+++ Weltwirtschaftsforum +++ Davos auf Droge

Hippie-Vibes beim Weltwirtschaftsforum: Gestresste Manager sollen psychedelische Drogen ausprobieren. Es geht um Selbstfindung und viel Geld. Außerdem: der Auftritt von Kanzler Scholz. Der Liveblog.
Auch im Angebot in Davos: psychedelische Drogen

Auch im Angebot in Davos: psychedelische Drogen

Foto: David Böcking
  • 5/26/20224:04:26 PM
    Und damit beenden wir unseren Liveblog vom World Economic Forum 2022 in Davos. Vielen Dank für Ihr Interesse. "Uf Wiederluege!"
  • 5/26/202211:19:05 AM
    Falls Sie angesichts der schwierigen Weltlage das Bedürfnis verspüren sollten, in andere Sphären zu flüchten: Mein Kollege David Böcking hat auf der Dorfpromenade zu seinem Erstaunen ein „Medical Psychedelics House of Davos“ entdeckt. Der Eingangsbereich sieht mit bunt fluoreszierenden Farben tatsächlich ein bisschen nach einem holländischen Coffeeshop aus. Sollen Wirtschaftsbosse und Spitzenpolitiker ihren Job nun auf LSD oder Magic Mushrooms erledigen?

    Tatsächlich handelt es sich um eine Werbeaktion verschiedener Unternehmen, die sich der therapeutischen Nutzung halluzinogener Drogen verschrieben haben. In dem Haus werden während des Treffens zahlreiche Vorträge angeboten, die Bandbreite reicht von „holotropischem Atmen“, über indigene Medizin bis hin zu „Investieren in medizinische psychedelische Drogen“.

    Denn trotz des deutlichen Hippie-Vibes: Am Ende geht es hier wie an vielen Orten in Davos ums Geldverdienen. Das Haus wird von einer Holding betrieben, die in den Gesundheitssektor investiert. Am Mittwoch zog eine Vertreterin des Hauses zufrieden Zwischenbilanz: Es hätten schon mehrere „große Finanzinstitutionen“ ihr Interesse angemeldet. Wir sind gespannt!
  • 5/26/20229:55:14 AM
    Nach seiner Rede muss Olaf Scholz viele Hände schütteln und bekommt Lob für seine Rede. Einer, der ihm gratuliert, ist Ex-US-Vizepräsident Al Gore.
  • 5/26/20229:50:40 AM
    Das war's: WEF-Chef Klaus Schwab dankt dem Kanzler für die "bedeutende Rede" - und reicht dem ihm die Hand.
  • 5/26/20229:49:33 AM
    Den Kanzler treibt auch die Frage um, "ob jetzt ein Krieg ausbricht, der über das Land hinausgreift". Die Bilder aus dem Krieg zu sehen, sei furchtbar. Die Sorge und den Schrecken dürfe man nicht einfach abtun. "Sondern man muss alles dafür tun, dass dieser furchtbare Krieg so schnell wie möglich endet", sagt Scholz 
  • 5/26/20229:47:16 AM
     Klaus Schwab stellt eine letzte Frage: "Herr Bundeskanzler, was hat Sie in dieser Krisenzeit besonders geprägt?" Der Kanzler nennt den "brutalen Krieg, den Russland gegen die Ukraine begonnen hat. Da kann man nicht abschalten. Das hört nicht einfach auf." 
  • 5/26/20229:41:10 AM
    Zielgruppengerechte Ansprache: Die Klimawende kann für Firmen eine Chance sein, sagt der Kanzler: "Hier sind ja Unternehmer versammelt. Endlich wissen Sie, wo Sie Ihr Geld hinstecken können!" 
  • 5/26/20229:37:03 AM
    Der Bundeskanzler plädiert für eine solidarische Klimapolitik: "Wir können nicht sagen: Jetzt haben wir 200 Jahre Industriepolitik hinter uns und jetzt können die anderen Länder nicht den gleichen Wohlstand haben wie wir. Das wird nicht funktionieren". 
  • 5/26/20229:34:37 AM
    Scholz betont noch einmal, dass die Weltgemeinschaft kooperieren muss, um die Wirtschaft voran zu bringen. Beim Klimawandel müsse man jetzt in die Technologien der Zukunft investieren. Klassische Industrieländer müssten vorangehen.
  • 5/26/20229:32:37 AM
    Die Rede ist vorbei, jetzt fragt WEF-Gründer Schwab den Kanzler: Welche Maßnahmen sind wirksam, um die Wirtschaft zu stabilisieren? Scholz erinnert an die diversen globalen Krisen: Pandemie, Krieg und Ernährung. Die Konjunkturprogramme haben eine große Nachfrage global erzeugt, so Scholz.
  • 5/26/20229:31:26 AM
    Zum Schluss wird's nochmal kämpferisch: "Wenn einige uns zurück in die Vergangenheit von Nationalismus, Imperialismus und Krieg führen wollen, dann lautet unsere Antwort: Nicht mit uns!", sagt Scholz. 
  • 5/26/20229:30:10 AM
    Auch das gehört zu den traditionellen Stilmitteln beim WEF: Scholz beschwört den oft zitierten „guten Geist von Davos“. „Ja, wir erleben eine Zeitenwende.“ Oder auf Englisch: "History is at a turning point.” Aber man sei dem Lauf der Geschichte nicht machtlos ausgeliefert.

  • 5/26/20229:28:45 AM
    Kleiner Reminder in Sachen Corona: "Die Pandemie ist nicht vorbei", sagt der Kanzler. Es brauche deshalb weitere Zusammenarbeit in der Gesundheitspolitik, etwa bei der globalen Impfstoffversorgung. "Und ich bitte Sie alle: Unterstützen auch Sie und Ihre Unternehmen uns auf diesem Weg!"
  • 5/26/20229:26:04 AM
    Dre Kanzler warnt vor der Nahrungsmittelkrise infolge des Ukrainekriegs: „Wenn wir hier nicht schnell und entschieden gegensteuern, droht uns die weltweit größte Hungersnot seit Jahrzehnten.“
  • 5/26/20229:25:27 AM
    Jetzt geht es um die Klimapolitik. Scholz wirbt unter anderem für den internationalen Klimaclub der G7-Staaten, der - Achtung, noch ein Buzzword! -- ein "Level Playing Field" schaffen soll.
  • 5/26/20229:23:36 AM
    Darf’s ein bisschen Globalisierungsbingo sein? Die Globalisierung müsse „solidarisch“, „klug“ und „nachhaltig“ sein, fordert Scholz. Stimmt alles – und klingt doch irgendwie abgedroschen.
  • 5/26/20229:23:03 AM
    Scholz sagt aber auch: „Die De-Globalisierung ist ein Holzweg!. Die Globalisierung habe viele Vorzüge, die Kritik an ihren Folgen sei aber berechtigt.

  • 5/26/20229:20:54 AM
    Nicht alle Eier in einen Korb legen? Der Kanzler plädiert für Diversifizierung - und hebt die geplante Chipfabrik von Intel in Magdeburg als positives Beispiel hervor.
  • 5/26/20229:19:15 AM
    Jetzt geht es um den Globalen Süden: "Zu lange haben wir Demokratie gleichgesetzt mit dem Westen", räumt der Kanzler ein. Dabei sollten Demokratien auf der ganzen Welt zusammenarbeiten, findet der Kanzler. Scholz erwähnt Länder wie Südafrika und den Senegal, aber auch die Gespräche mit Japan und Indien. „Der Multilateralismus funktioniert!“ 

  • 5/26/20229:16:24 AM
     Scholz glaubt an eine „multipolare Welt“ – und die benötige eine „multipolare Ordnung“. Soll heißen: Es braucht Regeln für die internationale Zusammenarbeit. „Eine multipolare Welt ist keine regellose Welt!“ 

  • 5/26/20229:14:28 AM
    Scholz kritisiert die chinesischen Menschenrechtsverletzungen:  "Genausowenig können wir darüber hinwegsehen, wenn Menschenrechte verletzt werden wie in Xinjiang", sagt er.
  • 5/26/20229:13:41 AM
    Jetzt kommt Scholz aufs große Ganze: die Weltordnung. Er glaube nicht an die Erzählung einer neuen „Bipolarität zwischen den USA und China", sagt dre Kanzler. "Natürlich ist China wieder ein globaler Akteur". Man könne daraus nicht ableiten, dass China isoliert werden müsse - aber auch nicht, dass es die Hegemonie übernehmen darf.


  • 5/26/20229:10:51 AM
    Das dürfte dem Davoser Publikum gefallen: Scholz spricht über den Schutzschirm für Unternehmen und die Transformation der Wirtschaft. "Die Zeit für Planungsprozesse wollen wir verkürzen, mindestens halbieren".

    Deutschland sei und bleibe Industrieland, verspricht der Kanzler. In den nächsten Wochen wolle man eine „Allianz der Transformation“ bilden – und noch schneller den CO2-Ausstoß zurückfahren. Die Devise: „Jetzt erst recht!“ 

  • 5/26/20229:08:12 AM
    Jetzt geht es um die Unterstützung für die Ukraine. Über „Frieden verhandeln wird Putin nur, wenn er merkt, dass er die Verteidigung der Ukraine nicht brechen kann“, sagt der Kanzler. Allerdings zieht er auch eine Grenze: „Wir tun nichts, was die NATO zur Kriegspartei werden lässt“. 
     
    Der Kanzler gibt sich kämpferisch: „Es wird keinen Diktatfrieden geben. Das wird die Ukraine nicht akzeptieren – und wir auch nicht.“ 
    Es wird keinen Diktatfrieden geben. Das wird die Ukraine nicht akzeptieren – und wir auch nicht. 
    Olaf Scholz
  • 5/26/20229:05:42 AM
     Für Scholz steht bei dem Krieg nicht nur das Schicksal der Ukraine, sondern die internationale Ordnung auf dem Spiel. „Deshalb ist unser Ziel ganz klar: Putin darf seinen Krieg nicht gewinnen. Und ich bin überzeugt: Er wird ihn nicht gewinnen!“  
    Putin habe seine strategischen Ziele verfehlt und die Stärke von G7, Nato und EU unterschätzt, sagt der Kanzler. "Schon jetzt sind die Kosten für Putins Machtapparat gewaltig, und sie steigen jeden Tag".

  • 5/26/20229:04:53 AM
     „Hier nimmt eine nuklear hochgerüstete Großmacht für sich in Anspruch, Grenzen neu zu ziehen“, sagt Scholz über Russland. Putin wolle in eine Welt zurück, in der Stärke diktiert, was Recht ist. „Das ist Imperialismus!“, sagt er. Der Krieg sei der Versuch, „uns zurückzubomben in eine Zeit, als Krieg ein gängiges Mittel der Politik war und unserer Welt eine stabile Friedensordnung fehlte.“ Darum habe er von einer "Zeitenwende" gesprochen. 

  • 5/26/20229:04:13 AM
    Was beredet Deutsche-Bank-Chef Sewing mit der Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde? Fragt er etwa: Wie geht es weiter mit dem Leitzins?
  • 5/26/20229:04:02 AM
    Jetzt tritt Olaf Scholz ans Mikrofon – der Hamburger beginnt seine Rede mit der Erwähnung des „Zauberbergs“ von Thomas Mann. In dem Buch wird der Beginn des Ersten Weltkriegs als „Donnerschlag“ bezeichnet. „Auch wir haben einen Donnerschlag erlebt“, sagt Scholz, „am 24. Februar 2022“ – dem Tag des russischen Angriffs auf die Ukraine. 
     „Wir haben einen Donnerschlag erlebt“. 
  • 5/26/20229:02:46 AM
    Jetzt geht's los - der Saal ist voll!
  • 5/26/20228:58:13 AM
    In der ersten Reihe erwarten die Spitzen der Deutschland-AG die Rede des Bundeskanzlers: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing sitzt neben seinem Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser hat ein paar Stühle weiter Platz genommen. Auch Angela Merkels damaliger oberster Wirtschaftsberater Lars-Hendrik Röller diskutiert noch mit anderen Teilnehmern.
  • 5/26/20228:44:15 AM
    Gleich beginnt die Rede von Olaf Scholz. EZB-Chefin Christine Lagarde stärkt sich hier im Davoser Konferenzzentrum gerade an der Bar mit einem Heißgetränk - und auch wir sind startklar. Nur der Kanzler fehlt noch!
  • 5/26/20228:00:00 AM
    Schweizer und internationale Spezialitäten stehen auf der Speisekarte des Hilton Garden Inn: dem WEF-Partnerhotel gleich gegenüber dem Konferenzzentrum. 
    Wer hier gut essen will, braucht eine elektronische Zutrittskarte. Und ein großzügiges Limit auf der Kreditkarte. 
     Der "Swiss Alp Burger" etwa kostet 40 Franken (knapp 39 Euro) - und ein Club Sandwich noch einen Franken mehr. Immerhin: Pommes und Coleslaw sind inklusive.

  • 5/26/20227:27:14 AM
    Heute hat der Bundeskanzler seinen Auftritt. Um 11 Uhr soll Olaf Scholz in der Kongresshalle eine "Special Address" an die Konferenzteilnehmer richten. 
    Was wird Scholz zur Ukraine sagen: zum geplanten Wiederaufbauprogramm - und zu möglichen weiteren Waffenlieferungen? Wie wird sich der Deutsche zur aktuellen Energiekrise und der sich anbahnenden Hungerkrise äußern? Wird er die Weltgemeinschaft zur Zusammenarbeit und Solidarität aufrufen? 
    Und: wie viele Zuhörer werden bei Scholz überhaupt noch im Plenarsaal sitzen? Schließlich ist der Kanzler spät dran: seine Rede ist die letzte große Veranstaltung dieses Weltwirtschaftsforums. Die Shuttles zum Züricher Flughafen haben bereits ihren Betrieb aufgenommen.  
  • 5/26/20227:11:40 AM
    Guten Morgen aus Davos. Die grauen Wolken, die zwei Tage lang jede Menge Regen über der Stadt ausgeschüttet haben, verziehen sich langsam. Ab und an kommt die Sonne durch. 
    Viele Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums ziehen heute Rollkoffer hinter sich her: es ist der letzte Tag.

  • 5/25/20226:02:47 PM
    Was Bundeskanzler Olaf Scholz wohl dazu sagen würde? Morgen spricht Scholz hier in Davos. Seine Rede können Sie an dieser Stelle verfolgen – für heute ist unser Liveblog nun Zu Ende. Danke fürs Mitlesen! 
  • 5/25/20225:59:09 PM
    Auch, wenn die Popcorn-Bemerkung lustig klingt: Kuleba lässt keine Zweifel daran, was für sein Land auf dem Spiel steht. Er verstehe, dass Deutschland keine Führungsrolle bei den Waffenlieferungen übernehmen will. Aber: "Die Länder, die ihre Füße schleifen lassen, müssen verstehen, dass mit jedem Tag des Nachdenkens Menschen sterben". Russland verfüge etwa über Mehrfachraketenwerfer, die ukrainische Dörfer zerstören könnten - ohne dass sich die Ukraine wehren kann. 

    Manchmal werde ihm vorgeworfen, mit seinen Forderungen über das Ziel hinauszuschießen, räumt der Minister ein. "Aber wenn in Deutschland so viele Menschen sterben würden wie bei uns - was ich den Deutschen natürlich auf gar keinen Fall wünsche  -dann würde die Bundesregierung dasselbe fordern wie wir".
    "Wenn in Deutschland so viele Menschen sterben würden wie bei uns, dann würde die Bundesregierung dasselbe fodern wie wir".
    Ukrainischer Außenminister Kuleba
  • 5/25/20225:52:26 PM
    Kuleba geht nun auf konkrete Waffensysteme ein: Die Lieferung von Marder-Schützenpanzern erscheint ihm am ehesten machbar. »Leopard-Panzer wären unser Traum, aber da sind wir noch lange nicht«, sagt er. Alles andere sei in Bewegung, etwa die Ausbildung an der Panzerhaubitze 2000, einem schweren Artilleriesystem. »Und dann gibt es noch die Saga um den Gepard-Panzer, um das bis zum Ende zu verfolgen, brauche ich Popcorn«, scherzt der Minister. Der Kontext: Die deutsche Rüstungsindustrie hatte der Ukraine die schnelle Lieferung der Flugabwehrpanzer in Aussicht gestellt, doch die Hürden dafür sind hoch. 
    Leopard-Panzer wären unser Traum.
    Ukrainischer Außenminister Kuleba
  • 5/25/20225:47:42 PM
    Jetzt wird's diplomatisch: »Wir verfolgen diese Debatte mit strategischer Geduld«, sagt Kuleba. »Ich persönlich bin einfach neugierig, wie die Sache ausgeht. Ich verstehe nicht, warum es so kompliziert ist, aber ich respektiere die Situation, in der sich die deutsche Regierung befindet«. 
  • 5/25/20225:46:16 PM
    Welche Waffen erwartet Kuleba von Deutschland? Auf die Frage des SPIEGEL gibt der Minister eine ausführliche Antwort, die zwischen Frustration und diplomatischer Zurückhaltung schwankt. Er verstehe, dass Deutschland für Waffenlieferungen Zeit brauche, so Kuleba. Aber: "Wenn wir keine schweren Waffen bekommen, sterben wir". 
  • 5/25/20225:31:16 PM
    Jetzt geht es um den Finanzbedarf von der Ukraine, den Präsident Selenskyj auf fünf Milliarden Dollar im Monat taxiert habe. Kuleba bestätigt diese Summe, auch wenn er hinzufügt: "Wir sind widerstandsfähiger, als die Leute denken". Das Geld könne die Ukraine auf drei Wegen erhalten: Unterstützung von der EU, von internationalen Finanzinstitutionen und von den Vereinigten Staaten. 
  • 5/25/20225:23:22 PM
  • 5/25/20225:22:08 PM
    Jetzt geht es um eine neue Sicherheitsarchitektur, die Schutz für die Ukraine bieten könnte. "Wenn das Problem der Sicherheitsgarantien für die Ukraine nicht gelöst wird, wird es immer ein Kriegsrisiko für die Ukraine geben."
  • 5/25/20225:18:30 PM
    Der letzte offizielle Termin des heutigen Davos-Tages: Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba gibt eine Pressekonferenz. Er berichtet von Gesprächen über Waffenlieferungen. Die Ukraine brauche vor allem bei Artilleriesystemen: "Das größte Ungleichgewicht besteht bei Mehrfachraketenwerfern", sagt Kuleba. Zudem habe man über Sanktionen gesprochen. Kuleba ist enttäuscht davon, dass das geplante sechste EU-Sanktionspaket nicht vom Fleck komme. "Wir sind verärgert über das Veto von Ungarn." 
  • 5/25/20223:56:20 PM
    Das Treffen ist vorbei, und immer noch stehen große Trauben aus ukrainischen Politikern, Unternehmern und EU-Vertretern zusammen. Es habe bereits viele konkrete Zusagen gegeben, in der Ukraine investieren wollen, sagt ein Teilnehmer dem SPIEGEL. Sogar Geldbeträge seien genannt worden. Siemens-Chef Busch habe während des lebendigen Austausches versichert, dass sein Unternehmen in der Ukraine verbleiben und weiter investieren wolle, heißt es. Die Wirtschaftsleute haben von der Leyen versichert, die EU-Perspektive für einen Wiederaufbauplan sei sehr hilfreich, weitere Unternehmen zu gewinnen. 
  • 5/25/20223:41:31 PM
    Kommissionspräsidentin von der Leyen bezeichnet das Treffen als »ein gutes Omen« für die Ukraine, nachdem in Davos so viel über die Grausamkeiten der russischen Invasion geredet worden sei. »Präsident Selenskyj hat in seiner Rede hier die Aufgabe als kolossal bezeichnet«, sagt die EU-Chefin, »und er hat Recht.«. Die Menschen in der Ukraine sollten wissen, dass man in Europa fest an ihrer Seite stehe. Sie schlage vor, mit dem Investment gleich auch mit Reformen zu beginnen. So könne das Land »einen großen Sprung nach vorne« machen. Von der Leyen spricht auch den Wunsch der Ukraine an, in die EU aufgenommen zu werden. Diesen Wunsch habe man »laut und klar« vernommen. Man wisse, dass es einen Weg bis dahin zu beschreiten gelte. Das Treffen werde aber helfen, diesen Weg zu ebnen. An die Unternehmer gerichtet, sagte von der Leyen: »Stehen sie ein für die Ukraine. Wir brauchen sie.« Dann schließt sie mit einem Gruß, der in den vergangenen Tagen oft auf dem Forum zu hören war: »Slava Ukraini«, Ruhm der Ukraine.  
  • 5/25/20223:12:49 PM
     WEF-Präsident Børge Brende nennt das spontane Treffen von Kommissionschefin von der Leyen, Wirtschaftsleuten und ukrainischer Regierung »den Davos-Moment«. Auch wenn die Kämpfe vor allem im Osten unvermindert weitergehen, müsse der Wiederaufbau der Infrastruktur in anderen Teilen des Landes angegangen werden. Gestern hatte Brende mit der Organisation des Treffens begonnen. Immer mehr Unternehmer sagten zu. Als einer der letzten huscht der Vorstandsvorsitzende von Siemens, Roland Busch in den Saal und setzt er sich zwei Stühle neben den Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko. Den Auftakt macht der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal, der per Video zugeschaltet ist. Er spricht von einer »neuen ukrainischen Wirtschaft«, die sich mit Hilfe westlicher Unternehmer und der EU bilden soll. 
  • 5/25/20222:50:54 PM
     Die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, trifft sich zu dieser Stunde mit der ukrainischen Regierungsspitze sowie über 50 Unternehmern und Vertretern der Finanzwirtschaft. Im Konferenzraum Jakobshorn wollen sie eine Wiederaufbau-Initiative ins Leben rufen, die der WEF-Präsident Børge Brende als »Marshallplan-Gruppe für die Ukraine« bezeichnet. »Wir brauchen eine enorme Menge von Investment«, sagt von der Leyen in ihrem Eingangsstatement, zu dem eine kleine Gruppe von Journalisten zugelassen wurde. Der SPIEGEL hatte gestern darüber berichtet, dass die Kommissionschefin spontan für dieses Treffen ihren Aufenthalt um einen Tag verlängert hat. 
    • Kommissionschefin von der Leyen bei Wiederaufbau-Treffen mit Spitzen der ukrainischen Regierung und UnternehmenKommissionschefin von der Leyen bei Wiederaufbau-Treffen mit Spitzen der ukrainischen Regierung und Unternehmen
  • 5/25/20222:48:00 PM
    Galaktische Ambitionen: Gerade läuft hier eine Paneldiskussion mit der ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti, in der es um die Zukunft der Weltraumforschung geht. Kein Wunder, schließlich sehen nicht nur Milliardäre wie Elon Musk oder Jeff Bezos die Raumfahrt längst als Business Case.
  • 5/25/20222:35:44 PM
    Viele Teilnehmer des World Economic Forum halten sich für wichtig. Einige unter ihnen sind es auch tatsächlich. Zutritt zur "Public Figures Lounge" im Herzen des Konferenzzentrums erhält nur ein kleiner, ausgewählter Personenkreis. 
    Gerade hat es Mark Rutte hinein geschafft, der Premierminister der Niederlande. Neben ihm sind auch andere europäische Staats- und Regierungschefs nach Davos gekommen, darunter: Mateusz Morawiecki (Polen), Karl Nehammer (Österreich), Pedro Sánchez (Spanien), Alexander de Croo (Belgien) sowie NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Bundeskanzler Olaf Scholz soll am Donnerstag auftreten.
    Allerdings fehlt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, ebenso wie Italiens Premier Mario Draghi oder der Brite Boris Johnson. China hat kein einziges hochrangiges Regierungsmitglied entsandt. Und auch der US-Delegation fehlen die ganz großen Namen, verglichen mit früheren Jahren. Prominentester US-Politiker in Davos dürfte John Kerry sein, Ex-Präsidentschaftskandidat und Außenminister. Er ist heute Sondergesandter von Präsident Joe Biden für das Klima.
  • 5/25/20221:39:55 PM
    Vor rund zehn Jahren waren die BRICS in Davos die großen Stars: Das Kürzel steht für die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Im Gegensatz zu vielen Industrieländern standen die BRICS für starkes Wachstum - und waren entsprechend umworben beim Weltwirtschaftsforum.

    Um die Ländergruppe ist es ruhiger geworden - nicht zuletzt wegen Russland, das seit seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine nur noch sehr wagemutige Investoren anziehen dürfte. Doch bei einer Diskussion über globale Schuldenprobleme trommelt der brasilianische Wirtschaftsminister Paulo Guedes ordentlich für die BRICS und andere Schwellenländer. Während der Westen wegen seiner Demografie an Bedeutung verliere, nehme die Wirtschaftskraft von Ländern wie Brasilien zu.

    Dennoch werde seiner Heimat aus Protektionismus die Aufnahme in den Industrieländerclub OECD verwehrt, kritisiert Guedes, der unter dem umstrittenen Präsidenten Jair Bolsonaro dient. »Ihr habt Russland verloren, jetzt verliert ihr Lateinamerika«, sagt der Minister in Richtung der Europäer. »Nehmt uns auf, bevor Ihr irrelevant werdet.«

  • 5/25/20229:04:42 AM
    Schweizer "Schnäppchen": Davos macht seinem Ruf als sündhaft teures Pflaster alle Ehre. 
    Der Schnellimbiss "Kebab Bar" bewirbt seinen Davos-Döner für 9,00 Franken - das sind rund 8,70 Euro. Dürum kostet extra. Für eine Fahrt zum 12 Kilometer entfernten Nachbarort Klosters verlangen Taxifahrer 100,00 Franken. Ein kleiner Espresso kostet vielerorts mehr als fünf Franken.
    Immerhin können die Menschen hier ihren Durst gratis stillen: mit dem frischen Bergquellwasser, das aus verschiedenen Trinkbrunnen im Ort fließt.
  • 5/25/20229:01:37 AM
    Die Ukraine will in die Europäische, das machen ihre Vertreter auch in Davos deutlich. Gegner einer Aufnahme argumentieren nicht zuletzt damit, dass die EU schon genug ärmere Länder aufgenommen hat.

    »Das finde ich schwierig«, sagt der irische Regierungschef Michael Martin über das Argument. »Als wir beigetreten sind, waren wir eines der ärmsten Länder.« Mittlerweile ist Irland europäischer Standort für US-Konzerne wie Apple, Facebook Google - dank seiner niedrigen Unternehmenssteuern. Er kenne die »transformative Kraft«, lobt Martin.

    Auch EZB-Chefin Christine Lagarde ist bei der Diskussion bemüht, die EU stark zu reden. Vor dem Ukrainekrieg hätten deren Mitglieder nicht gewusst, wie stark sie gemeinsam sind. »Mit angespannten Masken ist Europa eine unglaubliche Macht«, sagt Lagarde.
  • 5/25/20227:20:57 AM
    • Gefragter Gesprächspartner in Davos: Vitali KlitschkoGefragter Gesprächspartner in Davos: Vitali Klitschko
  • 5/25/20226:53:40 AM
    Selenskyi kritisiert in seiner Ansprache einmal mehr, dass seinem Land nicht schneller und umfassender geholfen wurde. Dabei richtet er sich ausdrücklich an die Europäische Union. Deren Mitglieder müssten sich fragen: »Seid ihr wirklich einig, wenn es um die Ukraine geht?« Nein, lautet Selenskyis Antwort - auch, weil Ungarn bremse.

    Gegen Ende kommt Selenskyi noch einmal auf das Schulmassaker in Texas zu sprechen. »Unsere Kinder tötet Russland«, sagt der Präsident. Und: »Wir leben in dieser schrecklichen Realität und wir sterben in dieser schrecklichen Realität.« Am Ende gibt es stehenden Applaus für Selenskyi. 
  • 5/25/20226:26:03 AM
    Nun wird beim ukrainischen Frühstück Präsident Wolodymyr Selenskyi zugeschaltet. Während es in Davos Kaffee und Tee aus silbernen Kannen gibt, schenkt sich Selenskyi - wie immer im olivgrünen T-Shirt - Wasser aus einer Plastikflasche ein.

    Bevor es um den Krieg in seinem eigenen Land geht, spricht Selenskyi als erstes den Angehörigen des Schulmassakers in Texas sein Beileid aus. »Es ist schrecklich, dass es Opfer eines Schützen in Friedenszeiten gibt.«
  • 5/25/20226:19:27 AM
    Das »ukrainische Frühstück« beim Weltwirtschaftsforum gibt es schon länger, finanziert wird es vom zweitreichsten Mann des Landes, Wiktor Pintschuk.  Doch noch nie dürfte das Interesse an der Veranstaltung so groß sein wie dieses Mal. Die Tische im Untergeschoss eines Davoser Hotels sind voll besetzt, unter anderem sitzen dort Wladimir als auch Vitali Klitschko. Nicht alle Zuhörer haben einen Platz gefunden. 

    Für die Ukrainer ist das Interesse ein zweischneidiges Erlebnis. Einerseits freut man sich, wie sehr das Treffen diesmal im Zeichen ihres Landes steht. »Dieses Davos ist eine ukrainisches Davos«, sagt Pintschuk bei der Begrüßung. Nach ihm spricht unter anderem der Historiker Timothy Snyder. Er gibt einen kurzen Überblick über die lange und dramatische Geschichte des Landes und betont, es habe, alle Merkmale einer eigenständigen Nation – was der russische Präsident Wladimir Putin bestreitet. 

    Andererseits ist im Saal Bitterkeit darüber zu spüren, dass es für so viel Aufmerksamkeit erst Putins brutalen Angriffskriegs bedurfte – schließlich hat man lang genug vor der Bedrohung aus Russland gewarnt. »Niemand sollte von Russland überfallen werden müssen, damit wir ihn wahrnehmen«, sagt Snyder.  Ähnlich äußert sich der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba. »Ich hoffe, wir werden einen Punkt erleben, wo es keine Einführung mehr darüber braucht, wer die Ukrainer sind und wo sie herkommen.« 

  • 5/24/20226:19:32 PM
    Jetzt kommt der Nachtisch, und der Abend mit George Soros endet - dabei hätten wir noch viele Fragen. Danke fürs Mitlesen! Auch morgen können Sie hier die Ereignisse beim WEF verfolgen, wenn Sie mögen.
  • 5/24/20226:12:12 PM
    Eben gab es Gelächter im Saal, weil Soros im Eifer des Gefechts den russischen Präsidenten Putin mit Viktor Orban verwechselt hat. Es ging um Ungarn, also jenes Land, in dem der Investor geboren wurde und zu dem er eine besondere Beziehung pflegt. "Orban hat Ungarn in einen Mafiastaat verwandelt", sagt Soros.
  • 5/24/20226:10:11 PM
    Soros hat gestern einen Brief an Mario Draghi abgeschickt, in dem er für das Gas-Embargo plädiert. "Wenn er die Idee unterstützt, wird Europa sie unterstützen", so seine Hoffnung.
  • 5/24/20226:05:58 PM
    Mein Kollege Claus Hecking fragt Soros, wie er zu einem Öl- und Gasembargo gegen Russland steht - und Soros spricht sich für ein Gasembargo aus. Im Gegensatz zum Öl könne Russland das Gas nicht einfach an andere Länder wie China verkaufen.
  • 5/24/20225:55:04 PM
    Ein Zuhörer stellt gerade eine seeeehr lange Frage - das gibt uns eine Verschnaufpause und die Gelegenheit für etwas Einordnung. Mein Eindruck: selbst für einen notorischen Mahner wie George Soros war das heute ein ziemlich finsterer Ausblick. Interessant auch, wie deutlich er Angela Merkel kritisiert - ohne ihren Vorgänger Gerhard Schröder zu erwähnen, dessen Politik entscheidend zur deutschen Energieabhängigkeit von Russland beigetragen hat.
  • 5/24/20225:45:10 PM
    Jetzt ist das Publikum mit Fragen dran - der erste Gast erkundigt sich nach der Ukraine, deren Kriegsanstrengungen Soros in höchsten Tönen lobt. Das Land leiste einen Beitrag zur Verteidigung der freien Welt, so Soros. "Sie kämpft unseren Kampf." Die Ukraine verdiene dabei jede Unterstützung.
  • 5/24/20225:32:58 PM
    Zum Schluss seiner Rede warnt Soros noch einmal vor dem Untergang der Zivilisation - diesmal wegen des Klimawandels. "Und ich finde diese Aussicht wirklich beunruhigend", sagt Soros. Der Kontrast zum Ambiente seiner Rede könnte kaum größer sein - jetzt wird hier nämlich gleich der Hauptgang serviert. Zum Weltuntergang gibt es Corn Chicken mit Senf, Waldpilzen und Polenta.
  • 5/24/20225:29:49 PM
    Die Kritik an Angela Merkel hat Soros gerade bekräftigt - sie habe mit Russland ein "besonderes Geschäft" gemacht. Und Italiens Ministerpräsident Mario Draghi sei mutiger als sein deutscher Amtskollege Olaf Scholz, denn obwohl Italien genauso abhängig von russischem Gas sei wie Deutschland, halte Draghi den Verzicht auf Gas für machbar.
  • 5/24/20225:27:03 PM
    Olaf Scholz kommt etwas besser weg. Scholz sei zwar gewählt worden, weil er für die Fortsetzung von Merkels Politik stehe, so Soros. Doch der Bundeskanzler habe die Zeichen der Zeit erkannt. "Am Ende macht Scholz immer das Richtige", sagt Soros. Das gelte für North Stream 2, den 100 Milliarden Sondervermögen für die Bundeswehr und die Waffenlieferungen an die Ukraine.
  • 5/24/20225:24:12 PM
    Nun geht es um Deutschland - und Soros lässt an der Politik von Angela Merkel kein gutes Haar. "Sie hat spezielle Geschäfte mit Russland gemacht", sagt Soros. Zugleich sei China unter ihrer Amtszeit zum größten Exportpartner für Deutschland aufgestiegen.
  • 5/24/20225:20:37 PM
    Jetzt geht es um den Krieg in der Ukraine. Soros lobt die Unterstützung der Ukraine durch die USA. Er wisse nicht, wie der Krieg ausgeht, aber: "Die Ukraine hat sicherlich eine Chance, zu gewinnen".
  • 5/24/20225:20:29 PM
    Apokalyptische Warnungen haben bei Soros eine gewisse Tradition. Vor einem neuen Weltkrieg warnte er etwa 2015, vor einem Untergang der Zivilisation unter anderem 2018. Auch die Digitalisierung und die Macht großer Techkonzerne prangert Soros bereits seit einigen Jahren als Bedrohung an.
  • 5/24/20225:16:36 PM
    Nun präsentiert Soros seine Sicht auf die Coronakrise und den Ukrainekrieg. Eben nahm er die Lockdown-Politik des chinesischen Staatschefs Xi Jinping aufs Korn. Xi verstecke ein "schuldiges Geheimnis" vor der chinesischen Bevölkerung. Die chinesischen Impfstoffe seien gegen die ursprüngliche Variante des Coronavirus entwickelt worden und deshalb gegen die Omikron-Variante weniger wirksam. Das einzuräumen, könne Xi Jinping sich aber nicht leisten, weil er seine Vormachtstellung auf dem Parteikongress zementieren möchte, so Soros.
  • 5/24/20225:11:19 PM
    Jetzt warnt Soros vor den Folgen der Coronakrise. In ihrer Folge seien KI-basierte Überwachungstechnik eingeführt worden, um die Einhaltung der Covid-Maßnahmen zu überprüfen. "Die offene Gesellschaft ist bedroht", sagt Soros.
  • 5/24/20225:06:11 PM
    Der Star-Investor George Soros hat zu seinem traditionellen Davos-Donner geladen - und warnt seine Gäste mit drastischen Worten vor den Folgen des Ukraine-Kriegs. "Europa wurde in seinem Kern erschüttert", sagt Soros. "Die Invasion könnte der Beginn des dritten Weltkriegs und des Untergangs unserer Zivilisation sein"
  • 5/24/20222:44:01 PM
     EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verlängert nach SPIEGEL-Informationen ihren Aufenthalt in Davos. Ursprünglich wollte sie schon heute nach ihrer Rede abreisen. Doch nun ist morgen ein Gespräch mit Unternehmern geplant, die sich auf dem Weltwirtschaftsforum aufhalten. Es gehe dabei um den Wiederaufbau der Ukraine, hieß es aus Kommissionskreisen. Von der Leyen hatte bereits am Morgen gefordert, dass es neben Staatshilfen für das vom Krieg gezeichnete Land auch Privatinvestoren geben müsse, die die Wirtschaft wiederbeleben. Bei dem Treffen soll auch der ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj per Video zugeschaltet werden. Bei seinem Auftritt in Davos forderte der polnische Staatspräsident Andrzej Duda, Russland müsse Reparationszahlungen für die Kriegsschäden leisten. 
  • 5/24/20222:09:29 PM
    Während europäische Industrievertreter vor einem Erdgasmangel im kommenden Winter zittern, verbreitet EU-Kommissionsvizechef Frans Timmermans in Davos Optimismus.
    Kremlchef Wladimir Putin könne der EU nicht das Gas abdrehen, ohne sich selbst zu schaden, sagt der Niederländer auf einer Diskussion zur Energiepolitik der EU. Umgekehrt seien die Europäer schon mitten dabei, auf alternative Lieferanten umzusteigen. "Wir können uns von russischen fossilen Brennstoffen bis 2027 befreien."
    Kurzfristig allerdings bedeute die Abkehr vom russischen Gas, dass "einige Länder etwas länger Kohle verbrauchen werden", räumt Timmermans auf Nachfrage ein. Der geplante beschleunigte Umstieg auf mehr Erneuerbare Energien werde die zusätzlichen Treihbausgasemissionen aber überkompensieren.
    Timmermans ist in Brüssel der Hauptverantwortliche für den so genannten "Green Deal". Hier sollen hunderte Milliarden Euro in den Umbau der Wirtschaft und Energieversorgung gepumpt werden: mit dem Ziel, dass die 27 Mitgliedstaaten bis 2050 klimaneutral werden.
    "Der Green Deal wird gelingen - aber nur, wenn wir die Menschen hinter uns haben", warnt Timmermans. "Meine größte Angst ist soziale Erschütterung: dass sich Leute zurück gelassen fühlen." Umso mehr müssten Regierungen darauf achten, die enormen Profite mancher Energiekonzerne infolge der hohen Gas-, Strom- und Ölpreise abzuschöpfen - und finanzschwache Bevölkerungsgruppen zu unterstützen.
  • 5/24/20221:31:40 PM
     Er ist das ranghöchste Mitglied der US-Administration, das dieses Jahr in Davos auftritt: John Kerry, der Klima-Sonderbeauftragte des derzeitigen US-Präsidenten Joe Biden. Unermüdlich lief der Ex-Chefdiplomat in den vergangenen Tagen durch den Ort, stets in Turnschuhen, die er auch heute auf dem Podium im Kongresszentrum trägt. Mit seiner knorrigen Stimme verbreitet er Optimismus, dass der Mensch es schafft, den Planeten zu bewahren. »Ich bin absolut überzeugt, dass wir eine Gesellschaft mit wenig CO2-Emissionen hinbekommen«, sagt er: »Ich kann nur nicht garantieren, ob wir das pünktlich schaffen.« Kerry begründet seine Zuversicht unter anderem damit, dass die Staaten beim vergangenen Weltklimagipfel in Glasgow sich zu Einsparungen verpflichtet hätten, mit denen die Erderwärmung auf 1,8 Grad begrenzt bliebe. Das sei schon mal gut, das kann noch besser werden, so lautete Kerrys Botschaft. »Wir haben eine verheißende Zukunft vor uns«, sagt der Ex-Außenminister von Barack Obama. So ein Stimmungsaufheller kann das Forum gut gebrauchen. Es findet ausnahmsweise im Frühjahr statt, doch die Atmosphäre wegen des Ukrainekriegs ist eher frostig. 
  • 5/24/20221:03:55 PM
    Früher wurde die Davoser Promenade während des WEFs von Banken dominiert,die Friseursalons und Ladengeschäfte in schillernde Repräsentanzen umwidmeten - zur Freude der Ladenbesitzer, die Mieten in Millionenhöhe kassierten. Und heute? Wo früher Deutsche Bank und Co. residierten, regiert heute die Kryptoszene, um neue Kryptowährungen, NFT-Sales und Blockchain-Projekte zu bewerben. Trotz des jüngsten Crashs scheint die Stimmung bestens. Wie locker das Geld sitzt, zeigt eine Party, die heute für Gesprächsstoff sorgt: Beim Eintritt soll jeder Gast einen Gutschein im Wert von 100 Franken für Essen und Getränke erhalten haben.
  • 5/24/202211:53:40 AM
    Blechlawine am Zauberberg: Der Luftkurort Davos wurde berühmt durch Thomas Mann und seinen Romanhelden Hans Castorp, der hier in einem imaginären Sanatorium weilte. 
    Doch während des World Economic Forums ist die hiesige Bergluft nicht wirklich rein. Polizeiabsperrungen, Umleitungen und der VIP-Verkehr sorgen auf den Straßen in und um Davos immer wieder für Staus. "Aber in ein paar Tagen ist es ja vorbei", sagt ein einheimischer Passant.
  • 5/24/202210:21:53 AM
    Apropos Öl: kaum ein Land präsentiert sich in Davos so offensiv wie Saudi-Arabien. Die einst hermetisch verschlossene Erdölmonarchie buhlt hier mit überlebensgroßen Plakaten um - Touristen. 
    In diesem eigens für das Weltwirtschaftsforum errichteten Pavillon gibt es kostenlose zuckersüßige Pistazien-Rosenwasser-Desserts sowie arabischen Tee für Jedermann und Jedefrau. 
    Einige der hier arbeitenden Damen tragen nicht mal Kopftuch. Und "regenerativ" soll das Ganze auch noch sein.
  • 5/24/202210:11:43 AM
    Globale Energiewende - das ist ein Buzzword dieser Tage in Davos. Aber nach Einschätzung der Experten des Finanzinformationsdienstleisters S&P Global wird die Abkehr von fossilen Brennstoffen noch Jahrzehnte dauern. 

    "Die Gerüchte über einen Niedergang des Erdölförderung in der nahen Zukunft sind völlig übertrieben", sagt Saugatha Saha, der Chef der S&P Global-Rohstoffabteilung. Ihm zufolge wird der weltweite Erdölkonsum bis 2040 nicht fallen, sondern weiter drastisch steigen: von derzeit rund 100 Millionen Fass (je 159 Liter) auf dann 115 bis 118 Millionen Fass pro Tag.

    Zwar werde die Nachfrage in Deutschland und einigen anderen europäischen Staaten etwas fallen - in anderen Weltregionen dagegen stark zunehmen, sagt Saha voraus. Vor allem drei Staaten werden 2040 laut seiner Prognose viel mehr Öl als heute benötigen: China (+ 4,7 Millionen Fass), Indien (+ 4,1 Millionen) und die USA (+ 1,3 Millionen). Und in den 2040er-Jahren werde die Nachfrage nur graduell abnehmen.

    Entsprechend skeptisch ist S&P Global, dass es der Weltgemeinschaft gelingt, die globale Erwärmung einzudämmen. "Wir sehen nicht annähernd einen Pfad, um das 1,5-Grad-Szenario zu erreichen", sagt Saha. 
    Hierfür müssten die Emissionen ihm zufolge über Jahre hinweg um sieben bis acht Prozent per annum fallen. Selbst in der Pandemie, als Fabriken geschlossen wurden und das öffentliche Leben zeitweise still gestanden hatte, sei der Rückgang der Emissionen nicht so stark gewesen. 
     
  • 5/24/20229:59:39 AM
     Stoltenberg warnt vor einem gedankenlosen Austausch von Waren. »Freiheit ist wichtiger als Freihandel«, sagt er auf dem Davos-Forum, was sich über Jahrzehnte für genau das eingesetzt hat: Globalisierung. Doch Stoltenberg mahnt zur Vorsicht. Es sei ein Fehler gewesen, russisches Erdgas in großen Mengen einzukaufen. Das bringe Putin Finanzen ein, die er gegen den Westen einsetzen könne. »Handel unterminiert unsere Unabhängigkeit von autoritären Staaten«, sagt Stoltenberg. Das gelte auch für China. Man profitiere wirtschaftlich vom Handel mit diesem Staat. Wenn man aber sensible 5G-Mobilfunktechnik teile, dann berühre das eine wichtige Sicherheitsfrage für die Nato-Staaten. Dies sei eine Lehre sein, die man bei der Frage berücksichtigen müsse, wie wir unsere Wirtschaft organisierten. 
  • 5/24/20229:49:00 AM
    Russland Invasion in der Ukraine sei eine der »am besten vorhergesagten Militäroperationen aller Zeiten gewesen«, sagt Stoltenberg. Das Verteidigungsbündnis habe sich vorbereitet und sei bereit, »auf jede Aggression zu reagieren und jeden Inch des Nato-Gebiets zu verteidigen«.

    Dann spottet Stoltenberg über Putin als Strategen: »Er wollte weniger Nato an seinen Grenzen und hat einen Krieg angefangen. Jetzt bekommt er mehr Nato an seinen Grenzen - und neue Mitglieder« - also Schweden und Finnland. 
  • 5/24/20229:38:59 AM
     «Von einer entschlossenen Macht zur nächsten.« Mit diesen Worten leitet WEF-Präsident Brende über von Ursula von der Leyen zu NATO-Chef Jens Stoltenberg. 
  • 5/24/20229:36:53 AM
     Kann Russland seinen Platz in Europa wiederfinden? Diese Frage stellt WEF-Gründer Schwab der EU-Kommissionspräsidentin. Ihre Antwort lautet: »Ja«. Dann stellt sie aber die Bedingungen auf. Russland müsse den Weg zurückfinden zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, es muss internationale Regeln wieder respektieren. »Das ist ein ferner Traum«, sagt sie und betont, dass sich die harte Reaktion der EU nicht gegen die russische Bevölkerung, sondern deren Führung richtet. »Sie hat es in der Hand«, so von der Leyen. 
  • 5/24/20229:26:58 AM
    Von der Leyen erwähnt die ukrainische Flagge, die ein Weizenfeld vor blauem Himmel symbolisiert. Die Lebensmittel-Exporte des Landes würden von Russland gezielt sabotiert. Man beobachte schon länger, wie Russland »seine Energievorräte zu einer Waffe macht«, so die EU-Kommissionchefin. »Leider beobachten wir dasselbe bei der Nahrungsmittelversorung.« Dann wird sie noch deutlicher: »Die Zeichen einer zunehmenden Lebensmittelkrise sind offensichtlich.«

  • 5/24/20229:24:44 AM
     Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nutzt ihre Rede in Davos, um die Absicht zu bekräftigen, den Klimaschutz voranzutreiben. Nicht trotz des Ukrainekriegs, sondern wegen des Ukrainekriegs. » Russland hat versucht, Druck auf uns auszuüben, indem es seine Gaslieferungen als Waffe eingesetzt hat«, sagt die deutsche Kommissionspräsidentin. Man werde seine Anstrengungen, Europa klimaneutral zu machen, noch intensivieren. Die CO2-Emissionen sollen schon bis 2030 um 45 Prozent sinken, so sieht es das Programm Repower Europe vor. Dafür sollen viermal so viele Windkraftanlagen auf See gebaut werden, die ein Viertel der Haushalte in der EU mit Strom versorgen könnten. »Das ist gut für das Klima, aber auch für die Sicherheit unserer Energieversorgung«, sagt sie. 
  • 5/24/20229:10:58 AM
    Es geht nicht nur um die Ukraine: Diese Botschaft vieler ukrainischer Teilnehmer macht sich auch von der Leyen zu eigen. Russlands Angriffskrieg stelle »unserer gesamte internationale Ordnung« infrage. »Die Ukraine muss diesen Krieg gewinnen«, fordert Kommissionschefin. Und die EU werde »alles tun, was wir können«, um sie dabei zu unterstützen. 
  • 5/24/20229:07:02 AM
     
    EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betritt die Bühne im großen Saal des Kongresszentrums. Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums kündigt sie euphorisch an. »Europa ist zurück!« 
  • 5/24/20228:04:23 AM
    In diesem Holzbau feiert das populärste Eishockey-Team der Schweiz seine Siege: der HC Davos, 31facher Meister. 
    Für das Welt Economic Forum ist die Eisfläche zum "Ice Village" umgebaut worden: mit fünf Iglos aus Kunststoff, in denen Diskussionsveranstaltungen stattfinden. Verglichen mit einem Davoser Eishockey-Match ist der Besucherandrang allerdings eher spärlich.
  • 5/24/20227:57:41 AM
     Tag 2 des Weltwirtschaftsforums in Davos: China ist nach der Corona-Pause nur ganz schwach vertreten, und wenn, dann vor allem virtuell. Von vielen Beobachtern hier wird das als ein Sinnbild dafür gesehen, wie weit sich die Länder voneinander wegbewegt haben. Deglobalisierung ist das Wort, das allerorten fällt. Auf einem Panel heute Morgen geht es um die grüne Transformation aus Sicht Chinas. Einer der beiden Teilnehmer ist der Chef des chinesischen Stromnetzbetreibers State Grid of China, Zhigang Zhang. Die Videokamera filmt ihn in der Konzernzentrale. Er sitzt vor dem Bild eines Wasserfalls und versichert: »Wir brauchen technologische Innovation, um die grüne Transformation zu bewältigen.« Er beteuert: »Wir arbeiten mit unseren internationalen Partnern zusammen.« Dann nimmt er einen tiefen Schluck aus einem weißen Porzellanbecher. Er wirkt in diesem Moment ganz weit weg. 
  • 5/23/20226:04:50 PM
    Kryptowährungen sind Glaubenssache - angesichts des quasi-religiösen Eifers, mit dem Bitcoin-Fans für ihre Währung werben, scheint die Bezeichnung "Kryptojünger" manchmal durchaus angebracht. Dass diese Kirche in Davos kurzerhand zum Tempel der Blockchain-Apostel konvertiert wurde, hat uns dann aber doch überrascht.
  • 5/23/20225:24:24 PM
    The Times They Are a-Changin’ - wo sich früher russische Vertreter beim WEF mit ihren Gästen trafen, befindet sich nun ein "Russian War Crimes House".



  • 5/23/20225:00:22 PM
    Und noch ein Thema, das Coronaleugner auf die Palme bringen dürfte: Das World Economic Forum beschäftigt sich schon länger mit dem Risiko neuer Pandemien. Querdenker sehen darin einen Beleg dafür, dass in Davos dunkle Mächte am Werk sind. Jetzt geht es im "Open Forum" in der Turnhalle um den Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung und Pandemien.

    "Wir wissen, dass es in Tieren, vor allem Säugetieren, eine große Vielfalt von Virenfamilien gibt, die nach neuen Wirten suchen", sagt die Virologin Isabella Eckerle. Dem Coronavirus sei dieser Sprung von Tier zu Mensch gelungen - und das Risiko für neue Pandemien steige, wenn der Mensch in die Natur eingreift, so die Forscherin. Eckerle verwies etwa auf die Gefahr von Rodungen für Ackerland. Dort stießen natürliche Habitate unmittelbar an Farmland, auf dem viele Nutztiere gehalten werden. "Wenn eine solche Brücke entsteht, kann es zu einer neuen Pandemie kommen." 
  • 5/23/20223:37:48 PM
    Falls Sie sich über Strafzinsen bei Ihrer Bank ärgern, könnten die Worte von Francois Villeroy de Galhau zumindest ein kleiner Trost für Sie sein: Der französische Zentralbankchef stellte gerade baldige Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank in Aussicht. "Wenn Sie sich das Statement von Christine Lagarde anschauen, ist die Sache wahrscheinlich ausgemacht", sagte Galhau. Die EZB-Chefin hatte am Vormittag angekündigt, dass sich die Notenbank im dritten Quartal von den Negativzinsen verabschieden könnte.

    Galhau verwies auf die anhaltend hohen Inflationsraten, die deutlich über den selbst gesteckten Zielen der Notenbank lägen. "Darum müssen wir die Geldpolitik normalisieren", sagte der Franzose. Kleiner Haken: Solange die Inflationsrate hoch bleibt, verlieren Sparer unterm Strich trotzdem weiter an Kaufkraft.
  • 5/23/20222:57:01 PM
    Wir hatten es schon zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums berichtet: Während der Coronapandemie sind rund um das Weltwirtschaftsforum und seinen Gründer Klaus Schwab neue Verschwörungserzählungen entstanden. Die erreichen nun auch so manchen Teilnehmer. Am Montag steht vor einer der Sicherheitskontrollen ein älterer Mann und verteilt Flugblätter. Darin vermischt sich berechtigte Kritik an dem Treffen mit eindeutig falschen Behauptungen. Dazu gehört ein angebliches Zitat von Schwab: »Ihr werdet nichts besitzen und glücklich sein

    In verschwörungsideologischen Kreisen wird diese Aussage als Beleg dafür gesehen, dass Schwab und Co. die Menschheit ausrauben wollen. Tatsächlich stammt sie aber nicht von Schwab, sondern aus einem Video des Forums, das acht Zukunftsvisionen für das Jahr 2030 präsentiert. Die erste wurde von einer dänischen Politikerin geschrieben (mehr dazu in diesem Faktencheck von Reuters) und zeichnet eine extreme Vision der »share economy«: In der Zukunft werden Menschen demnach alles mieten und sich zudem per Drohne liefern lassen. Eine gewagte Vorhersage, wie so viele in Davos. Aber eben kein Beleg für die große Weltverschwörung.
          • Flugblatt mit angeblichem Schwab-ZitatFlugblatt mit angeblichem Schwab-Zitat
        • 5/23/20222:07:12 PM
          Das Schlusswort in der Fußball-Völkerverständigungs-Runde gönnt sich Fifa-Boss Infantino. "Kommen Sie nach Katar!" appelliert er an die größtenteils katarischen Zuschauer im Saal. "Sie werden die beste Erfahrung Ihres Lebens machen!" 
          Der Emir schüttelt noch schnell eine Hand, seine Untergebenen stehen zum vierten Mal für ihn auf. Dann ist der Spuk vorbei. 
        • 5/23/20221:46:16 PM
          Fifa-Chef Gianni Infantino setzt noch einen drauf: Katar werde nicht nur die beste Weltmeisterschaft aller Zeiten liefern, sondern auch „die arabische Welt und die gesamte Welt vereinigen.“ So sei es Katars Hilfe zu verdanken, dass viele Menschen, einschließlich vieler Fußballspieler, aus Afghanistan bei der Machtübernahme der Taliban ausgeflogen werden konnten. Das bringt ihm jede Menge Beifall von Emir Tamims Untertanen ein.
          Ronaldo ist auch auf dem Podium - nicht Cristiano (CR7), sondern der Brasilianer Ronaldo, Weltmeister von 2002, der jetzt Funktionär und Klubeigentümer ist. Er würdigt ausnahmsweise nicht den Emir, sondern seine eigenen Verdienste als Vorbild für Cristiano und Lionel Messi. Das ist scherzhaft gemeint, allerdings lachen die Kataris im Publikum nicht mit Ronaldo mit.
          Aber dann ergreift nochmal Motsepe das Mikro: „Katar hat Millionen und Milliarden in Infrastruktur investiert!", ruft er in den Saal. „Weltklasse! Weltklasse!“ Und der Emir nickt wohlwollend.
        • 5/23/20221:44:36 PM
          Tatsächlich wird die Fußballrunde zu einer Ergebenheitsadresse für den Emir: WEF-Gründer Klaus Schwab fordert die Zuschauer im Saal auf, für den Emir ("Seine Hoheit Scheich Tamim bin Hamad in Khalifa Al-Thani") aufzustehen. Und die Zuschauer kommen dieser Bitte gleich dreimal nach: Als der Emir auf die Bühne kommt, als er sie verlässt; und als er sich dann auf seinen Platz in der ersten Reihe setzt. In seiner Ansprache geht es um Völkerverständigung - das Übliche also.

          Der größte Fan des Scheichs auf dem Podium ist offenbar der Präsident des Afrikanischen Fußballverbandes, Patrice Motsepe. Der Südafrikaner, im Hauptberuf Minenmilliardär, lobt den Emir über den grünen Klee – und verkündet dann die steile These: „Das wird der beste Weltcup aller Zeiten". Die Weltmeisterschaft werde den Menschen im Nahen Osten und der ganzen Welt erhebliche Vorteile bringen, behauptet Motsepe. Über Menschenrechtsverletzungen und die hunderten Todesfälle von am Stadionbau beteiligten Arbeitern in den vergangenen Jahren verliert er kein Wort. Macht nichts, die reichlich vertretenen katarischen Delegationsmitglieder im Publikum klatschen umso lauter.
        • 5/23/20221:12:59 PM
          Wir legen uns fest - der Pokal für den kontroversesten Termin des heutigen Tages geht an das Panel unter dem Motto "Sport als verbindende Kraft". Ausgerechnet unter diesem Titel sprechen der Emir von Katar (bekannt für systematische Menschenrechtsverletzungen) mit Fifa-Präsident Gianni Infantino (bekannt für diverse Skandale) und weiteren Teilnehmern über die nächste Fußball-WM.
          • Mit dabei: der PokalMit dabei: der Pokal
        • 5/23/202212:57:55 PM
          In Davos geht es auch um Kohle - und das buchstäblich: Angesichts des beschlossenen Boykotts russischer Kohle decken sich deutsche Energieversorger derzeit offenbar im großen Stil mit umstrittener Steinkohle aus Kolumbien ein. „Wir sehen eine deutliche Zunahme der Käufe aus Europa, vor allem aus Deutschland, den Niederlanden und Italien“, sagte Kolumbiens Energieminister Diego Mesa meinem SPIEGEL-Kollegen Claus Hecking. „Die Unternehmen bereiten sich auf den 15. August vor.“ An diesem Tag soll das EU-weite Kohleembargo in Kraft treten; schon im Vorlauf haben Deutschland und andere Staaten ihre Importe aus Russland eingeschränkt.

          Jetzt versuchen die Energiekonzerne mit Großeinkäufen in Kolumbien die russischen Ausfälle zu kompensieren. Dabei hatten Unternehmen wie Steag, EnBW, Uniper und RWE ihre Importe aus dem südamerikanischen Land in den vergangenen Jahren zurückgefahren, nachdem die Kohleminenbetreiber in die Kritik geraten waren. Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen sprechen von kolumbianischer „Blutkohle“. Sie werfen Betreibern wie dem US-Minenkonzern Drummond massive Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen vor. Darauf angesprochen sagte Minister Mesa, die Regierung achte darauf, dass alle Standards eingehalten würden.

          Im vergangenen Jahr importierte Deutschland nur noch rund sechs Prozent seiner Steinkohle aus Kolumbien. Doch dieser Anteil dürfte nun wieder steigen. Laut der kolumbianischen Regierung hat Bundeskanzler Olaf Scholz schon vor Wochen mit Kolumbiens Staatspräsident Iván Duque gesprochen, um eine Erhöhung der Kohleexporte nach Deutschland zu prüfen. Das freut die kolumbianische Regierung: Das Land möchte seine Steinkohleförderung in diesem Jahr von 55 auf 64 Millionen Tonnen steigern, so der Energieminister. Darüber hinaus steht die Eröffnung zweier neuer Produktionsstätten im Raum.

          Von einem Kohleausstieg möchte Kolumbien nichts wissen: Zwar will das Land die erneuerbaren Energien ausbauen, aber die meiste Kohle wird ohnehin exportiert: „98 Prozent unserer thermischen Kohle gehen den Export“, sagte Mesa dem SPIEGEL, „und wir werden die Weltmärkte bedienen“. Die Weltmarktpreise für verschiedene Kohlequalitäten haben zuletzt historische Rekorde erreicht.
        • 5/23/202212:42:44 PM
           Der Emir kommt gerade aus Deutschland, wo er vergangenen Freitag eine Energiepartnerschaft mit der Bundesregierung abgeschlossen hat. Tamim bin Hamad Al Thani erneuert sein Angebot, der Welt mit seinem Erdgas zu helfen, die Versorgung mit Energie zu sichern. Außerdem macht er bei der Gelegenheit noch einmal Werbung für die Fußballweltmeisterschaft, die sein Land im Winter ausrichten wird. Er drückte sein Unverständnis aus, warum nicht auch ein muslimisches Land ein solches Turnier ausrichten könne – und unterstellte damit indirekt den Kritikern der WM in Katar diskriminierende Motive. Nach dem Auftritt des Emirs beginnt im Kongresssaal jetzt die Veranstaltung mit dem Titel: »Sport als verbindende Kraft«. 
        • 5/23/202212:31:44 PM
           Es ist sicherlich einer der umstrittensten Auftritte in Davos, der des Emirs von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani. Sein Staat sponsort nicht nur das Weltwirtschaftsforum, sondern auch muslimische Terrororganisationen. Ungeachtet davon wird er ehrerbietig von WEF-Gründer Klaus Schwab begrüßt. Es sei »ein kleines Land mit großem Einfluss«, lobt er den Machthaber des Wüstenstaates, ein »außenpolitischer Weltspieler«, den eine lange Partnerschaft mit Davos verbinde. Der Emir tritt im westlichen Business-Anzug auf, nicht in traditioneller Tracht. Zunächst geißelt der Emir die Invasion Russlands in der Ukraine und ruft zum Respekt vor der Souveränität der Grenzen auf. Er bietet an, bei der diplomatischen Lösung des Krieges mitzuwirken. Doch dann erinnert er an andere Konflikte, die einer Befriedung harren. Als ersten nennt er den zwischen den Palästinensern und Israelis, die er allerdings nicht mit Namen nennt. Dies sei »eine offene Wunde seit Gründung der Vereinten Nationen«, sagt er. Ein offensichtlich jüdischer Delegierter steht daraufhin auf und verlässt den Saal. 
        • 5/23/202212:22:49 PM
          Ebenfalls in Davos zu Gast: Die ehemaligen Boxstars Vitali und Wladimir Klitschko, die um mehr Unterstützung für ihr Heimatland warben. Die Ukraine sei ein Teil der demokratischen Welt, erklärte Vitali Klitschko, der Bürgermeister von Kiew. "Wir verteidigen Sie persönlich".

          Sein Bruder Wladimir kritisierte die neutrale Haltung der Gastgeber: "Als ich den Fernseher im Hotel angeschaltet habe, wurden dort immer noch russische Propagandasender ausgestrahlt". Bereits im Vorfeld des Auftritts hatte Klitschko die Schweiz in einem Interview mit der Boulevardzeitung "Blick" wegen ihrer neutralen Haltung kritisiert: "Wenn sie passiv danebensteht und beobachtet, hat sie auch Blut an ihren Händen."
        • 5/23/202211:20:16 AM
          Lars Klingbeil, der SPD-Chef, ist seit Sonntag in Davos. Er wolle die Stimmung aufnehmen, die derzeit in der internationalen Wirtschaft und Politik herrsche, sagte er dem SPIEGEL im Anschluss an die Rede des ukrainischen Staatschefs Wolodymyr Selenskyj. Den Besuch hat Klingbeil in seinen dichten Terminkalender gequetscht. Heute Abend muss er bereits in München eine Rede halten. Ob er den Schnuppertrip nutzen wolle, um seinem Parteigenossen Olaf Scholz vorab zu briefen? Nein, das habe der Bundeskanzler nicht nötig. Scholz wird am Donnerstag ganz am Ende des Forums eine Rede halten. Derzeit schaut sich der Kanzler die drängenden Probleme des Planeten aus allernächster Nähe an: Er bereist mehrere afrikanische Länder.
        • 5/23/202211:00:44 AM
          Wenn sich die Reichen und Mächtigen in Davos treffen, ist das für Nichtregierungsorganisationen immer auch ein guter Zeitpunkt für Kritik. Laut der Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam sind die reichsten Menschen der Welt seit dem Beginn der Coronapandemie sogar noch reicher geworden. Das Vermögen von Milliardären sei um 42 Prozent gewachsen, so Oxfam. Die Organisation fordert deshalb eine stärkere Besteuerung für Vermögende. 

          Die Einnahmen aus der sogenannten "Übergewinnsteuer" könnten verwendet werden, um Krisenfolgen abzumildern, die Gesundheits- und Sicherungssysteme zu stärken und für globale Impfgerechtigkeit zu sorgen. "Es ist nicht hinnehmbar, dass Konzerne und die dahinter stehenden Milliardärinnen und Milliardäre Rekordgewinne einfahren, während Millionen Menschen Mahlzeiten ausfallen lassen müssen, die Heizung abdrehen, mit ihren Rechnungen im Rückstand sind und sich fragen, was sie als Nächstes tun können, um zu überleben", sagte Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland.
        • 5/23/202210:03:57 AM
          Damit ist der Auftritt des ukrainischen Präsidenten Selenskyj zu Ende. Er ruft die Teilnehmer dazu auf, geschlossen zu bleiben. Diese Geschlossenheit sei es, die Russland am meisten fürchte. Jeder solle sich morgens selbst fragen: "Was habe ich heute für die Ukraine getan?"
        • 5/23/20229:58:35 AM
          Mein Kollege Gerald Traufetter hat gerade beobachtet, wie Robert Habeck einen Termin sausen lässt, um die Ansprache des ukrainischen Präsidenten zu verfolgen: »Ich will Selenskyj hören«, sagte Habeck, und ließ sein bilaterales Treffen mit dem tschechischen Wirtschaftsminister ausfallen. Stattdessen ging Habeck zusammen mit dem Tschechen in den Kongresssaal zur Ansprache des ukrainischen Staatschefs – und setzte sich neben SPD-Chef Lars Klingbeil, der bereits in einer der vorderen Reihen Platz genommen hatte.
        • 5/23/20229:57:22 AM
        • 5/23/20229:54:04 AM
          Jetzt fragt Schwab nach der ukrainischen Rolle für die globale Nahrungsmittelversorgung. Wie lässt sich eine globale Hungerkrise vermeiden? Der Schlüssel sei die Befreiung der ukrainischen Seehäfen, antwortet Selenskyj. »Die Russen stehlen unser Korn«, so der ukrainische Präsident. Das Getreide werde nach Russland transportiert und weiterverkauft. Gegen diese Käufer müsse man vorgehen, doch das sei schwierig.
        • 5/23/20229:50:04 AM
          WEF-Gründer Klaus Schwab möchte von Selenskyj wissen, wie dessen Vision für die Zukunft der Ukraine aussieht. Die Antwort des ukrainischen Präsidenten fällt bitter aus: In der Ortschaft Desna habe man nach einem russischen Luftangriff 87 tote Menschen gefunden. »Die Zukunft der Ukraine wird ohne sie stattfinden.« Die Ukraine werde aber als Siegerin aus dem Krieg hervorgehen. »Wir werden ein stärkeres und vereinigtes Land sein.«
        • 5/23/20229:38:28 AM
          Selenskyj gibt sich gewohnt kämpferisch - und siegessicher: Es gelinge der ukrainischen Armee, die russischen Truppen aus weiteren Teilen seines Landes zurückzudrängen. Jetzt spricht er über die Zeit nach dem Krieg. Partnerstädte, aber auch Unternehmen sollen sich an dem Wiederaufbau beteiligen und die Patenschaft für zerstörte Regionen übernehmen können.
          Wir müssen ganze Städte und Branchen wiederaufbauen.
          Wolodymyr Selenskyj
        • 5/23/20229:33:28 AM
          Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj übt in seiner Rede erneute Kritik am zögerlichen Kurs der internationalen Gemeinschaft: »Wir haben die russische Armee gestoppt, die größte Armee der Welt. Aber hätten wir das tun müssen, wenn man im vergangenen Jahr auf uns gehört hätte? Ich bin sicher, die Antwort lautet Nein.«
        • 5/23/20229:27:32 AM
        • 5/23/20228:41:24 AM
          Kann man es mit dem Energiesparen auch übertreiben? Als die Gäste im Saal des Davoser Kongresszentrums mit ihrem Smartphone an einer Umfrage teilnehmen sollen, scherzt Habeck: »Heute schauen alle aufs Handy. Dabei könnten sie einfach die Hand heben, das würde helfen, Energie zu sparen.« Ob sich Habeck wohl von seinem Kabinettskollegen Volker Wissing inspirieren ließ, der kürzlich den Stromverbrauch von Essensfotos beklagte?
        • 5/23/20228:28:27 AM
          Bundeswirtschaftsminister Habeck ruft Ungarn dazu auf, seine Blockade beim geplanten EU-Embargo von russischem Öl aufzugeben. Zwar müsse man auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der europäischen Länder bei der Energieversorgung Rücksicht nehmen, so Habeck. Aber: »Ich erwarte, dass jeder daran arbeitet, eine Lösung zu finden.« Kein Land dürfe sich zurücklehnen und sagen: »Wir haben eine Ausnahmeregel und können mit Putin zusammenarbeiten.«
          Ungarn müsse daran mitwirken, dass das sechste Sanktionspaket der EU in Kraft treten könne, als dessen Kernstück der Stopp russischer Ölimporte spätestens zum Ende des Jahres vorgesehen sind. 

        • 5/23/20228:15:52 AM
          Erster prominenter Gast aus Deutschland: Seinen Auftritt in Davos beginnt Wirtschaftsminister Robert Habeck mit einem Weckruf – und warnt vor einer globalen Hunger- und Wirtschaftskrise, wenn die internationale Gemeinschaft nicht gemeinsame Lösungen findet. »Wir erleben gerade vier Krisen. Da ist die Inflation in vielen Ländern, wir haben eine Energie- und eine Ernährungskrise, aber auch eine Klimakrise«, sagte Habeck. Die Probleme seien miteinander verbunden und könnten nur gemeinsam gelöst werden. »Wenn keines dieser Probleme gelöst wird, laufen wir in eine globale Rezession.«
          Deutschland arbeite gerade »in Lichtgeschwindigkeit« daran, eine neue Infrastruktur aufzubauen, um sich von Energie aus Russland unabhängig zu machen. Das Ziel sei aber, sich »unabhängig von fossiler Energie« insgesamt zu machen.
        • 5/23/20227:08:53 AM
          Was bringen Sanktionen? Um diese Frage geht es bei einer der ersten Diskussionen in Davos. Doch die ukrainische Vizepremierministerin Julia Swyrydenko hat wenig Interesse an akademischen Debatten. »Wir haben definitiv keine Zeit für Kosten-Nutzen-Analysen«, sagt sie. Die Wirtschaft in ihrer Heimat werde in diesem Jahr um rund 30 Prozent einbrechen. »Wir brauchen Ihre Unterstützung, und wir brauchen mehr Wirtschaftssanktionen gegen Russland.« Dazu gehöre auch, dass eingefrorene russische Vermögen zum Wiederaufbau der Ukraine genutzt werden. »Wir müssen dafür einen klaren Prozess finden.«
        • 5/22/20229:42:14 PM
          Herzlich Willkommen beim Liveblog aus Davos. In den kommenden Tagen werden wir hier vom Weltwirtschaftsforum berichten, das nach gut zweijähriger Corona-Zwangspause erstmals wieder stattfindet. Über die Folgen der Pandemie wird in den Alpen viel diskutiert werden, ebenso wie über steigende Preise und die Sorge vor neuen Schulden- und Hungerkrisen. Das beherrschende Thema dürfte aber Russlands Krieg gegen die Ukraine werden. Schon am Sonntagabend gab es hierzu einen beeindruckenden Auftritt ukrainischer Parlamentarierinnen, die über die Situation in ihrer Heimat berichteten. Eine von ihnen war die Vorsitzende des Antikorruptionskomitees, Anastasia Radina. Auf die Frage, was ihr Land brauche, hatte sie eine klare Antwort: »Waffe mit Nato-Standard« und nicht etwa solche aus Sowjetproduktion – eine klare Absage an den von der Bundesregierung favorisierten Ringtausch.
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