Warnschuss von Moody's Zweifel an Frankreich erschweren Euro-Rettung

Anleger spekulieren gegen Frankreich - Deutschlands wichtigsten Partner bei der Lösung der Schuldenkrise. Verlöre das Nachbarland sein Top-Rating, wäre auch die Bestnote des Euro-Rettungsfonds in Gefahr. Der Bundesrepublik als Hauptzahler drohen dann neue Belastungen.

Eiffelturm in Paris: Rating-Analysten zweifeln an Frankreichs Sparwillen
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Eiffelturm in Paris: Rating-Analysten zweifeln an Frankreichs Sparwillen


London - Als gäbe es nicht schon genug Probleme: Nun müssen sich die EU-Regierungschefs bei ihrem Gipfeltreffen am kommenden Sonntag auch noch mit den Zweifeln an Frankreichs Kreditwürdigkeit beschäftigen.

Die Rating-Agentur Moody's hat der Regierung in Paris mit dem Verlust der Bestnote gedroht. Man werde in den kommenden Monaten den Ausblick für Frankreichs Bonitäts-Rating von stabil auf negativ senken, wenn die anstehende Rekapitalisierung der französischen Banken den Staatshaushalt zu sehr belasten würde, teilte die Agentur mit.

Frankreichs Triple-A-Rating wäre damit noch intakt, aber in Gefahr: Der negative Ausblick bedeutet, dass die Regierung mit einer Herabstufung innerhalb des nächsten Jahres rechnen müsste. Es wäre der gleiche Status, den auch die USA seit August haben.

Die Anleger an den Märkten reagierten prompt auf das Misstrauensvotum von Moody's. Die Risikoaufschläge auf französische Staatsanleihen stiegen auf ein Rekordhoch seit der Euro-Einführung, die Börsenkurse fielen - insbesondere die der französischen Banken.

Analysten stellen sich auf Stillstand im Wahlkampf ein

Der französische Finanzminister François Baroin versicherte, dass er alles tun werde, um eine Herabstufung zu vermeiden. Doch zweifeln Rating-Analysten und Anleger am Sparwillen der Regierung - aus einem nachvollziehbaren Grund. Im kommenden April sind Präsidentschaftswahlen, und der ohnehin schon unpopuläre Amtsinhaber Nicolas Sarkozy wird seine Wähler kaum mit zusätzlichen Sparankündigungen verschrecken wollen.

Das französische Sparprogramm ist im europäischen Vergleich eher bescheiden: Im kommenden Jahr will die Regierung das Haushaltsdefizit um elf Milliarden Euro reduzieren. So soll 2012 die Maastricht-Obergrenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung wieder eingehalten werden.

Ob dieses Ziel erreicht wird, ist fraglich. Die Rechnung beruht auf der Annahme, dass Frankreichs Wirtschaft im kommenden Jahr um 1,75 Prozent wächst. Die meisten Ökonomen erwarten jedoch nur ein Wachstum von einem Prozent. Finanzminister Baroin hat bereits eingeräumt, dass die offizielle Schätzung wahrscheinlich zu hoch sei - ohne zu erklären, wie er die Einnahmeausfälle wettmachen will.

Ökonomen halten es daher für durchaus möglich, dass Frankreich das begehrte Triple-A-Rating im kommenden Jahr verliert. Entscheidend wird sein, wie teuer die Finanzspritzen für die französischen Banken werden - und wie die Konjunktur sich entwickelt.

Eine Herabstufung Frankreichs könnte für Deutschland teuer werden

Die französischen Großbanken halten besonders viele griechische Staatsanleihen und wären von dem geplanten Schuldenschnitt für Griechenland daher besonders betroffen. Sarkozy ist sich dessen bewusst, deshalb fällt es ihm und Kanzlerin Angela Merkel so schwer, eine gemeinsame Formel für die europäische Bankenrettung zu finden. Der Franzose will auf jeden Fall verhindern, dass seine Regierung sich daran verhebt. Er würde lieber den Euro-Rettungsfonds dafür anpumpen.

Frankreichs Dilemma ist bei weitem nicht nur Sarkozys Problem: Auch die anderen Regierungschefs der Euro-Zone haben ein vitales Interesse daran, dass die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Euro-Zone eine Herabstufung vermeidet.

Denn was würde passieren, wenn Frankreich sein Triple-A-Rating tatsächlich verlieren sollte? Für das Land selbst wären die Folgen wahrscheinlich verkraftbar. Die Zinsen für neue Schulden würden leicht steigen, abgesehen davon müsste die Regierung nur einen Imageverlust hinnehmen.

Für die Euro-Zone jedoch wären die Folgen ungemütlich. Frankreich ist nach Deutschland der größte Garantiegeber des Rettungsfonds EFSF. Wird Frankreichs Bonität herabgestuft, wäre auch das Triple-A-Rating des Fonds in Gefahr. Die Euro-Retter müssten sich dann entweder mit einem schlechteren Rating begnügen - und entsprechend höhere Zinsen zahlen. Oder die verbleibenden Triple-A-Länder, allen voran Deutschland, müssten mit höheren Einlagen einspringen.

Die Verhandlungen beim EU-Gipfel am Sonntag hat der Warnschuss von Moody's nicht einfacher gemacht.

insgesamt 119 Beiträge
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cyberjones12 18.10.2011
1. In diesem Falle festzustellen: DAS EXPERIMENT IST GESCHEITERT...
der Patient ist tot. Ursache: Verstopfte Währungsvenen, falsche Diagnose der Politiker und nicht brauchbare Beatmung durch die Notenbanken.
maliperica 18.10.2011
2. Die größten Spekulanten sind die Regierungen
Zitat von sysopAnleger spekulieren gegen Frankreich - Deutschlands wichtigstem Partner bei der Lösung der Schuldenkrise. Verliert das Nachbarland sein Top-Rating, wäre auch die Bestnote des Euro-Rettungsfonds in Gefahr. Der Bundesrepublik als Hauptzahler drohen dann neue Belastungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,792599,00.html
gefährliches, durchsichtiges Spiel der größten und ganz großen Spekulanten. Und später wird jemand behaupten alles ohne Regie hinter den Kulissen.
Revarell 18.10.2011
3. Europäische Pleiteveranstaltung!
Zitat von sysopAnleger spekulieren gegen Frankreich - Deutschlands wichtigstem Partner bei der Lösung der Schuldenkrise. Verliert das Nachbarland sein Top-Rating, wäre auch die Bestnote des Euro-Rettungsfonds in Gefahr. Der Bundesrepublik als Hauptzahler drohen dann neue Belastungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,792599,00.html
Allmählich beschleicht mich das Eindruck, Deutschland ist zur Zeit das einzige EU-Land das irgendwie noch halbwegs mit seinem Geld klar kommt, - oder ist das auch nur noch eine Frage der Zeit?
bluesraider 18.10.2011
4. Kein Problem
Verliert das Nachbarland sein Top-Rating, wäre auch die Bestnote des Euro-Rettungsfonds in Gefahr. Der Bundesrepublik als Hauptzahler drohen dann neue Belastungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,792599,00.html[/QUOTE] Dann retten wir die Eurozone eben alleine.Ärmel schon mal hochkrempeln !
süßesusi 18.10.2011
5. Das Ende ist Nah
Wenn Frankreich als Retter ausfällt, ist es um Deutschland auch bald geschehen. Wir müßten dann mit über 400 Milliarden für den EFSF haften, das führt genauso zum Verlust des AAA. Da lob ich mir doch Berlusconi, der will für Italien das Doppel-D. Husch ins Körbchen Europa!
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