Waffenhandel Weltweite Rüstungsproduktion steigt weiter - Russland holt auf

Laut einer neuen Untersuchung werden von Jahr zu Jahr mehr Waffen gehandelt. Vor allem Russland steigert seine Produktion und löst Großbritannien als zweitgrößten Waffenhersteller ab.

Russisches MiG-31-Kampfflugzeug
DPA

Russisches MiG-31-Kampfflugzeug


Die weltweite Produktion von Rüstungsgütern ist 2017 zum dritten Mal nacheinander gestiegen. Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri belief sich der Verkauf von Waffen- und Militärdiensten der 100 weltweit größten Rüstungsunternehmen im vergangenen Jahr auf 398 Milliarden US-Dollar - das waren 2,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

"Die Entwicklung kommt für uns nicht unerwartet, weil viele Länder ihre Waffensysteme modernisieren", sagte Sipri-Expertin Aude Fleurant. Die Spannungen in bestimmten Ländern und Regionen hätten zudem die Nachfrage nach moderneren Systemen steigen lassen. Die Forderungen der USA, die europäischen Länder sollten einen größeren Nato-Beitrag leisten, sei an den Daten allerdings noch nicht ablesbar.

US-Unternehmen stehen nach wie vor an der Spitze der weltweiten Rüstungsproduzenten. Sie haben ihre Verkäufe um zwei Prozent gesteigert und stehen nun für 57 Prozent aller weltweiten Waffenverkäufe. "Die Unternehmen profitieren direkt von der anhaltenden Nachfrage des US-Verteidigungsministeriums nach Waffen", sagte Fleurant.

Russland löst Großbritannien als zweitgrößten Waffenhersteller ab

Russische Konzerne steigerten ihre Produktion um 8,5 Prozent - mit einem Gesamtanteil von nunmehr 9,5 Prozent an den weltweiten Rüstungsproduzenten verdrängte das Land Großbritannien vom zweiten Platz in dem Ranking. "Im Allgemeinen sind die Waffenverkäufe russischer Unternehmen seit 2011 deutlich gestiegen, was den erhöhten Ausgaben Russlands für die Beschaffung von Waffen für seine Streitkräfte entspricht", heißt es in dem Bericht.

Die 24 Rüstungsunternehmen in Westeuropa steigerten ihren Absatz um 3,8 Prozent auf 95 Milliarden US-Dollar. Sie machen damit knapp ein Viertel des Marktes aus. Großbritannien bleibt der größte europäische Waffenlieferant mit einem Anteil von 9 Prozent. Die vier deutschen Rüstungskonzerne erhöhten ihre Produktion um 10 Prozent - damit hat Deutschland einen Anteil von 2,1 Prozent an den weltweiten Waffenverkäufen.

Nach der Tötung des regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi hatte Deutschland zuletzt mit einem vollständigen Rüstungsexportstopp in das Land reagiert. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sollen aus Deutschland nun auch keine Waffen oder andere Rüstungsgüter mehr nach Saudi-Arabien ausgeliefert werden, deren Export bereits genehmigt wurde.

Der Rüstungskonzern Rheinmetall beliefert das Land jüngsten Medienberichten zufolge aber offensichtlich weiter mit Munition - und zwar über Tochterfirmen in Italien und Südafrika. Ein Rheinmetall-Vorstand habe Mitte November in einer Telefonkonferenz mit Bankanalysten versichert, die Lieferungen seien von dem Exportstopp nicht betroffen, berichteten der "Stern" und das ARD-Magazin "Report München" zuletzt.

hej/dpa



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wonder-wu 10.12.2018
1. Vollbeschätigung
Im Land herrscht Vollbeschäftigung und Arbeitskräftemangel, die Bundeswehr braucht Material und Instandsetzung von überlasteten Rüstungsbetrieben. Jetzt ist der Zeitpunkt, aus Rüstungsexporten auszusteigen
dasfred 10.12.2018
2. Wen wundert es noch
Wir haben gerade einen weltweiten Trend zum We first. Jeder hat nur noch seinen Vorteil im Auge und damit einher geht ein Misstrauen allen anderen gegenüber. Da kommt da ganz vorne die Aufrüstung gegen alle Gefahren von außen und leider auch von innen. Mir wäre es lieber, mit dem gleichen Aufwand würde man Aufklärung betreiben, humanitäre Projekte fördern und die internationale Zusammenarbeit ausbauen.
ronald1952 10.12.2018
3. Ist doch eine
ganz einfache Sache, bevor uns das Klima umbringt hauen wir uns gegenseitig noch mal so richtig auf die Mütze. Denn mal Ehrlich, wozu braucht man denn sonst so viele Waffen? Die Dummen bekämpfen Ihre Dummheit mit Waffen, die was im Kopf haben wissen natürlich das dabei alle auf der Strecke bleiben werden. Aber wen Interessiert das schon, nur dumm wenn die Hersteller jede Menge Geld gescheffelt haben und es nicht mehr Ausgeben können. schönen Tag noch,
auweia 10.12.2018
4. Hmm...
Zitat von wonder-wuIm Land herrscht Vollbeschäftigung und Arbeitskräftemangel, die Bundeswehr braucht Material und Instandsetzung von überlasteten Rüstungsbetrieben. Jetzt ist der Zeitpunkt, aus Rüstungsexporten auszusteigen
Kann mann machen - wenn Sie den deutschen Rüsstungsbetrieben garantieren können, dass die Bundeswehr als Abnehmer so stark bleibt bzw. wird dass sie nicht exportieren müssen. Nachteil: sehr hohe Entwicklungskosten für sehr geringe Stückzahlen - F & E sowie der Bau in Deutschland kostet Geld. Da zetert dann wieder der Rechnungshof weil das Gebot der Sparsamkeit verletzt wird. Zur Abhilfe kann man den Bundeswehrbedarf stark anheben. Geht über Vergrößerung der Personalstärke (Wehrpflicht?) oder über bedarfsdeckende Beschaffung mit Verbrauchspuffer in Lagern. Das bedeutet aber auch eine Steigerung des Verteidigungshaushalts. Alternativ könnte man natürlich auch Ware aus dem Ausland kaufen - aber dann macht man sich abhängig, gibt ohne Not Technologiekenntnisse ab und hat - mit dem zweifelhaften moralischen Gewinn des guten Gewissens selber keine Rüstungsgüter exportiert zu haben, das Problem lediglich ins Auskland exportiert. Die Nachfrage wird nicht geringer. Vielleicht denken Sie doch nochmal über Rüstungsexport nach....
auweia 10.12.2018
5. Neue Rangfolge
Das friedliebende Russland wurde von finsteren Mächten gezwungen seine Waffenproduktion so anzukurbeln, dass es -trotz der Krise bei den Öleinnahmen jetzt auf Nummer zwei der Rangliste steht. Das noch friedliebendere China kommt in der SIPRI-Liste fast gar nicht vor, (Rang fünf nach D ) aber es exportiert ja vergleichsweise wenig (verschenkte Waffen zählen hier wohl nicht ) sondern baut in erster Linie für sich selber.
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