The Giving Pledge Der Club der Super-Spender

Ein Club amerikanischer Milliardäre will SAP-Gründer Hasso Plattner als Mitglied gewonnen haben - sie alle sollen mindestens die Hälfte ihres Vermögens spenden. Ein Dementi des Deutschen sorgt für reichlich Wirbel. Doch wofür steht der Verein eigentlich?
"The Giving Pledge"-Gründer Buffett (r.), Gates mit Gattin Melinda: Geld geben, Gutes tun

"The Giving Pledge"-Gründer Buffett (r.), Gates mit Gattin Melinda: Geld geben, Gutes tun

Foto: NICHOLAS ROBERTS/ AFP

Hasso Plattner hat ein Versprechen abgeben. Auf recht deutsche Art, gewissermaßen: "Nahezu kostenlos" habe er an der Uni Karlsruhe studieren dürfen - "einer der besten technischen Universitäten in Deutschland" -, jetzt wolle er der Gesellschaft etwas zurückgeben. So steht es unter Plattners Porträt auf der Website  eines der wohl exklusivsten Clubs der Welt: The Giving Pledge - auf Deutsch: Das Spendenversprechen.

Demnach ist Plattner, Mitgründer des Software-Konzerns SAP, seit Dienstag einer von aktuell 105 Superreichen weltweit, die versprochen haben, mindestens die Hälfte ihres Vermögens für gute Zwecke abzugeben - zu Lebzeiten oder nach ihrem Tod, wie es beliebt.

Am Mittwoch gab es zunächst aber Verwirrung, ob Plattner der Initiative wirklich beigetreten ist. Der 69-Jährige dementiere, meldete die "Bild"-Zeitung. Auch die "Potsdamer Neuesten Nachrichten" berichten von einem Gespräch mit Plattner in dessen Villa in Potsdam. Er habe gesagt: "Ich fühle mich von Bill Gates hintergangen und ausgenutzt." SAP dagegen sagt, Plattner freue sich, Mitglied zu sein. Hintergrund der widersprüchlichen Meldungen: Plattner ist nicht gewillt, schon zu Lebzeiten die Hälfte seines Vermögens zu spenden. Das Geld stecke unter anderem in seinen SAP-Aktien, und er fühle sich für das Unternehmen immer noch verantwortlich. Dennoch will Plattner bei der Milliardärsrunde mitmachen, stellte SAP in einer Pressemitteilung klar. Er werde das "gesamte Kapital seiner Förderstiftung" im Sinne der Initiative einsetzen. Über wie viel Kapital die Förderstiftung verfügt, verriet Plattner nicht. Im Klartext bedeutet das: Der SAP-Gründer spendet, aber nicht so viel, wie es zunächst den Anschein hatte.

"Daseinszweck, anderen zu helfen"

Das Hin und Her wirft ein Schlaglicht auf den Club der Superreichen. Was steckt hinter dem Versprechen? Haben die Mitglieder tatsächlich allein karitative Motive?

Die vor zweieinhalb Jahren von Microsoft-Gründer Bill Gates (Vermögen laut "Forbes" : 61 Milliarden Dollar) und Investorenlegende Warren Buffett (44 Milliarden Dollar) gegründete Initiative lockte bisher vornehmlich US-Milliardäre an, die großspurig für ihr Engagement werben: "Wenn du zeigen willst, wie sehr du deine Kinder liebst", dann müsse man eine bessere Welt für sie schaffen, schreibt New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg (22 Milliarden Dollar). Oder Hotelerbe Barron Hilton: "Ich hoffe, dass andere von der Story meines Vater inspiriert werden und dem unerschütterlichen Festhalten meiner Familie an seiner wohltätigen Philosophie."

Es sind tatsächlich Welten, die deutsche und US-Milliardäre trennen. Beim ersten Versuch im Jahr 2010, ein paar Deutsche für ihre Idee zu gewinnen, scheiterten Gates und Buffett noch. So ist Plattner nach dem Deutsch-Amerikaner Nicolas Berggruen erst der zweite Milliardär aus Good Old Germany, der mitmacht.

Auf 5,95 Milliarden Euro schätzt das manager magazin das Vermögen des 69-Jährigen. Wie viel Plattner davon wirklich spendet, ist letztlich nicht nachprüfbar. Das macht das Pledge-Regelwerk deutlich: "Das Versprechen ist eine moralische Verpflichtungserklärung, kein juristischer Vertrag." Zudem gibt es keine Vorschriften, an wen gespendet werden soll: "Jeder trifft seine individuelle Entscheidung." In einer Pressemitteilung der Gruppe heißt es: "Die Pledger befinden sich auf verschiedenen Stufen ihrer Philanthropie - einige haben schon die Mehrheit ihres Vermögens abgegeben, andere beginnen erst."

Ob und wie die Pledger ihrem Versprechen am Ende also wirklich nachkommen, das ist wohl nur allgemeinen Spenderlisten zu entnehmen, die in den USA alljährlich publiziert werden. Aber auch hier gilt: Die Angaben sind letztlich kaum überprüfbar. So soll zum Beispiel Warren Buffett im Jahr 2012 laut "Chronicle of Philanthropy"  3,09 Milliarden Dollar in Aktien für karitative Zwecke zur Verfügung gestellt haben. Und Buffett hatte laut "Businessweek" schon im Jahr 2008 insgesamt gut 80 Prozent seines Gesamtvermögens gespendet.

Eine Handvoll Milliardäre sagt, wo es langgeht?

Klingt gut. Aber nicht jeder spendet so viel wie Buffett, der zudem gemeinsam mit US-Präsident Barack Obama kämpft und einen höheren Steuersatz für die Superreichen fordert. Zudem verfolgen die meisten durchaus klare Ziele mit ihren Spenden. Bill Gates etwa hat über Jahre bestimmte Schulformen gefördert - und damit politischen Einfluss genommen. Schon kurz nach Präsentation des exklusiven Clubs bemerkte Ellen Remmer, Vorsitzende der "Philanthropic Initiative", in der "New York Times", es könne natürlich der Eindruck entstehen, dass es sich hier "um eine totales PR-Ding" handele: "Der Grund für dieses goldene Zeitalter der Menschenfreundlichkeit ist ja die unglaubliche Konzentration von Reichtum - und 'das Versprechen' erinnert uns daran."

Der deutsche Reeder Peter Krämer, der ein Uno-Programm für Schulen in Afrika unterstützt, kritisierte damals im SPIEGEL: "Ich will einfach nicht, dass eine Handvoll Milliardäre bestimmt, ob nun Fischgründe in Alaska, Golfresorts in Florida oder der Kampf gegen Aids finanziert werden." Denn man gebe mit einem solchen Modell im Grunde den Gedanken eines Zentralstaats auf, "der doch demokratisch legitimiert ist und wissen sollte, wofür Geld gerade am dringendsten gebraucht wird".

In den USA lassen sich schon Durchschnittsverdiener vom Steuerberater vorrechnen, wie viel Geld sie spenden können, statt Steuern zu zahlen. Heißt: Der Einzelne will nicht mehr dem Staat die Prioritätensetzung überlassen, sondern selbst bestimmen. Greifen Milliardäre auf diese Weise ein, sind die Konsequenzen entsprechend größer. Dahinter steckt der amerikanische Dauerkonflikt zwischen Individualismus und Gemeinschaft. Barack Obama hat einen neuen Schwerpunkt auf die soziale Gerechtigkeit gelegt, will Steuern erhöhen - und zitiert nicht ohne Grund stets Vorgänger Teddy Roosevelt, der vor hundert Jahren eine regulierte Wirtschaft und eine starke Regierung forderte: "Wohlfahrt für die Menschen" sei wichtiger als der Profit des Einzelnen, sagte Roosevelt.

Die Pledger um Buffett und Gates sehen dies womöglich genauso. Allerdings bestimmen dabei sie - direkt oder indirekt -, was Wohlfahrt für die Menschen bedeutet.

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