Trotz Coronakrise China überholt erstmals die USA als wichtigster Handelspartner der EU

Das boomende Chinageschäft hilft der deutschen Wirtschaft durch die Coronakrise – und ist für Europa so wichtig wie nie zuvor. Nun hat das Land die USA als wichtigsten Handelspartner der EU abgehängt.
Containerschiff vor Qingdao

Containerschiff vor Qingdao

Foto: Chinatopix / AP

Ende Dezember 2020 schlossen die Europäische Union und China ein historisches Investitionsabkommen. Doch die wirtschaftliche Zusammenarbeit war, wie aktuelle Zahlen  der Statistikbehörde Eurostat zeigen, bereits damals enger denn je.

Im Schatten der Coronakrise hat China die USA 2020 erstmals als wichtigster Handelspartner der EU abgelöst. Das Handelsvolumen mit der Volksrepublik belief sich vergangenes Jahr auf 586 Milliarden Euro, bei den USA waren es 555 Milliarden Euro.

Trotz der Coronakrise legte der China-Handel deutlich zu, besonders deutsche Autobauer konnten dank des Geschäfts mit Fernost ihren Corona-Einbruch auffangen und zuletzt überraschend gute Zahlen präsentieren. Eurostat zufolge stiegen die Exporte der EU insgesamt um 2,2 Prozent auf 202,5 Milliarden Euro. Die Importe aus der Volksrepublik erhöhten sich um 5,6 Prozent auf 383,5 Milliarden Euro.

Handelsumfang der EU 2020

Importe aus den USA (in Mrd. €)

Importe aus China (in Mrd. €)

Exporte in die USA (in Mrd. €)

Exporte nach China (in Mrd. €)

202,0 (-13,2% im Vgl. zu 2019)

383,5 (+5,6% im Vgl. zu 2019)

353,0 (-8,2% im Vgl. zu 2019)

202,5 (+2,2% im Vgl. zu 2019)

Quelle: Eurostat, Februar 2021

Chinas Wirtschaft hatte sich durch Erfolge bei der Eindämmung der Virusausbreitung deutlich schneller von der Coronakrise erholt als die der USA. Zudem hatte der frühere US-Präsident Donald Trump nicht nur gegen China Strafzölle verhängt, sondern auch gegen bestimmte Einfuhren aus der EU. Die EU verhängte daraufhin milliardenschwere Gegenzölle.

Handel mit Großbritannien bricht um 13 Prozent ein

Im vergangenen Jahr fielen die EU-Exporte in die Vereinigten Staaten angesichts dieser Entwicklungen um 8,2 Prozent auf 353 Milliarden Euro. Die Importe aus den USA gingen gleichzeitig um 13,2 Prozent auf 202 Milliarden Euro zurück. Der Handelsüberschuss der EU gegenüber den USA blieb dabei mit knapp 151 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr praktisch unverändert.

Die Coronakrise hinterließ insgesamt tiefe Spuren in der EU-Handelsbilanz. Insgesamt exportierten die 27 EU-Staaten im vergangenen Jahr Waren im Wert von 1,93 Billionen Euro ins Ausland. Dies war ein Rückgang von 9,4 Prozent gegenüber 2019. Die Einfuhren gingen um 11,6 Prozent auf 1,71 Billionen Euro zurück.

Deutlich ging nach dem Brexit auch der Handel mit dem ehemaligen EU-Mitglied Großbritannien zurück. Die Im- und Exporte verringerten sich um jeweils gut 13 Prozent – obgleich das Vereinigte Königreich bis Jahresende 2020 noch Teil des EU-Binnenmarktes und der Zollunion war. Mit knapp 445 Milliarden Euro war Großbritannien 2020 damit der nach China und den USA drittgrößte EU-Handelspartner – vor der Schweiz, Russland und der Türkei.

apr/AFP