Währungsstreit China wertet Yuan minimal auf

China kommt der Welt im Währungsstreit entgegen: Die Notenbank in Peking hat den Yuan aufgewertet. Die Wechselkurserhöhung fällt allerdings minimal aus - und ein Regierungssprecher betont, sie sei keine Reaktion auf die Forderungen aus den USA und Europa.

Yuan-Banknote: Neue Mini-Aufwertung
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Yuan-Banknote: Neue Mini-Aufwertung


Shanghai - Die chinesische Notenbank hat den Yuan am Mittwoch etwas aufgewertet. Im Vergleich zum Dollar liegt der Kurs jetzt bei 6,6693 Yuan; am Vortag waren es noch 6,6775 Yuan. Auf Basis dieses Mittelwerts kann der Yuan 0,5 Prozent nach oben und nach unten schwanken.

Der Yuan steht jetzt so hoch zum Dollar wie noch nie - die Aufwertung ist dennoch minimal. Cui Tiankai, Chinas Verhandlungsführer in der G20, sagte, die jüngste Aufwertung habe nichts mit den Forderungen der USA oder anderer Länder zu tun. Diese werfen China vor, die heimische Währung künstlich niedrig zu halten, damit das Land seine Produkte im Ausland günstig verkaufen könne. Cui sagte, die Volksrepublik habe kein spezielles Kursziel. Einen Währungskrieg wolle man aber vermeiden.

Die Gefahr eines Währungs- und Handelskriegs hatte sich in den vergangenen Wochen ständig vergrößert. Die US-Regierung hatte den Druck auf China, die eigene Währung aufzuwerten, durch eine Gesetzesinitiative erhöht. Ihm zufolge gilt die Unterbewertung einer Währung künftig als Exportsubvention, die mit Strafzöllen auf bestimmte Produkte geahndet werden kann - sofern US-Unternehmen belegen können, dass sie durch eine Währungs-Baisse Schaden nehmen.

Die US-Demokraten nutzen den Währungsstreit mit China, um vor den Kongresswahlen bei der Bevölkerung zu punkten: Die Konjunktur erholt sich nur schleppend, die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordhoch - für all das macht Obama China mitverantwortlich. Je forscher er die Währungsdebatte führt, desto mehr.

China argumentiert, eine schnelle Yuan-Aufwertung komme nicht in Frage; sie würde den Aufschwung in der Volksrepublik abwürgen. Das Land wertete den Yuan entgegen seiner Versprechen bislang nur langsam auf - die Aufwertungen finden oft kurz vor wichtigen internationalen Gipfeln statt. Experten glauben, China versuche so zu vermeiden, dass der Währungsstreit auf globaler Bühne eskaliert.

US-Finanzminister Timothy Geithner sieht nach eigener Auskunft keine Gefahr eines weltweiten Währungskrieges. Er äußerte sich zuversichtlich, dass die Volksrepublik ihre Währung mit der Zeit aufwerten werde. "Wir wollen einfach sicherstellen, dass es schrittweise, aber doch mit einer merklichen Rate geschieht", sagte Geithner bei einem TV-Auftritt. Er wolle die Anreize für solche Schritte erhöhen.

Deutsche Firmen in China wollen mehr investieren

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle forderte China dagegen erneut zu einer Aufwertung seiner Währung auf. Zwar sei der Yuan in den vergangen zwei Jahren bereits um 16 Prozent aufgewertet worden, sagte der am Mittwoch in Schanghai. "Aber da ist ein Stück mehr erforderlich", fügte er an. Mit einer Unternehmerdelegation besuchte Brüderle in Schanghai die Expo 2010 und den deutschen Pavillon dort.

Die deutschen Unternehmen in China sehen optimistisch in die Zukunft. Seit dem chinesischen Konjunkturprogramm habe sich die Lage deutlich verbessert, sagte der Präsident der deutschen Handelskammer, Arved von zur Mühlen, am Mittwoch in Schanghai. 40 Prozent der deutschen Firmen wollten zusätzlich investieren, 60 Prozent erwarteten höhere Gewinne.

Sorgen bereite der Schutz des geistigen Eigentums, sagte von zur Mühlen. Es werde zudem schwieriger, Fachpersonal in China zu finden. Hier setzten die deutschen Unternehmen auf eigene Anstrengungen und auf das duale System. Die Rechtsprechung sei an der Ostküste gut entwickelt, nicht jedoch im Hinterland. Außerdem entwickele sich ein zunehmender Protektionismus in China.

ssu/dapd/Reuters

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Ambermoon 13.10.2010
1.
Wäre das nicht eine gute Gelegenheit, um von Seiten der EU Unterbewertung des USD künftig als Exportsubvention, die mit Strafzöllen auf bestimmte Produkte geahndet werden kann, zu bewerten - sofern EU-Unternehmen belegen können, dass sie durch eine Währungs-Baisse Schaden nehmen?
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