Wachstum China verdrängt Japan als zweitgrößte Wirtschaftsmacht

Das Jahr begann gut für Japans Wirtschaft, doch jetzt ist der Aufschwung fast verpufft. Nun schickt sich China an, endgültig die Position als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt zu erobern.

Verladeplatz in Shenyang: Chinas Wachstum ungebrochen
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Verladeplatz in Shenyang: Chinas Wachstum ungebrochen


Tokio - Der Aufschwung in Japan gerät ins Stocken. Die Wirtschaftsleistung stieg im zweiten Quartal 2010 im Jahresvergleich nur noch um 0,4 Prozent, wie die Regierung in Tokio am Montag auf Grundlage vorläufiger Schätzungen mitteilte. Experten hatten ein Plus von 2,3 Prozent vorausgesagt, nachdem die japanische Wirtschaft im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,4 Prozent zugelegt hatte.

Mit der Verlangsamung des Wachstums droht Japan den Titel der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt nun endgültig an China zu verlieren. Das japanische Bruttoinlandsprodukt belief sich im zweiten Quartal auf umgerechnet 1,004 Billionen Euro, das chinesische BIP auf 1,043 Billionen Euro. Zwar ließen sich die Zahlen nicht ohne weiteres vergleichen, da sie nicht um saisonale Faktoren bereinigt seien, schreibt die führende japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei". Dennoch sei es sehr wahrscheinlich, dass der aufstrebende Nachbar Japan damit als die Nummer Zwei abgelöst hat.

Starker Yen schwächt Exporteure

Dass das chinesische BIP in einem einzelnen Quartal das japanische übersteigt, ist auch in der Vergangenheit schon vorgekommen. Angesichts der hohen Wachstumsraten in China und dem abflauenden Aufschwung in Japan ist aber zu erwarten, dass die Volksrepublik den Inselstaat bis zum Jahresende endgültig überholt.

Im Vergleich zum Vorquartal stieg das Bruttoinlandsprodukt in Japan in den Monaten April bis Juni nur um 0,1 Prozent. Die Konjunktur "hat schon die Phase erreicht, wo sie abflacht", zitierte die Nachrichtenagentur Kyodo einen Regierungssprecher. Gegenüber dem ersten Quartal 2010 gingen in den vergangenen drei Monaten die öffentlichen Investitionen um 3,4 Prozent zurück, die Ausgaben der privaten Haushalte stagnierten. Die Unternehmensinvestitionen stiegen dagegen um 0,5 Prozent.

Auch die Aussichten für die Zukunft sind alles andere als rosig. Sorgen bereitet der Regierung vor allem der starke Yen, dessen Wechselkurs zum Dollar vergangene Woche den höchsten Stand in 15 Jahren erreichte. Der Export dürfte die bisher hohen Zuwachsraten nicht zuletzt wegen des Yen-Höhenflugs nicht halten können, schreiben die Analysten der Commerzbank. Die starke Währung belaste zudem die Absatz- und Gewinnerwartungen der Unternehmen, die ihre Investitionsausgaben zunächst wieder vorsichtiger ausweiten dürften. Damit werde sich auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt erst verzögert verbessern, was sich schließlich negativ auf den Konsum auswirken werde.

mik/apn/dpa/dpa-AFX



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göpgöp 16.08.2010
1. ohje
es geht nicht nur darum wer wie schnell an Erfolg oder Macht kommt, sondern über was für Wege. Da werden wir uns weiterhin von vielen erkämpften Werten verabschieden müssen um da mitzuhalten
Curby 16.08.2010
2. Nicht repräsentativ
Repräsentativ war diese Platzoerung noch nie. Viel wichtiger ist es, die Anzahl der Bevölkerung im Vethältnis zum Bip pro Kopf zu betrachten finde ich. Wenn 13 Chinesen zusammen mehr als 1 Japaner verdienen, ist das nicht sehr aussagelkräftig. Danach ist China doch weiterhin ein Schwellenland oder irre ich mich da? Südkorea ist doch z.b. viel weiter entwickelt.
DerÜblicheVerdächtige 16.08.2010
3. blub
und das wundert irgendwen? Irgendwann bricht der ganze Laden zusammen, weil die leute auch was vom Reichtum haben wollen und nicht länger die Sklaven der bisherigen Industrienationen sein wollen. Das wäre die eine möglichkeit und die andere möglichkeit ist, dass der laden zusammenbricht, weil sie ihren Absatzmarkt (den Westen) ruiniert haben und sich hier niemand mehr selbst chinesische Produkte leisten kann ... wie auch immer... ewiges Wachstum gibt es nicht. Ich dachte, wenigstens das hätten wir aus der Krise gelernt... aber vermutlich muss man alles sein, aber kein Wirtschaftswissenschaftler, um das zu verstehen.
Cassandra105 16.08.2010
4. China sollte überhaupt kein Vergleich sein
Solange in diesem Land die Menschenrechte der Masse mit Füßen getreten werden, sollte es überhaupt nicht für einen Vergleich in Frage kommen und genau genommen sollte man sich überlegen, wann man mit ihnen überhaupt handelt...
zephyros 16.08.2010
5. schrott
wenn man bedenkt was China mitunter für einen unglaublichen Schrott produziert...kann einem bei diesen Ausmaßen in Punkto Umwelt nur Angst und Bange werden...
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