Wohlstand in Deutschland Tariflöhne steigen doppelt so stark wie Inflation

Die Tarifbeschäftigten in Deutschland können sich über ein sattes Lohnplus freuen: Die Verdienste steigen deutlich schneller als die Verbraucherpreise. Das steigert die Konsumlust.
Einkaufsstraße in Berlin: Konsumlust so groß wie lange nicht mehr

Einkaufsstraße in Berlin: Konsumlust so groß wie lange nicht mehr

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Berlin - Die 19,5 Millionen Beschäftigten mit einem Tarifvertrag können in diesem Jahr erneut mit einem deutlichen Kaufkraftzuwachs rechnen. Ihre Monatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen erhöhten sich im ersten Quartal um durchschnittlich 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Sie legten damit fast doppelt so stark zu wie die Verbraucherpreise, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Die Inflationsrate lag von Januar bis März bei 1,2 Prozent. Bereits 2013 und 2012 waren die Tariflöhne und -gehälter mit 2,4 beziehungsweise 2,7 Prozent schneller gestiegen als die Preise (1,5 und 2,0).

"Die Reallöhne dürften in diesem Jahr deutlich steigen", sagte der Leiter des Tarifarchivs des gewerkschaftsnahen WSI-Instituts, Reinhard Bispinck. In gut zwei Dritteln der Branchen und Tarifbereichen, in denen in diesem Jahr verhandelt wird, sei es bereits zu Abschlüssen gekommen. "Und die liegen zwischen 2,4 und knapp vier Prozent", sagte Bispinck. In den noch ausstehenden Runden bewegen sich die Forderungen der Gewerkschaften zwischen 4,5 Prozent (Holz und Kunststoff) und 7 Prozent (Bauhauptgewerbe).

Großes Gefälle zwischen den Branchen

Im ersten Quartal stiegen die tariflichen Monatsverdienste im Handel mit durchschnittlich 3,5 Prozent am stärksten, erklärte ein Sprecher des Statistikamts. Im Verarbeitenden Gewerbe fiel das Plus mit 3,0 Prozent ebenfalls deutlich aus. Allerdings ist das Gefälle hier groß: Das höchste Plus erzielten die Beschäftigten in der Tabakverarbeitung (5,4 Prozent), während es bei den Herstellern von Leder, Lederwaren und Schuhen nur einen kleinen Zuwachs gab (0,4 Prozent). Bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern (1,1 Prozent) sowie in der Energieversorgung (0,9 Prozent) fielen die Zuwächse ebenfalls gering aus.

Die gute Lohnentwicklung schiebt die Binnenkonjunktur an. Im ersten Quartal wuchsen die privaten Konsumausgaben um kräftige 0,7 Prozent, während die Exporte nur um 0,2 Prozent zulegten. Die Einzelhändler hatten von Januar bis April 2,0 Prozent mehr in ihren Kassen als ein Jahr zuvor. Die Konsumlaune der Deutschen ist wegen der Rekordbeschäftigung und der Aussicht auf steigende Löhne derzeit so gut wie seit Jahren nicht mehr.

mik/Reuters
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