Warnung vor Gehaltsausfällen Krankenhäuser fordern mehr Staatsgeld

Die Finanzlage der Kliniken ist angespannt. Nun warnt ihre Interessenvertretung: Ohne neue Hilfen der Regierung würden viele Häuser schon bald nicht mehr Mitarbeitergehälter zahlen können – mitten in der Pandemie.
Covid-19-Patient in Gera. Die Intensivstationen füllen sich. Viele Krankenhäuser verzichten auf aufschiebbare Eingriffe und halten Betten frei.

Covid-19-Patient in Gera. Die Intensivstationen füllen sich. Viele Krankenhäuser verzichten auf aufschiebbare Eingriffe und halten Betten frei.

Foto: Bodo Schackow / dpa

Die deutschen Krankenhäuser schlagen Alarm wegen ihrer besonders angespannten Finanzlage in der Coronakrise. »Wenn die Bundesregierung die Hilfen nicht deutlich erhöht, werden flächendeckend Klinken bereits im ersten Quartal 2021 nicht mehr die Gehälter ihrer Mitarbeiter zahlen können«, sagte Gerald Gaß, der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die DKG vertritt die Interessen großer Krankenhausträger.

»Die Klinken sind in einer dramatischen Situation«, beklagte Gaß. »Das Geld aus der Regelversorgung fehlt«, die Krankenhäuser verfügten nur noch begrenzt über finanzielle Mittel. Der DKG-Präsident forderte, dass die Kliniken auf der Basis ihrer Geschäftszahlen von 2019 monatlich ihr Budget erhalten sollten und Ende 2021 genau abgerechnet wird.

Nach den Plänen des Bundesgesundheitsministeriums sollen Klinken in besonders stark von der Pandemie betroffenen Gebieten Ausgleichszahlungen erhalten, wenn sie auf aufschiebbare Eingriffe verzichten und damit Betten freihalten.

Aus Sicht der Krankenhausgesellschaft reicht dieses Konzept aber bei Weitem nicht. Der neue Rettungsschirm sei »nur eine minimale Verbesserung«, sagte Interessenvertreter Gaß. Lediglich ein Viertel der Klinken würden davon erfasst. Im Frühjahr habe es hingegen einen Rettungsschirm gegeben, der für sämtliche Krankenhäuser gegolten habe – »dabei gab es damals nur etwa halb so viele Covid-19-Patienten«.

Zwei Drittel aller deutschen Klinikbetreiber rechnen für das Gesamtjahr 2020 mit Verlusten. Dies geht aus dem aktuellen Krankenhaus-Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts hervor, über das der Berliner »Tagesspiegel« zuerst berichtete. Demnach beurteilen nur noch 18 Prozent der knapp 2000 Kliniken mit ihren insgesamt 1,3 Millionen Mitarbeitern ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als gut.

clh/dpa-AFX/AFP/Reuters
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