Weltrangliste Deutschland rutscht beim Export auf Platz drei

Deutschland exportiert weiterhin kräftig - und doch haben die USA die Bundesrepublik 2010 in der Weltrangliste des Außenhandels überholt. Das liegt aber nur am starken Dollar der Amerikaner.
Hamburger Hafen: Exporte machen 40 Prozent des deutschen Wachstums aus

Hamburger Hafen: Exporte machen 40 Prozent des deutschen Wachstums aus

Foto: Marcus Brandt/ dpa

Berlin - Erst China, jetzt die USA: Im Jahr 2009 verlor die Bundesrepublik den Titel als Exportweltmeister an die Asiaten, 2010 wurde sie von den Amerikanern überholt, wie Berechnungen der Welthandelsorganisation WTO und des Ifo-Wirtschaftsinstituts zeigen. Zuvor hatte bereits die "Financial Times Deutschland" darüber berichtet. Mit 8,4 Prozent verbuchten die Vereinigten Staaten einen geringfügig höheren Anteil an den weltweiten Ausfuhren als Deutschland, das auf 8,3 Prozent kam. China führte mit 10,4 Prozent weiterhin die Rangliste an.

Die Zahlen beziehen sich jedoch nicht auf die real exportierten Waren, sondern nur auf die reinen Preise - und die werden von Wechselkurseffekten beeinflusst. Da die USA im vergangenen Jahr laut Ifo-Institut den Dollar im Vergleich zum Euro um fünf Prozent aufgewertet haben, sind die ausgeführten Güter der Vereinigten Staaten teurer geworden. "Betrachtet man die Zeitreihen differenzierter, fällt auf, dass die realen Warenexporte in Deutschland im Jahr 2010 mit gut 15 Prozent leicht stärker gestiegen sind als in den USA mit 14,7 Prozent", heißt es in einer Mitteilung des Ifo-Instituts.

Die größten Exporteure weltweit

Platz Land Anteile an den weltweiten Ausfuhren 2010* Nominaler Exportwert** Veränderung gegenüber dem Vorjahr*
1. Volksrepublik China 10,4 1578 31
2. Vereinigte Staaten 8,4 1278 21
3. Deutschland 8,3 1269 13
4. Japan 5,1 770 33
5. Niederlande 3,8 572 15
6. Frankreich 3,4 521 7
7. Südkorea 3,1 466 28
8. Italien 2,9 448 10
9. Belgien 2,7 411 11
10. Großbritannien 2,7 405 15
Ausfuhr insgesamt 100 15.238 22
*in Prozent
**in Milliarden Dollar
Quelle: WTO

Laut des Münchener Instituts werden gerade die steigenden Leitzinsen der Europäischen Zentralbank dafür sorgen, dass der Dollar im Vergleich zum Euro wieder abgewertet wird. Wenn das geschieht, sinken auch die Preise der Vereinigten Staaten - und Deutschland könnte wieder Platz zwei der größten Exporteure einnehmen.

Im Bereich der Dienstleistungsexporte hat Deutschland das schon erreicht: Im Jahr 2010 überholte die Bundesrepublik den bisherigen Vizeweltmeister Großbritannien. Die Vereinigten Staaten belegen hier wie auch in den vergangenen Jahren den ersten Rang. Nach Statistiken der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) trugen Deutschlands Exporte im vergangenen Jahr über 40 Prozent zum Wachstum bei.

sdm