Datenleck über Briefkastenfirmen Was Sie über die Panama Papers wissen sollten

Millionen Dokumente über Briefkastenfirmen in Steueroasen sind enthüllt worden. Die Panama Papers könnten für viele Prominente weltweit Konsequenzen haben. Ein Überblick.
Mossack-Fonseca-Schild

Mossack-Fonseca-Schild

Foto: CARLOS JASSO/ REUTERS

Die Panama Papers sind das bestimmende Thema in den Nachrichten. Durch ein großes Datenleck sind Informationen über Hunderttausende Briefkastenfirmen offengelegt worden. Das berichten mehrere Medien, die an der Recherche beteiligt waren, darunter die "Süddeutsche Zeitung", der britische "Guardian" und die französische "Le Monde". Dem Redaktionskonsortium wurden bereits vor Längerem umfassende Daten zugespielt, jetzt präsentierten sie Ergebnisse der Auswertung.

Es ist nicht das erste Datenleck dieser Art. Bereits 2013 wurden durch die sogenannten Offshore-Leaks Briefkastenfirmen von Prominenten öffentlich. Ein Jahr später entfachten die sogenannten Luxemburg-Leaks Diskussionen über die Steuervermeidungsstrategien von Großkonzernen in der EU. Und im vergangenen Jahr brachten Tausende vertrauliche Dokumente der britischen Großbank HSBC, die Journalisten zugespielt wurden, zahlreiche Mächtige weltweit in Erklärungsnot.


Warum sind die Panama Papers wichtig?

Die Relevanz des neuesten Offshore-Datenlecks liegt weniger in der Existenz von Steueroasen und Briefkastenfirmen an sich. Dass sich Konzerne, Prominente und Mächtige diskreter Netzwerke und Briefkastenfirmen bedienen, um Geldflüsse und Vermögen zu verschleiern, ist seit Langem bekannt. Die Datenlecks der vergangenen Jahre haben die Kenntnisse über Strukturen und Abläufe noch vertieft.

Beeindruckend an den Panama Papers ist nun der schiere Umfang der Daten: 11,5 Millionen Dokumente aus den Jahren 1977 bis 2015 haben die Journalisten erhalten. Sie enthalten Informationen über 214.488 Briefkastenfirmen, die die Anwaltskanzler Mossack Fonseca mit Sitz in Panama gegründet, verkauft und verwaltet hat. Viele der nun aufgedeckten Panama-Geschäfte sind also schon vor längerer Zeit abgewickelt oder zumindest initiiert worden.

Durch das riesige Datenleck werden viele Namen und Institutionen hinter Briefkastenfirmen bekannt, sie geben einem bislang weitgehend abstrakten Phänomen Gesichter. Und die sind oft jene der Mächtigen: Gleich zwölf aktive oder frühere Staats- und Regierungschefs tauchen namentlich auf , darunter die amtierenden Präsidenten von Argentinien, Mauricio Macri, und der Ukraine, Petro Poroschenko.

Dazu kommen 61 Verwandte oder enge Vertraute von Staats- und Regierungschefs wie Russlands Präsident Wladimir Putin oder Spaniens Ex-König Juan Carlos. Eine Ebene darunter finden sich 128 hochrangige Politiker und Beamte oder deren Vertraute, die die Panama Papers in Verbindung mit Briefkastenfirmen bringen. In Großbritannien sorgt für Aufregung, dass sich auch der verstorbene Vater von Premierminister David Cameron in den Unterlagen findet.

Es sind aber keineswegs nur Politiker, die Offshore-Dienste nutzen - das Phänomen scheint sich durch viele gesellschaftliche Bereiche zu ziehen: Im Sport bringen die Panama Papers etwa Fußball-Weltstar Lionel Messi und den früheren Fifa-Spitzenfunktionär Jerome Valcke in Erklärungsnot. Hunderte Millionäre sowie 29 Milliardäre, die auf der "Forbes"-Liste der reichsten Menschen der Welt stehen, finden sich laut "Süddeutscher Zeitung" ebenfalls in den Dokumenten. Das Journalistennetzwerk ICIJ, das die Recherche koordiniert hat, kündigt an, Anfang Mai eine Liste mit allen Namen und Unternehmen aus den Panama Papers zu veröffentlichen.

Doch selbst dann wird immer noch nur ein Bruchteil des Offshore-Phänomens offengelegt sein: Dem "Guardian" zufolge ist Mossack Fonseca lediglich die weltweite Nummer vier  unter den Offshore-Dienstleistern.


Sind alle Politiker, Prominente und Unternehmen kriminell, die Briefkastenfirmen nutzen?

Keineswegs. Zwar dienen Briefkastenfirmen in Steueroasen zumeist der Diskretion, sollen also die Identität der eigentlichen Inhaber verschleiern. Allerdings gibt es durchaus legitime Gründe für ein solches Vorgehen, etwa wenn Konzerne neue Geschäftsfelder angehen wollen.

Auch Konstrukte zur Steuervermeidung können legal sein. Der iPhone-Hersteller Apple etwa hortet seit Langem außerhalb der USA verdiente Gewinne in Steueroasen, weil bei einer Rückführung in sein Heimatland Abgaben fällig würden. Das ist umstritten, aber nicht unbedingt verboten.

Allerdings ist die Liste der illegalen und kriminellen Absichten, die mit der Nutzung von Offshore-Firmen verbunden ist, lang: Von der Geldwäsche über Steuerhinterziehung und der Verschleierung von Korruption bis hin zur Terrorfinanzierung.

Was passiert nun?

In zahlreichen Ländern haben Finanz- und Strafbehörden oder Regierungen bereits im Laufe des Montags angekündigt, die durch die Panama Papers bekannt gewordenen Geldanlagen überprüfen zu wollen. Neben großen EU-Staaten wie Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Spanien zählen dazu auch Australien - und die Steueroase Panama, wo Mossack Fonseca sitzt.

Zudem dürften die Enthüllungen das Augenmerk erneut auf die bislang legalen Formen der Steuervermeidung richten. Zuletzt hatten sich etwa die G20-Staaten darauf geeinigt, diese Möglichkeiten einzudämmen und sich auf ein Maßnahmenpaket geeinigt. Nun könnte der Druck zunehmen, verdeckte Geschäfte in Steueroasen noch effektiver zu erschweren.

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