Weimarer Republik US-Investoren dürfen alte Anleihen einklagen

Eine Erblast der Weimarer Republik könnte Finanzminister Schäuble mehrere hundert Millionen Dollar kosten: In den USA erzielten Kläger einen ersten Teilerfolg - sie machen Forderungen aus Staatsanleihen geltend, deren Rückzahlung Adolf Hitler einst gestoppt hatte.

Diktator Hitler: Investoren fordern rund 450 Millionen Dollar
DPA

Diktator Hitler: Investoren fordern rund 450 Millionen Dollar


Miami - Ein US-Gericht hat eine Klage gegen Deutschland auf Rückzahlung von Anleihen zugelassen, die nach dem Ersten Weltkrieg ausgegeben worden waren und deren Rückzahlung Adolf Hitler eingestellt hatte. "Das Berufungsgericht hat entschieden, dass die Klage gegen Deutschland verhandelt werden kann", sagte der Anwalt der Beschwerdeführer, bei denen es sich um Investoren handelt, die in dem Unternehmen World Holdings mit Sitz in Tampa im Bundesstaat Florida zusammengeschlossen sind, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Ein Verfahren könne dem Urteil zufolge nicht mit dem Argument abgelehnt werden, dass die Bundesrepublik ein souveräner ausländischer Staat sei, fügte Michael Elsner hinzu.

Seine Mandanten würden Rückzahlungen und Zinsen in Höhe von mehr als 450 Millionen Dollar geltend machen, sagte Elsner. Die Angelegenheit werde nun an ein Bezirksgericht in Miami zurückverwiesen. Die Staatsanleihen hatte Deutschland laut Gerichtsakten nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) herausgegeben, um den Wiederaufbau des Landes finanzieren zu können. Als Hitler 1933 Reichskanzler wurde, stellte er die Rückzahlung der Darlehen ein.

Laut Elsner hatte die Bundesregierung in dem Rechtsstreit argumentiert, der Großteil der Anleihen sei nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgezahlt worden. Viele Schuldscheine seien aber von sowjetischen Soldaten gestohlen worden. Um als rechtmäßiger Besitzer der Anleihepapiere seine Ansprüche dennoch geltend machen zu können, sei ein aufwendiger Beglaubigungsprozess in Deutschland Voraussetzung gewesen. Ein Vertreter der deutschen Botschaft in Washington wollte sich zunächst nicht zu dem Fall äußern.

mik/AFP



insgesamt 22 Beiträge
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mat_1972 12.08.2010
1. albern
einfach nur albern! Obwohl ich Vergleiche und Beispiele nicht leiden kann hier ein passender: Kann der enteignete Indianer/Sklave etc.etc. nun auch was von dem Kuchen abhaben?
Crom 12.08.2010
2. ...
Sollen sich an die KRR wenden. ^^ http://de.wikipedia.org/wiki/Kommissarische_Reichsregierung
zeitenwanderer 12.08.2010
3. Die Macht des Stärkeren
Hier wird natürlich Recht aus unterschiedlichen Perspektiven bemessen. Ein Amerika, das pleite ist, glaubt nun, in einer Art Kolonialdenken nötiges Geld wenn es sein muss auch mit fragwürdigen Mitteln bei den ehemaligen Besiegten einfordern zu können. Aber wenn wir wirklich die Frage nach rechtmäßigen Ansprüchen aus der Geschichte auf allen Seiten gleichermaßen zulassen wollen, dann wäre das natürlich zu begrüßen, zumal die deutschen Goldreserven seit Ende des ersten Weltkrieges immer noch in Amerika liegen und die Rückgabe auch endlich verhandelt werden sollte.
frank_lloyd_right 12.08.2010
4. Diese Sache ist schon sehr lange am Backen...
aber es wird nicht reichen für die Verschwender da drüben - außerdem kriegen das Geld woeder bur ein paar reiche Erben.
ramuz 12.08.2010
5. Was ist mit den Holländern...
.. klagen die jetzt Nieuw Amsterdam zurück? Oder die Franzosen: holt euch Louisiana, Mississippi, Teile von Florida und... ooops: Kanada! zucück! Oder August Suter... kriegen seine Erben jetzt rechtmässig halb Kalifornien aufgrund eines noch rechtsgültigen Urteils oder nicht? Was sagen die Indianischen Ureinwohner - sollten die jetzt die WASPs ins Meer treiben dürfen? Dürfen die Afrikanischen Staaten in den US die Verluste menschlicher Arbeits- und Geisteskraft einklagen? Gar die Palästinenser die Rückgabe des Grund und Bodens von Grossisrael? Fragen sind das... Fragen....
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