Studie über globalen Abschwung Coronakrise hatte den Tod Hunderttausender Babys zur Folge

Die weltweite Wirtschaftskrise infolge der Pandemie fordert laut einer Weltbank-Studie Hunderttausende Menschenleben. Vor allem Kinder und Alte fallen demnach der Krise zum Opfer.
Mutter mit Säugling in Indien: im zweitbevölkerungsreichsten Land der Erde sollen laut Studie besonders viele Babys infolge der Coronakrise gestorben sein.

Mutter mit Säugling in Indien: im zweitbevölkerungsreichsten Land der Erde sollen laut Studie besonders viele Babys infolge der Coronakrise gestorben sein.

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ADNAN ABIDI / REUTERS

Der globale Wirtschaftsabschwung im Zuge der Coronakrise könnte allein im vergangenen Jahr den Tod von rund 267.000 Babys zur Folge gehabt haben – vor allem in ärmeren Ländern der Welt.

Zu diesem Schluss kommen Experten der Weltbank in einer im Fachmagazin »BMJ Open« vorgestellten Modellierungsstudie.

Ursächlich hierfür seien mehrere Mechanismen, hieß es:

  • eine schlechtere Pflege und Ernährung in verarmenden Haushalten,

  • der eingeschränkte Zugang zu Gesundheitsdiensten sowie beeinträchtigte Angebote und die schwindende Qualität angebotener Gesundheitsdienste im Zuge der Wirtschaftskrise.

100.000 zusätzliche Todesfälle in Indien

Die Wissenschaftler um Gil Shapira hatten für ihre Kalkulation die Auswirkungen von Veränderungen im Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes auf die Sterblichkeit von Kindern bis zu zwölf Monaten zugrunde gelegt.

Laut ihrer Modellierungsstudie starben rund 267.000 bis zu 12 Monate alte Kinder infolge des coronabedingten Wirtschaftsabschwungs – also insgesamt rund 7 Prozent mehr als im Mittel der Vorjahre.

Rund 100.000 der zusätzlichen Todesfälle entfielen laut Studie auf Indien. Das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde habe zum einen die höchste Geburtenzahl weltweit – und zum anderen 2020 mit etwa minus 17 Prozent ein besonders großes prognostiziertes Wirtschaftsdefizit gehabt, erläuterten die Experten der Weltbank.

Im vergangenen Jahr sei die Weltwirtschaft nach bisherigen Schätzungen um rund fünf Prozent geschrumpft, heißt es in der Analyse. Im Gegenzug sei die Zahl in Armut lebender Menschen um rund 120 Millionen gestiegen. Besonders betroffen seien häufig Gruppen wie Kinder und Alte.

»Während die Anstrengungen zur Prävention und zur Behandlung von Covid-19 weiter höchste Priorität haben, sollte die weltweite Gemeinschaft auch soziale Sicherheitsnetze stärken und den Fortbestand von wesentlichen Gesundheitsangeboten sicherstellen«, empfahlen die Autoren.

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Sie gaben bei ihrer Berechnung zu bedenken, dass die Veränderungen der Bruttoinlandsprodukte (BIP) noch nicht endgültig feststehen – und dass es andere Effekte wie Naturkatastrophen und politische Unruhen geben kann, die ebenfalls Einfluss auf die Säuglingssterblichkeit haben.

che/dpa-AFX
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