Die Autoindustrie stehe "sehr deutlich in der Verantwortung", mehr Mobilität bei weniger Emissionen zu schaffen.

Müller hatte sich zuvor im "Handelsblatt" für Umweltplaketten für emissionsarme Autos in Städten ausgesprochen und die bestehenden Steuervorteile für Dieselsprit in Zweifel gezogen. Er sehe keinen Anlass, an der Besteuerung etwas zu ändern, sagte Schmidt und blieb damit bei der Position seines Vorgängers Alexander Dobrindt (CSU). Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Bundesregierung habe gegenwärtig "keine Pläne, an der Dieselbesteuerung etwas zu ändern".

Eine Sprecherin von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) verwies darauf, dass die Ministerin aus Umweltsicht die Steuervorteile zwar nicht für gerechtfertigt halte, sie aber nur im Zuge einer größeren ökologisch und sozial ausgerichteten Steuerreform abschaffen wolle.

Lob erhielt Müller von den Grünen: "Unter großem öffentlichen Druck geht Herr Müller einen Schritt in die richtige Richtung", sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt der "Passauer Neue Presse". Die Subventionen verbauten den Ausstieg aus dem Diesel.

Der Diesel ist für die deutschen Autobauer extrem wichtig. Ein Grund für den hohen Dieselanteil hierzulande ist die deutlich niedrigere Besteuerung des Kraftstoffs im Vergleich zu Benzin. Dieselwagen stoßen bei vergleichbarer Leistung weniger CO2 aus als Benziner, sind aber im Schnitt stärker motorisiert. Zudem stoßen viele Dieselautos viele gesundheitsschädliche Stickoxide aus.

asc/dpa/AFP

insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
beob_achter 11.12.2017
1. Die Schieflage ist nicht zu übersehen.
Herrn Müller hätte ich nicht zugetraut, seine Branche so zu düpieren. Mal schauen, was er in der Hinterhand hat!
Herr Bayer 11.12.2017
2. VW-Diesel nicht konkurrenzfähig?
womöglich hat Müller erkannt, dass die VW-Diesel nicht mehr konkurrenzfähig sind. Selbst die neuen T6 sind nicht zulassungsfähig.
f_eu 11.12.2017
3.
Weiss Herr Müller eigentlich wovon er redet wenn er auf eMobilität setzt? Oder ist das nur der Aufhänger um von VW Problemen abzulenken. Nämlich den Lieferstop für den als PKW verkauften T6 Bus MultiVan weil der nicht sauber ist.
thomaswinterfeldt 11.12.2017
4. Schwer vorstellbar ...
... dass Müller jetzt zum Öko geworden ist. Ich vermute eher, dass die Diesel-Verkaufszahlen rückläufig sind, am allermeisten bei Volkswagen. VW dürfte stattdessen relativ gesehen mehr Benziner verkaufen. Daher würden Diesel-Fahrverbote o.ä. Volkswagen auf dem sich dann entwickelnden Gesamtmarkt, praktisch ohne Diesel, weiter stärken. Die Leute kaufen ja deswegen nicht weniger Autos, nur der Kraftstoff wird gewechselt.
Supertramp 11.12.2017
5. Steuerfreiheit für Flug Kerosi und Geschäftwagen Vorteile ein paar priviligierte sollten auch abgeschafft werden
Müller hat schon recht. bisher verschwedet der Deutsche Staat 7,8 Milliarden für Steuervergünstigungen von Übermotorisierten schweren Diesel Fahrzeugen. Auch die dann Übermotorisierten Geschäftwagen Vorteile verzerren indirekt den Gebrauchwagen Markt!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.