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03. Juni 2013, 12:49 Uhr

Folge der Massenarbeitslosigkeit

Uno warnt vor sozialen Unruhen in Europa

Die Wirtschaftskrise in Europa erhöht die Gefahr sozialer Unruhen. Zu diesem Ergebnis kommt die Internationale Arbeitsorganisation der Uno. Vor allem die harte Sparpolitik in vielen Ländern habe die Lage verschlimmert.

Genf - Fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise ist die Arbeitslosenquote in vielen Industriestaaten deutlich gestiegen - und somit auch das Risiko sozialer Unruhen. Europa sei von dieser Entwicklung besonders stark betroffen, schreiben die Uno-Experten der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in ihrem Weltarbeitsmarktbericht 2013. Deutschland allerdings gehört laut den Angaben zu den wenigen Ländern, in denen die Beschäftigungsrate höher ist als vor der Finanzkrise.

Weltweit werde die Zahl der Menschen ohne Job von jetzt 200 Millionen bis 2015 um acht Millionen ansteigen, warnt die ILO in ihrem am Montag vorgelegten Bericht. Das Risiko sozialer Unruhen sei in 46 von 71 untersuchten Volkswirtschaften gewachsen. Vor allem in der Europäischen Union habe sich diese Gefahr - nach einem Index mit Faktoren wie Arbeitsmarktlage, Lebensstandard und Vertrauen in die jeweilige Regierung - von durchschnittlich 34 Prozent im Jahr 2006 auf 46 Prozent im Jahr 2012 erhöht.

"Wir brauchen einen auf Jobs und produktive Investitionen fokussierten globalen Aufschwung sowie besseren sozialen Schutz für die ärmsten und verwundbarsten Gruppen", sagte ILO-Generaldirektor Guy Ryder zur der Vorlage der Umfangreichen Studie der UN-Sonderorganisation in Genf. "Und wir müssen gegen die soziale Ungleichheit vorgehen, die in vielen Teilen der Welt größer wird."

Maßgeblich schuld ist laut ILO die teils dramatische Sparpolitik. Sie führt häufig zu steigender Arbeitslosigkeit: "Die Zunahme des Unruherisikos in der Europäischen Union ist wahrscheinlich ein Ergebnis der politischen Reaktionen auf die Staatsschuldenkrise und deren Auswirkungen auf das Leben der Menschen sowie deren Wahrnehmung von Wohlstand", heißt es in dem Bericht.

So befinde sich die Euro-Zone seit dem dritten Quartal 2011 in einer Rezession, die Arbeitslosigkeit habe dort die Rekordhöhe von mehr als zwölf Prozent erreicht. Zugleich gehe die Einkommensschere in der Währungsunion weiter auseinander. "Dieses düstere wirtschaftliche Szenario hat ein fragiles Umfeld geschaffen, in dem immer weniger Menschen Möglichkeiten sehen, einen guten Job zu bekommen und ihren Lebensstandard zu verbessern", heißt es in dem Bericht.

Deutschland als positives Beispiel

Am stärksten habe die Gefahr von Unruhen in Zypern, Tschechien, Griechenland, Italien, Portugal, Slowenien und Spanien zugenommen. Deutschland gehört zu den Ländern mit deutlich gesunkenem Unruherisiko. Überhaupt bekommt die Bundesrepublik im Wahljahr 2013 von der Uno-Sonderorganisation Traumnoten: Die Beschäftigungsrate - der Anteil aller Menschen im arbeitsfähigen Alter, die einen Job haben - sei in Deutschland von 54,7 Prozent Ende 2007 auf 57,1 Prozent Ende 2012 gestiegen.

Zwischen 2007 und 2012 seien in der Bundesrepublik mehr als zwei Millionen neue Jobs geschaffen worden - "verglichen mit 2,7 Millionen Jobs, die im selben Zeitraum in der EU insgesamt verloren gingen". Die einst relativ hohe deutsche Arbeitslosenrate sei heute eine der geringsten in der EU; die Jugendarbeitslosigkeit betrage 7,7 Prozent gegenüber 23,5 Prozent in der EU. Allerdings gebe es Defizite hinsichtlich der Qualität der Jobs. So sei der Anteil von Beschäftigten mit niedrigsten Löhnen oder in Zeitarbeit in der Bundesrepublik nicht weiter zurückgegangen.

Eine positive Entwicklung verzeichneten im EU-Raum auch die Arbeitsmärkte in Österreich, Ungarn, Luxemburg, Malta, Polen und Rumänien. Auch dort liegen die Beschäftigungsraten über dem Vorkrisen-Niveau. Hingegen seien sie in Zypern, Griechenland, Portugal und Spanien in den letzten zwei Jahren um jeweils drei Prozentpunkte gesunken. Insgesamt müssten in den 27 EU-Ländern fast sechs Millionen neue Jobs entstehen, allein um das Niveau der Beschäftigung vor der Krise wieder zu erreichen.

Im weltweiten Vergleich zeigt sich laut ILO immer stärker ein Ungleichgewicht bei der Arbeitsmarktlage: Während die Mehrzahl der europäischen und anderer industrialisierter Länder immer noch mit den Krisenfolgen ringe, gehe in aufstrebenden Volkswirtschaften und vielen Entwicklungsländern der Aufschwung weiter.

mli/dpa

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