Folgen der Euro-Krise Spanier stürmen Deutschkurse in Goethe-Instituten

Gut ausgebildete Spanier bereiten sich offenbar konkret darauf vor, auch in Deutschland nach Arbeit zu suchen. Die Nachfrage nach Deutschkursen an Goethe-Instituten in dem Land ist in den vergangenen zwei Jahren um 80 Prozent gestiegen. Als Grund gilt die Euro-Krise.
Arbeitslose in Spanien: Deutschkurse als Ausweg aus der Eurokrise

Arbeitslose in Spanien: Deutschkurse als Ausweg aus der Eurokrise

Foto: ANDREA COMAS/ REUTERS

Brüssel - Die Arbeitslosigkeit in Spanien ist auf einem Rekordhoch, jeder zweite Jugendliche unter 25 Jahren hat keinen Job. Viele Südeuropäer suchen bereits verstärkt nach Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland, die Spanier bereiten sich offenbar konkret mit Deutschkursen darauf vor. Die Nachfrage nach Deutschunterricht in den Goethe-Instituten des Landes ist seit 2010 um 80 Prozent gestiegen - das sagte der zuständige Regionalleiter in Brüssel, Berthold Franke, der Nachrichtenagentur dapd. Auch in Portugal sei der Bedarf an Deutschkursen stark gestiegen.

Dem Regionalleiter zufolge gibt es eine klare Begründung für den Trend: "Es besteht eindeutig ein Zusammenhang mit der Euro-Krise", sagte Franke. "Wir sprechen ja mit unseren Kunden und stellen fest: Der Anstieg ist zurückzuführen auf junge, gut ausgebildete Menschen, die auf den deutschen Arbeitsmarkt blicken."

Franke sprach von einer "riesigen Entwicklung". In den südeuropäischen Ländern habe es "schon traditionell eine gute Nachfrage nach Deutschkursen gegeben", sagte er. "Die starken Zuwachsraten bauen also auf einem hohen Niveau auf."

Besonders gefragt: Berufsbezogene Sprachkurse

Gefragt seien auf der Iberischen Halbinsel zunehmend auch direkt berufsbezogene Sprachkurse, berichtete Franke. Deutsche Unternehmen rekrutierten immer häufiger Pflegekräfte, Ärzte oder Ingenieure - und ließen ihre neuen Mitarbeiter noch vor Ort in Spanien oder Portugal in deutscher Sprache unterrichten.

Um der gestiegenen Nachfrage zu begegnen, haben sich die Goethe-Institute nach Angaben des Regionalleiters bereits verstärkt um zusätzliche Lehrkräfte bemüht, oft auf Honorarbasis. "Wir wollen uns nicht naiv im Boom einrichten - andererseits ist aber davon auszugehen, dass uns zumindest der Fachkräftemangel in Deutschland noch länger beschäftigen wird", sagte Franke.

Mit dem Ansturm auf die Deutschkurse des Institutes komme es zu einer paradoxen Situation, sagte Franke. Denn in vielen südeuropäischen Ländern gehe der Trend weg vom Deutschunterricht an Schulen. "Gerade dort wo es schwer ist, die Bildungspolitiker vom Deutschunterricht zu überzeugen, ist jetzt die Nachfrage nach den Kursen am größten."

Auch in Deutschland steigt offenbar die Nachfrage nach Deutschkursen. Die Nachrichtenagentur dapd berichtet, dass immer mehr Menschen aus Euro-Krisenländern in die Deutschkurse der Volkshochschulen (VHS) in den Alten Bundesländern strömten. Viele Volkshochschulen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Berlin, Bremen und Rheinland-Pfalz berichten von verstärkter Nachfrage nach Deutschunterricht durch Menschen aus Spanien, aber auch aus Griechenland.

nck/dapd