Vorgriff auf Embargo Europas Ölkonzerne drosseln Iran-Import

Die EU will den Ölhandel mit Iran erst in einigen Wochen verbieten. Doch europäische Raffineriebetreiber haben ihre Geschäftsbeziehungen zu dem Land bereits jetzt auf das Nötigste heruntergefahren. Auch Japan kündigt an, iranische Importe erheblich zu drosseln.

Ölförderung in Iran: Embargo wirkt bereits im Vorfeld
AP

Ölförderung in Iran: Embargo wirkt bereits im Vorfeld


London/Tokio - Das geplante Ölembargo der EU gegen Iran erzielt offenbar bereits Wirkung, bevor es endgültig beschlossen ist. Europas Ölkonzerne beginnen den Handel mit dem Land zu kappen. Laut einem Bericht der "Financial Times" kaufen die Raffineriebetreiber auf den Spotmärkten, wo Waren mit kurzen Lieferzeiten gehandelt werden, sichtbar weniger iranisches Öl. Zudem muss das Regime in Teheran um einen weiteren wichtigen Handelspartner bangen: Japan will seine Ölimporte nach eigenen Angaben drastisch reduzieren.

Der "Financial Times" zufolge bestätigen europäische Branchenvertreter und Händler, dass sie die Zahl neuer Öldeals mit Iran entweder ganz gestoppt oder zumindest zurückgefahren hätten. Von dem Rückzug sind allerdings nicht die in langfristigen Verträgen festgeschriebenen Lieferungen betroffen. "Wir kaufen weiterhin zu den vertraglichen Bedingungen, aber wir schließen keine Spotkäufe mehr ab", sagte ein Vertreter eines südeuropäischen Raffinieriebetreibers der Zeitung. Üblicherweise decken sich die Betreiber laut dem Bericht zu zwei Dritteln über langfristige Verträge und zu einem Drittel tagesaktuell auf dem Spotmarkt ein.

Damit greifen die europäischen Ölkonzerne einem umfassenden Embargo vor, das die EU auf ihrem Gipfel Ende Januar beschließen will. Damit wollen die europäischen Staaten gemeinsam mit den USA den Druck auf das Teheraner Regime wegen des Atomprogramms verschärfen. Hintergrund ist ein Bericht der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) aus dem vergangenen Jahr, der den Verdacht erhärtete, dass Iran Atomwaffen bauen möchte. Auch der Finanzsektor des Landes soll durch schärfere Sanktionen getroffen werden.

Japan und China wollen iranische Ölimporte drosseln

In den vergangenen Wochen hatten sich die Spannungen in der Region erhöht. Kurz vor dem Jahreswechsel hatte Iran damit gedroht, die wichtigste Ölhandelsroute der Welt, die Straße von Hormus, zu blockieren. Durch die Meerenge zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel wird rund ein Drittel des auf dem Seeweg gehandelten Öls transportiert.

Trotz der Drohung drängen die USA weitere Staaten zu schärferen Sanktionen gegen Iran - mit Erfolg. Japan etwa will seine Abhängigkeit von iranischen Ölimporten verringern. Das gab Finanzminister Jun Azumi nach einem Treffen mit seinem amerikanischen Amtskollegen Timothy Geithner in Tokio bekannt. Man wolle die Ölimporte "schnell und in Stufen" reduzieren, sagte Azumi. Japan werde in dieser Frage eng mit seiner Schutzmacht USA zusammenarbeiten.

Kurz zuvor hatte allerdings China neue Sanktionen gegen Iran abgelehnt. Auch in Peking hatte Geithner versucht, seine Gesprächspartner davon zu überzeugen, Geschäfte mit der iranischen Zentralbank einzuschränken. Diese wickelt alle Ölgeschäfte des Landes ab. Ein hoher Vertreter des Außenministeriums in Peking sagte, einseitige Sanktionen könnten den Konflikt nicht lösen. Die Handels- und Energiekooperation Chinas mit dem Iran habe zudem nichts mit dem Streit um das Atomprogramm zu tun.

Offenbar will China seine Ölimporte aus dem Iran dennoch reduzieren. Die Zeitung "Global Times" verwies auf ohnehin strittige Preisvorstellungen. Bislang bezieht China etwa elf Prozent seiner Öleinfuhren aus Iran. Auch Japan deckt mit rund zehn Prozent einen hohen Anteil seiner Importe mit iranischem Öl.

fdi/dpa

insgesamt 38 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
H-Vollmilch 12.01.2012
1. .
Endlich wieder ein Grund, die Spritpreise ordentlich anzuheben.
idealist100 12.01.2012
2. Kein Problem
Zitat von sysopDie EU will den Ölhandel mit Iran erst in einigen Wochen verbieten. Doch europäische Raffineriebetreiber haben ihre Geschäftsbeziehungen zu dem Land bereits jetzt auf das Nötigste heruntergefahren. Auch Japan kündigt an, iranische Importe erheblich zu drosseln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,808653,00.html
Die Chinesen sagen Danke denn die brauchen sowieso mehr Öl bei den Autobom im Land.
zompel 12.01.2012
3. Gut das Qatar
Zitat von sysopDie EU will den Ölhandel mit Iran erst in einigen Wochen verbieten. Doch europäische Raffineriebetreiber haben ihre Geschäftsbeziehungen zu dem Land bereits jetzt auf das Nötigste heruntergefahren. Auch Japan kündigt an, iranische Importe erheblich zu drosseln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,808653,00.html
jetzt lybisches Öl verkauft. Warum die das können ? Reiner Zufall, bringt so eine Flugverbotszone mit sich
Stelzi 12.01.2012
4. Typisch
Zitat von idealist100Die Chinesen sagen Danke denn die brauchen sowieso mehr Öl bei den Autobom im Land.
Typischer Fall von "habe den Artikel nicht gelesen, sage aber trotzdem was dazu, auch wenn es der Realität nicht entspricht".
willibaldus 12.01.2012
5. Nichts als dumme Sprueche.
Zitat von zompeljetzt lybisches Öl verkauft. Warum die das können ? Reiner Zufall, bringt so eine Flugverbotszone mit sich
Das libysche NOC hat vor einigen Tagen die Oelxportzahlen von November und Oktober aufgeschluesselt nach Qualitaeten und geographischer Herkunft sowie die Verkaufserloese dazu veroeffentlicht. Bisher nur auf arabisch und nicht auf der englischsprachigen Seite. Falls Sie jemanden kennen, der arabisch lesen kann, sollte der vielleicht mal dort nachlesen. NOC, Libya.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.