Hohe Staatsausgaben Warum Chinas Wachstumsschub nicht überzeugt

Chinas Wirtschaft wächst wieder kräftiger. Doch der Aufschwung ist teuer erkauft: Peking setzt massiv auf höhere Staatsausgaben und billige Kredite. Die überfälligen Reformen kommen nur schleppend voran.

Industriehafen von Qingdao: China baut Infrastruktur massiv aus
AFP

Industriehafen von Qingdao: China baut Infrastruktur massiv aus

Von Aaron Back, Wall Street Journal Deutschland


Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 7,8 Prozent gewachsen, das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als im zweiten Quartal. Dieser Schub ist aber nicht ganz gesund, weil er von Staatsausgaben und einer riesigen Ausweitung der Kreditvergabe getrieben wird.

Als der chinesische Premier Li Keqiang im März sein Amt antrat, verkündete er eins ums andere Mal, er wolle langsameres Wachstum, um die Wirtschaft auf einen nachhaltigeren Pfad zu bringen - will heißen: weniger abhängig von staatsgetriebenen Investitionen. Aber für Peking war offensichtlich Anfang Juli eine Schmerzgrenze erreicht, als Li versprach, er werde das Wachstum nicht unter ein bestimmtes Mindestniveau sinken lassen. Im selben Monat begann die Regierung, ihre Ausgaben für Schienennetze und andere Infrastruktur aufzustocken.

Die Folgen waren im dritten Quartal bereits zu spüren: Die Investitionen in Schienen und Straßen lagen in dem Zeitraum um 22 Prozent über denen des Vorjahres.

Aber schon vor Beginn dieses "Mini-Stimulus"-Programms haben die Behörden eine Explosion des Kreditwesens zugelassen. In den ersten fünf Monaten des Jahres lag die Kreditvergabe insgesamt - dazu gehören auch Kredite, die außerhalb der traditionellen Bankenkanäle vergeben werden - um satte 52 Prozent über jener des Vorjahres. In den beiden Folgemonaten schwächte sich die Kreditvergabe drastisch ab, um im August und September wieder etwas zuzulegen.

Viele Analysten, die auf der Suche nach Anhaltspunkten für die künftige Wirtschaftsentwicklung in China sind, schauen sich nun die soziale Finanzierung genauer an als jeden anderen Indikator. Allerdings verweist die jüngste Pendelbewegung darauf, dass die künftige Richtung bei der Kreditvergabe noch nicht klar ist.

Politische Unsicherheit wird zum Hemmschuh für die Wirtschaft

Ein Termin könnte mehr Klarheit schaffen: Im November findet ein Treffen der Kommunistischen Partei statt, das nur alle fünf Jahre abgehalten wird. Ähnliche Parteitreffen in den Jahren 1978 und 1993 lösten historische Wellen einer wirtschaftlichen Liberalisierung aus. Ein weiteres im Jahr 2003 hingegen kündigte eine starrere Agenda unter der Führung des früheren Parteichefs Hu Jintao an.

Es besteht die Hoffnung, dass das diesjährige Treffen China auf Reformen einschwört, die eine effizientere, marktorientierte Kapitalallokation zulassen würden. Das dürfte dann die Abhängigkeit von kreditgetriebenen Konjunkturanreizen durchbrechen. Die Wunschliste an die Reformer ist lang und beinhaltet entfesselte Zinssätze ebenso wie geringere Sonderrechte für Staatsbetriebe.

Mittlerweile ist die politische Unsicherheit selbst zum Hemmschuh für die Wirtschaft geraten. Der Finanzchef von Computerhersteller IBM, Mark Loughridge, etwa hat diesen Faktor explizit als Grund für die enttäuschenden Geschäftszahlen des Unternehmens im dritten Quartal genannt. So ist der Umsatz, den IBM Chart zeigen in den drei Monaten in China gemacht hat, gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent gesunken. IBM sehe "eine Pause, während China den Prozess durchmacht, seine neuen Wirtschaftspläne zu entwickeln", saget Loughridge.

Diese Unsicherheit könnte in der Tat sogar noch nach dem anstehenden Parteitreffen vorherrschen. Vielleicht wird China im nächsten Monat einen starken Reformwillen kundtun, aber eine Umsetzung dürfte lediglich stockend und schrittweise erfolgen. Lis Kapitulation gegenüber der Notwendigkeit staatlicher Anreize vor einiger Zeit deutet darauf hin, dass seinem Reformeifer Grenzen gesetzt sind.

Originalartikel auf Wall Street Journal Deutschland



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abc-xyz 18.10.2013
1. Die nächste "Bubble"
Zitat von sysopAFPChinas Wirtschaft wächst wieder kräftiger. Doch der Aufschwung ist teuer erkauft: Peking setzt massiv auf höhere Staatsausgaben und billige Kredite. Die überfälligen Reformen kommen nur schleppend voran. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/warum-chinas-wachstumsschub-nicht-ueberzeugt-a-928600.html
Die chinesische Motor läuft zwar noch, doch auch hier wird eine große Blase generiert, die früher oder später, dafür mit Gewissheit, hoch gehen wird. Anders aber als in den USA, ist das Wachstum auf Gedeih und Verderb mit dem Überleben der Regierung verknüpft, die sich nur aufgrund des Wachstums seit dem Tiannamen Massaker über Wasser hält. D.h. die Sprengkaft Chinas ist um ein Vielfaches höher als in den USA, da die Einkommensschere und die Ungleichverteilung im Reich der Mitte viel krasser ist. Nicht zu erwähnen, dass China seine Schulden nur schwerlich mittels der Notenpresse ausgleichen kann, denn anders als in den USA sind die Schulden Chinas weitgehend in einer Fremdwährung gehalten; den Dollar.
Stauss2 18.10.2013
2. Ach, nee.
Zitat von sysopAFPChinas Wirtschaft wächst wieder kräftiger. Doch der Aufschwung ist teuer erkauft: Peking setzt massiv auf höhere Staatsausgaben und billige Kredite. Die überfälligen Reformen kommen nur schleppend voran. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/warum-chinas-wachstumsschub-nicht-ueberzeugt-a-928600.html
Und worauf setzen die westlichen Staaten, wenn sie Prosperität wollen? Auf weniger Staatsausgaben und teure Kredite? Was soll der Unsinn? China setzt nicht auf Kredite. Die USA (112 % vom BSP), die Bundesrepublik (82 % vom BSP) und Japan (245 % vom BSP) setzen auf Kredite. Sieht man an deren Schuldentürme. China hat lediglich 41 % vom BSP. Im Gegensatz zu den USA sind hier auch alle Kommunalen Schulden und die Schulden der Provinzen enthalten. Wie für die Bundesrepublik und Japan. Zahlen aus: Liste der Länder nach Staatsschuldenquote (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Staatsschuldenquote)
Drobsick 18.10.2013
3. In freundiger Erwartung
Endlich will man den Turbokapitalismus auch in China einführen... Willkommen im Dreck 1,3 Milliarden Menschen die ich nicht kenne ;P
krassopoteri 18.10.2013
4.
Zitat von sysopAFPChinas Wirtschaft wächst wieder kräftiger. Doch der Aufschwung ist teuer erkauft: Peking setzt massiv auf höhere Staatsausgaben und billige Kredite. Die überfälligen Reformen kommen nur schleppend voran. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/warum-chinas-wachstumsschub-nicht-ueberzeugt-a-928600.html
Frei nach Keynes zur momentanen Krisenbewältigung Mittelerweile ist das global eine ständigen Einrichtung, auf dem die verpfändete Zukunft verkonsumiert wird. Unsere Enkel werden uns dafür verfluchen. Schöne Grüße von Helikopter Ben
krassopoteri 18.10.2013
5.
Zitat von Stauss2Und worauf setzen die westlichen Staaten, wenn sie Prosperität wollen? Auf weniger Staatsausgaben und teure Kredite? Was soll der Unsinn? China setzt nicht auf Kredite. Die USA (112 % vom BSP), die Bundesrepublik (82 % vom BSP) und Japan (245 % vom BSP) setzen auf Kredite. Sieht man an deren Schuldentürme. China hat lediglich 41 % vom BSP. Im Gegensatz zu den USA sind hier auch alle Kommunalen Schulden und die Schulden der Provinzen enthalten. Wie für die Bundesrepublik und Japan. Zahlen aus: Liste der Länder nach Staatsschuldenquote (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Staatsschuldenquote)
China hat 2013 21,3% Schulden gemessen am BSP. Das allerdings alleine sagt nicht allzuviel aus.
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