Von Lissabon bis Wladiwostok Putin träumt vom gemeinsamen Markt mit der EU

Russland zieht die Konsequenzen aus der Weltwirtschaftskrise und rückt deutlich näher an die EU heran: Ministerpräsident Wladimir Putin spricht sich für eine Freihandelszone mit Europa aus - und will "eine neue Industrialisierungswoge über den Kontinent rollen lassen".
Russlands Ministerpräsident Putin: "Eine neue Industrialisierungswoge rollen lassen"

Russlands Ministerpräsident Putin: "Eine neue Industrialisierungswoge rollen lassen"

Foto: Alexei Druzhinin/ AP

München - Ungebremster Austausch von Waren und keine Zölle mehr - so stellt sich Wladimir Putin den Handel Russlands mit der Europäischen Union in Zukunft vor. Denn der russische Ministerpräsident strebt einen "gemeinsamen Kontinentalmarkt" an. Das Ziel müsse "die Gestaltung einer harmonischen Wirtschaftsgemeinschaft von Lissabon bis Wladiwostok" sein, schreibt Putin in einem Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung". Künftig "kämen eventuell auch eine Freihandelszone, gar noch fortgeschrittenere wirtschaftliche Integrationsformen in Frage".

Man müsse überlegen, "wie wir eine neue Industrialisierungswoge über den europäischen Kontinent rollen lassen können", schreibt Putin. Sinnvoll seien strategische Allianzen von Unternehmen zum Beispiel im Schiffs-, Auto- und Flugzeugbau, bei Weltraumtechnologien, Medizin- und Pharmaindustrie, Atomkraft und Logistik. Versuche russischer Unternehmen, sich an EU-Unternehmen zu beteiligen, waren bisher jedoch meist auf Widerstand gestoßen. So etwa im Fall Opel. Im vergangenen Jahr hatten die staatliche Moskauer Sberbank und der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna eine Schlappe beim Kauf des Autobauers hinnehmen müssen.

Auch in der Energieversorgung hält es Putin für sinnvoll, "Aktiva auszutauschen", also Firmen zu verflechten. Notwendig sei es, in allen Phasen der technologischen Wertschöpfungskette - von der Erkundung über die Förderung von Energieressourcen bis hin zu den Lieferungen an Endverbraucher - zusammenzuarbeiten. Zudem sollte es keinen Visumzwang mehr geben. Die Visafreiheit sollte nicht das Ende, sondern den Anfang einer echten Integration von Russland und der EU manifestieren, schrieb Putin.

Zweitägiger Besuch in Deutschland

Gazprom

Putin kommt am Donnerstag zu einem zweitägigen Arbeitsbesuch nach Deutschland und wird am Freitag auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammentreffen. Mit Merkel dürfte Putin allerdings zunächst über Pläne vom Energieriesen E.on sprechen, beim russischen Gaskonzern auszusteigen. E.on ist mit 3,5 Prozent Gazprom-Anteilen   größter Auslandsinvestor bei dem Unternehmen. Das deutsche Unternehmen will sich nun aber stärker auf Asien und Südamerika konzentrieren.

Immerhin: Am Mittwoch ist Russland einem Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO einen deutlichen Schritt nähergekommen. Das Land einigte sich mit der EU auf die Abschaffung von Exportzöllen auf Rohstoffe wie Holz. Damit könnten etwa die Rohstoffkosten für die Papierindustrie in Europa sinken. Mit dem Abkommen gibt die EU auch ihre Blockade eines WTO-Beitritts Russlands auf. Die Zölle sollen nach dem Beitritt in die Organisation auslaufen. Russland will im kommenden Jahr in der WTO aufgenommen werden.

yes/dpa/Reuters/dapd
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