Anlegen fürs Alter Wie ein Vorsorgekonto die Riester-Rente ersetzen soll

Der Riester-Vertrag zu teuer, die Zinsen zu niedrig: Wie soll man da privat fürs Alter anlegen? Ein Gutachten der Ebert-Stiftung spricht sich für eine neue Aktienidee aus: ein öffentlich überwachtes Vorsorgekonto.

Menschen im Rentenalter
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Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) gilt als unverdächtig, mit Ideen des wirtschaftsliberalen Unionspolitikers Friedrich Merz zu sympathisieren. Dem Grunde nach verfolgt ein aktuelles Gutachten der Stiftung zur privaten Altersvorsorge jedoch das gleiche Ziel: Die Bürger sollen mehr Aktien kaufen. Doch statt Steuervorteile zu fordern wie der CDU-Parteivorsitzbewerber a.D., bringen die Autoren ein anderes Modell ins Spiel: ein staatlich organisiertes Vorsorgekonto mit Zugang für fast alle Arbeitnehmer - auch als Alternative zur privatwirtschaftlich organisierten Riester-Rente.

Dass die gesetzliche Rente allein nicht mehr zum Leben reicht, ist seit Jahren Konsens in der deutschen Politik. Beitragssätze für die Rentenversicherung wurden gedeckelt. Wer aktuell in Ruhestand geht, dessen Rentenniveau beträgt auch nach 45 Beitragsjahren derzeit nur noch etwa 48 Prozent - Tendenz fallend. Eigentlich sollte da die Riester-Rente helfen. Doch auch viele Riester-Verträge sind oft teuer, die Provisionen können in die Tausende gehen, selbst die inzwischen höhere Zulage von pro Jahr 175 Euro kann das häufig nicht aufwiegen.

Dementsprechend haben auch die Spitzen von Union und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart, "die private Altersvorsorge weiterentwickeln und gerechter gestalten" zu wollen. Dazu soll ein "Dialogprozess mit der Versicherungswirtschaft" angestoßen werden, um ein "standardisiertes Riester-Produkt" zu schaffen.

Breit aufgestellt und einfach

Zumindest was den zweiten Teil dieses Vorhabens anbelangt, könnte das von den FES-Autoren* und von Verbraucherschützern unterstützte Vorsorgekonto eine Lösung darstellen. Allerdings soll das Konto ein Angebot der Sozialversicherung und nicht der privaten Versicherungswirtschaft sein - mit Vorteilen für die Sparer. So könnte es aussehen:

  • Einfach und sicher: Ein von der öffentlichen Hand organisiertes Standardprodukt, das sich an den Bedürfnissen des Durchschnittsdeutschen orientiert. Zugang zu dem Konto sollen alle haben, die in die gesetzliche Altersvorsorge eingezahlt haben.
  • Der Anbieter soll das Geld in breit gestreute börsengehandelte Indexfonds (ETF) investieren. Die Risiken sollen dabei minimiert werden, etwa durch eine Garantie des eingezahlten Kapitals. Ein Teil der Überschüsse soll in einen Reservetopf für schlechte Börsenjahre fließen. Die Folge dieses Ansatzes: Die Renditen dürften vergleichsweise gering sein - die Gefahr, Geld zu verlieren, aber auch. Einer Online-Umfrage der Autoren des FES-Gutachtens zufolge entspricht das jedoch auch den Wünschen der Deutschen für die Altersvorsorge:
  • Die Verwaltungskosten sollen im Vergleich zu von Kreditinstituten verkauften Fonds gering sein, da keine nach Profit strebende Bank hinter dem Konto stünde. Die Autoren gehen von Kapitalanlagekosten von gerade einmal 0,25 bis 0,35 Prozent aus.
  • Um durch die Geldanlage per Vorsorgekonto die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente auszugleichen, sollen wie bei Riester-Verträgen vier Prozent des Bruttolohns eingezahlt werden, bis maximal 2100 Euro pro Jahr. Und dafür soll den Autoren zufolge - sofern der Gesetzgeber zustimmt - auch die staatliche Riester-Förderung gewährt werden können.
  • Die gesetzliche Rentenversicherung soll sich der Expertise externer Vermögensverwalter bedienen. Rein rechtlich soll das eingezahlte Geld das Eigentum der Vorsorgesparer bleiben - mit einer Treuhandlösung geschützt vor politischem Zugriff.
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Bleibt die Frage: Wie realistisch ist solch ein Vorstoß? Ansätze und Ideen, um die gesetzliche Rente zu sichern, gibt es viele: Von der Deutschlandrente bis zur Zielrente als Teil der betrieblichen Altersvorsorge. Die Idee des Vorsorgekontos unterscheidet sich vor allem dadurch, dass es sehr breit aufgestellt und zugleich einfach wäre. Und auch wenn es keine feste Zinsgarantie oder Rückkaufwerte gibt, gehen die Autoren auf Basis einer Hochrechnung der vergangenen Jahre von stabilen Renditen aus:

In der im Koalitionsvertrag ausdrücklich erwähnten Versicherungswirtschaft indes dürfte die Idee des Vorsorgekontos dagegen auf Kritik stoßen. Schließlich wird etwa bereits die staatliche Unterstützung von Rürup- und Riester-Produkten teils heftig angegriffen. Sollten die Regierungsfraktionen sich für ein Vorsorgekonto entscheiden, müssten sie auch darauf eine Antwort haben.


* Zu den Autoren zählen: Jürgen Stellpflug (Verbraucherkommission Baden-Württemberg und bis 2018 Chefredakteur von "Öko-Test"), Barbara Sternberger-Frey (Mitarbeiterin von "Öko-Test") sowie Claudia Tuchscherer (Deutsche Rentenversicherung).

insgesamt 114 Beiträge
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Seite 1
denk1mal 15.01.2019
1. ein vernünftiger Vorschlag
wird nur leider mit der CDU/CSU und gegen den Widerstand der Versicherungslobby nicht zu machen sein.
applepie240 15.01.2019
2. Keine Anrechnung des Auszahlungsbetrages
Öffentlich überwachte Fondsparpläne auf ETF-Basis - ein sinnvoller Ansatz. Wichtig ist allerdings, dass der Auszahlungbetrag bei Eintritt der Rente zumindest teilweise anrechnungsfrei bleibt, falls der Inhaber Grundsicherung im Alter bezieht. Das ist ab 1.1. 2018 bei der Riester-Rente bis zu einem Betrag von maximal € 202 monatlich der Fall. Gleiches sollte auch für ETF-Sparpläne gelten.
schmic79 15.01.2019
3. Sowas gibt es bereits..
,. und nennt sich "DRV" - deutschen Rentenversicherung. Aber selbst eine neue Organisation löst nicht eines der Kernprobleme: viele leben auf derart niedrigem Niveau, dass einfach nichts oder nicht genug da ist fuer zusaetzliche Altersvorsorge.... waehrend Politiker, Beamte und reiche Menschen da null Probleme haben.....
alterknacker54 15.01.2019
4. Auch dieser Sache würde ich nicht trauen!
Erinnern Sie sich noch an die "Volksaktie"? Die T-Aktie, für die auch von so vertrauenserweckenden Gesichtern wie Manfrad Krug (gaaanz vertrauenserweckend!) geworben wurde - und was passierte? Eine der größten Geldvernichtungen in der Deutschen Geschichte - v.A. die kohle sog. "kleiner Leute" war weg! Auch die "Riesterrente" hat sich ja als - milde ausgedrückt - schwerwiegender, von der Regierung empfohlener "Irrtum" wiederum für den "kleinen Mann" erwiesen. Während die Reichen ihre Kohle ins Ausland schaffen, Steuern hinterziehen und von den unversteuerten Kapitalerträgen in Saus und Braus leben, während die verantwortlichen Finanzminister über Jahrzehnte nichts gegen den größten (bekannten) Steuerbetrug aller Zeiten (Cumcum und Cumex) unternommen haben, wird nun wider einmal die letzte Zuflucht des "kleinen Mannes " zunichte gemacht, indem einfach die Sparbücher mit 0% oder 0,5% verzinst werden - geht`s noch? Was ist eigentlich mit dem Vorsorgekonto nach dem Ableben des Inhabers? Wird es auf die Erben übertragen oder verfällt es? Auch dies ein gewisser Nachteil jedes Rentenvertrages: Mit Tod verfallen - schade eigentlich. Mein Weg: Private Rücklagen bilden, die niedrigen gesetzlichen Rentenversicherungsauszahlungen kasssieren und mit Entnahmen aus der Rücklage im Falle eines Falles ergänzen. Hat bisher prima funktioniert. Ich führe ein sehr auskömmliches Rentnerdasein mit weniger als 850€ gesetzlicher Rente im Monat. Der Rest der Rücklage steht auch nach meinem Ableben meinen Erben zur Verfügung. Ist halt blöd, dass die Inflation mit Unterstützung der EZB an meinen Rücklagen knabbert - aber der Kuchen ist zum Glück groß genug... Leute, ich kann nur davor warnen, irgendwelchen Versprechungen von Regierung oder anderen Politikern zu trauen - wir wurden und werden immer wieder zu Gunsten des Großkapitals auf Kreuz gelegt.
hador2 15.01.2019
5. Österreichisches Modell...
Klingt ähnlich wie das österreichische Modell der "Abfertigung Neu". Hierbei ist der Arbeitgeber verpflichtet zusätzlich zum Gehalt 1.5% des Bruttogehaltes bei einer besonderen Vorsorgekasse einzuzahlen. Dort wird es nach vorgeschriebenen Regeln und zu gedeckelten Kosten angelegt.. Dieses Geld bekommt man dann entweder bei Rentenantritt oder bei Entlassung dann steuervergünstigt ausgezahlt. Ist eigentlich recht praktisch und vor allem verpflichtend und halbwegs vom Staat kontrolliert. Letztenendes ist es aber egal welches Modell gewählt wird, auch Riester könnte ja funktionieren WENN die Regierung hier bessere Kontrollen und Deckelungen eingeführt hätte und das Ganze nicht de facto als riesiges Subventionsmodell für die Versicherungen gebaut hätte (Stichwort: Prämien, Kosten und auch komplexe Versteuerung der Zulagen).
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