Angebliche Drohungen Ver.di wirft Post Einschüchterung von Streikenden vor

Heftige Vorwürfe der Gewerkschaft Ver.di: Die Deutsche Post soll befristet Beschäftigte eingeschüchtert haben, um die laufenden Warnstreiks zu torpedieren. Sogar SPD-Chef Gabriel hat sich offenbar eingeschaltet.

Postbote in Hamburg (Archivbild): Harte Bandagen im Arbeitskampf
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Postbote in Hamburg (Archivbild): Harte Bandagen im Arbeitskampf


Im Arbeitskampf geht es auf beiden Seiten mitunter hart zur Sache. Doch wie weit darf ein Arbeitgeber gehen, um die Auswirkungen von Streiks in Grenzen zu halten?

Nach Ansicht der Gewerkschaft Ver.di ist die Deutsche Post deutlich zu weit gegangen. Der Logistikkonzern soll Mitarbeiter mit befristeten Arbeitsverträgen eingeschüchtert und so von der Teilnahme am laufenden Warnstreik abgehalten haben. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, stütze die Gewerkschaft ihre Vorwürfe auf Anrufe, Gedächtnisprotokolle und Vermerke von Betroffenen - und habe bereits Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel eingeschaltet.

In einem Schreiben an Post-Chef Frank Appel vom 4. Mai stellte Gabriel demnach fest: "Offenbar haben Vorgesetzte Druck ausgeübt, um Ver.di-Mitglieder gegen ihre Gewerkschaft in Stellung zu bringen." Besonders den großen Unternehmen mit Bundesbeteiligung müsse jedoch die "unbedingte Achtung sowohl persönlicher wie kollektiver Arbeitnehmerrechte abverlangt werden".

Auch wenn Gabriel den Brief offenbar ausdrücklich als SPD-Chef schrieb - das Wort der Vizekanzlers dürfte bei der Post durchaus gehört werden. Der Bund hält am ehemaligen Staatskonzern noch immer 21 Prozent.

Ein Konzernsprecher wies die Vorwürfe der Gewerkschaft zurück. Es sei "nicht Teil unseres Führungs- und Kommunikationsverständnisses, Druck auf Ver.di-Mitglieder auszuüben", zitiert die Zeitung aus einer schriftlichen Stellungnahme. Gespräche mit den Mitarbeitern scheint es dennoch gegeben zu haben. So sei es "selbstverständlich, dass unsere Führungskräfte unseren Beschäftigten die Auffassung des Unternehmens zur Notwendigkeit der Schaffung wettbewerbsfähiger Löhne intensiv erläutern und mit ihnen diskutieren".

Bei Post-Chef Appel klang das Statement später klarer: "Den rufschädigenden Vorwurf der gezielten Einschüchterung von Streikenden bei der Deutschen Post weise ich entschieden zurück", ließ er mitteilen. "Wir haben Arbeitnehmerrechte immer respektiert und werden das auch weiterhin tun."

"Einige sind total eingeschüchtert"

In dem Konflikt geht es um Löhne, Arbeitszeiten sowie den Plan der Post, einen Teil des Paketgeschäfts auszulagern. Ver.di fordert für die rund 140.000 Tarifbeschäftigten eine Wochenarbeitszeit von 36 statt bislang 38,5 Stunden. Zudem sollen die Löhne um 5,5 Prozent steigen. Auf die bislang gescheiterten Verhandlungen reagiert die Gewerkschaft mit Warnstreiks.

Ab Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch seien die Beschäftigten in allen 83 Briefzentren aufgerufen worden, ihre Arbeit niederzulegen, teilte Ver.di mit. Durch den bundesweiten Ausstand in der Postbearbeitung werde es bei der Zustellung deutschlandweit zu Verzögerungen kommen.

Bei den Vorwürfen von Ver.di geht es nun um angebliche Einschüchterungsversuche des Konzerns. Laut "Süddeutscher Zeitung" zitiert eine Arbeitnehmerin eine Führungskraft mit den Worten, die "übergeordneten Stellen" schauten darauf, wer streike und wer nicht: "Und die haben auch schon den Hinweis gegeben, dass sie gerade bei befristeten Kräften genau auf die Verträge schauen."

In einem Zustellstützpunkt habe der Leiter mit allen befristet Beschäftigten, die an einem Warnstreik teilnahmen, Einzelgespräche geführt. "Einige sind total eingeschüchtert und erklärten mir, dass sie an keinem Streik mehr teilnehmen", habe daraufhin eine Betriebsrätin der Gewerkschaft berichtet.

stk/AFP/Reuters/dpa



insgesamt 30 Beiträge
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gg72 13.05.2015
1. Ist doch normal
Was soll die Aufregung, es ist doch mittlerweile fast überall so das man vom AG (direkt oder indirekt) bedroht wird sollte man in einer Gewerkschaft sein oder sich irgendwie organisieren wollen.
stezo 13.05.2015
2. der große, manchmal vergessene Vorteil der Befristung...
... Mitarbeiter in solchen Beschäftigungsverhältnissen sind wesentlich besser zu kontrollieren und beeinflussen. Wer Angst haben muss, dass sein Vertrag nicht verlängert wird und damit vom Arbeitgeber innerhalb kurzer Zeit ohne weiteres und problemlos "entsorgt" werden kann, muss schon mit einem ordentlichen Rückgrat ausgestattet sein, um trotzdem gegen den Arbeitgeber aufzubegehren. Widerlich, wie die DHL als Arbeitgeber das auszunutzen scheint.
nickleby 13.05.2015
3. Einzelgespräche
In Einzelgesprächen kann man das Für und Wieder eines Streiks neutral und objektiv erörtern. Es ist naheliegend, dass man den befristet Beschäftigten vor Augen führt, dass Lohnerhöhungen und Arbeiszeitverkürzungen zu Verschlankungen im Beschäftigtrenkreis führen wird. Schließlich muss ein Unternehmen gewinnbringend arbeiten. Der Vorgesetzte konmt nuir seiner Fürsorgepflicht nach, und es ist eine Fehlinterpretation hier von Eichüchterungen zu sprechen.
Traudhild 13.05.2015
4.
Wer befristet beschäftigt UND gewerkschaftlich organisiert ist, dem ist heutzutag ohnehin nicht zu helfen..
GrinderFX 13.05.2015
5.
Verstehe die ganze Aufregung nicht. Wenn ich befristete Mitarbeiter habe, denen es offenbar nicht mehr in meinem Unternehmen gefällt, dann steht es mir doch frei, diese Verträge nicht zu verlängern. Das muss auch den Streikenden klar sein. Da finde ich solche Aussagen nicht sonderlich schlimm. Wer glaubt denn wirklich, dass man sich das gefallen lässt.
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