Anlegen fürs Alter Wie ein Vorsorgekonto die Riester-Rente ersetzen soll

Der Riester-Vertrag zu teuer, die Zinsen zu niedrig: Wie soll man da privat fürs Alter anlegen? Ein Gutachten der Ebert-Stiftung spricht sich für eine neue Aktienidee aus: ein öffentlich überwachtes Vorsorgekonto.
Menschen im Rentenalter

Menschen im Rentenalter

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / picture alliance / dpa

Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) gilt als unverdächtig, mit Ideen des wirtschaftsliberalen Unionspolitikers Friedrich Merz zu sympathisieren. Dem Grunde nach verfolgt ein aktuelles Gutachten der Stiftung  zur privaten Altersvorsorge jedoch das gleiche Ziel: Die Bürger sollen mehr Aktien kaufen. Doch statt Steuervorteile zu fordern wie der CDU-Parteivorsitzbewerber a.D., bringen die Autoren ein anderes Modell ins Spiel: ein staatlich organisiertes Vorsorgekonto mit Zugang für fast alle Arbeitnehmer - auch als Alternative zur privatwirtschaftlich organisierten Riester-Rente.

Dass die gesetzliche Rente allein nicht mehr zum Leben reicht, ist seit Jahren Konsens in der deutschen Politik. Beitragssätze für die Rentenversicherung wurden gedeckelt. Wer aktuell in Ruhestand geht, dessen Rentenniveau beträgt auch nach 45 Beitragsjahren derzeit nur noch etwa 48 Prozent - Tendenz fallend. Eigentlich sollte da die Riester-Rente helfen. Doch auch viele Riester-Verträge sind oft teuer, die Provisionen können in die Tausende gehen, selbst die inzwischen höhere Zulage von pro Jahr 175 Euro kann das häufig nicht aufwiegen.

Dementsprechend haben auch die Spitzen von Union und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart, "die private Altersvorsorge weiterentwickeln und gerechter gestalten" zu wollen. Dazu soll ein "Dialogprozess mit der Versicherungswirtschaft" angestoßen werden, um ein "standardisiertes Riester-Produkt" zu schaffen.

Breit aufgestellt und einfach

Zumindest was den zweiten Teil dieses Vorhabens anbelangt, könnte das von den FES-Autoren* und von Verbraucherschützern unterstützte Vorsorgekonto eine Lösung darstellen. Allerdings soll das Konto ein Angebot der Sozialversicherung und nicht der privaten Versicherungswirtschaft sein - mit Vorteilen für die Sparer. So könnte es aussehen:

  • Einfach und sicher: Ein von der öffentlichen Hand organisiertes Standardprodukt, das sich an den Bedürfnissen des Durchschnittsdeutschen orientiert. Zugang zu dem Konto sollen alle haben, die in die gesetzliche Altersvorsorge eingezahlt haben.
  • Der Anbieter soll das Geld in breit gestreute börsengehandelte Indexfonds (ETF) investieren. Die Risiken sollen dabei minimiert werden, etwa durch eine Garantie des eingezahlten Kapitals. Ein Teil der Überschüsse soll in einen Reservetopf für schlechte Börsenjahre fließen. Die Folge dieses Ansatzes: Die Renditen dürften vergleichsweise gering sein - die Gefahr, Geld zu verlieren, aber auch. Einer Online-Umfrage der Autoren des FES-Gutachtens zufolge entspricht das jedoch auch den Wünschen der Deutschen für die Altersvorsorge:
  • Die Verwaltungskosten sollen im Vergleich zu von Kreditinstituten verkauften Fonds gering sein, da keine nach Profit strebende Bank hinter dem Konto stünde. Die Autoren gehen von Kapitalanlagekosten von gerade einmal 0,25 bis 0,35 Prozent aus.
  • Um durch die Geldanlage per Vorsorgekonto die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente auszugleichen, sollen wie bei Riester-Verträgen vier Prozent des Bruttolohns eingezahlt werden, bis maximal 2100 Euro pro Jahr. Und dafür soll den Autoren zufolge - sofern der Gesetzgeber zustimmt - auch die staatliche Riester-Förderung gewährt werden können.
  • Die gesetzliche Rentenversicherung soll sich der Expertise externer Vermögensverwalter bedienen. Rein rechtlich soll das eingezahlte Geld das Eigentum der Vorsorgesparer bleiben - mit einer Treuhandlösung geschützt vor politischem Zugriff.

Bleibt die Frage: Wie realistisch ist solch ein Vorstoß? Ansätze und Ideen, um die gesetzliche Rente zu sichern, gibt es viele: Von der Deutschlandrente bis zur Zielrente als Teil der betrieblichen Altersvorsorge. Die Idee des Vorsorgekontos unterscheidet sich vor allem dadurch, dass es sehr breit aufgestellt und zugleich einfach wäre. Und auch wenn es keine feste Zinsgarantie oder Rückkaufwerte gibt, gehen die Autoren auf Basis einer Hochrechnung der vergangenen Jahre von stabilen Renditen aus:

In der im Koalitionsvertrag ausdrücklich erwähnten Versicherungswirtschaft indes dürfte die Idee des Vorsorgekontos dagegen auf Kritik stoßen. Schließlich wird etwa bereits die staatliche Unterstützung von Rürup- und Riester-Produkten teils heftig angegriffen. Sollten die Regierungsfraktionen sich für ein Vorsorgekonto entscheiden, müssten sie auch darauf eine Antwort haben.


* Zu den Autoren zählen: Jürgen Stellpflug (Verbraucherkommission Baden-Württemberg und bis 2018 Chefredakteur von "Öko-Test"), Barbara Sternberger-Frey (Mitarbeiterin von "Öko-Test") sowie Claudia Tuchscherer (Deutsche Rentenversicherung).

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