Weltwirtschaftsforum in Davos Länder fordern schärfere Kontrolle der Finanzmärkte

In Davos sind sich die Regierungen einig: Die Finanzmärkte müssen strengeren Regeln unterliegen. Neben Frankreich und den USA kommen auch aus China und Südkorea mahnende Worte. Den Banken passt das gar nicht - Deutsche-Bank-Chef Ackermann fordert ein Ende der Bankenschelte.

Das Dorf Davos in der Schweiz: Weltweite Finanzregeln müssen gestärkt werden
AFP

Das Dorf Davos in der Schweiz: Weltweite Finanzregeln müssen gestärkt werden


Davos/Washington - Der Druck in der Debatte über schärfere Spielregeln für die Finanzmärkte wächst. Neben US-Präsident Barack Obama und seinem französischen Kollegen Nicolas Sarkozy verlangen auch China und Südkorea weltweite Reformen. Die USA und Frankreich preschen dabei vor, Risiko-Banker auszubremsen. Die Hauptforderung: Die Banken sollen in ihrer Größe begrenzt, deren Geschäfte durchschaubar werden. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos ernteten die Vorschläge Lob auch vom obersten europäischen Währungshüter EZB-Chef Jean-Claude Trichet.

"Wir können Finanzinstituten nicht erlauben, Risiken einzugehen, die die ganze Wirtschaft bedrohen", betonte Obama am Mittwochabend (Ortszeit) in Washington in seiner Rede zu Lage der Nation. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt will er unter dem Eindruck der schwersten Finanzkrise seit 1929 die Größe der Banken beschränken. Er forderte Maßnahmen gegen dasselbe leichtsinnige Verhalten, das beinahe die Weltwirtschaft zum Zusammenbruch gebracht habe.

Die Banken wehren sich gegen die Vorschläge. Allen voran Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Er forderte mehr Verständnis der Politik und ein Ende der öffentlichen Kritik an den Banken. "Wir sollten mit der Bankenschelte und den Schuldzuweisungen aufhören", sagte Ackermann am Donnerstag dem Fernsehsender CNBC in einem Interview anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Er warnte erneut vor zu strikten Regulierungsvorschriften für Banken. Dies könne zu Schaden für die gesamte Wirtschaft führen. "Wir leben nach wie vor in einem sehr fragilen konjunkturellen Umfeld", sagte er. Es müsse gründlich überlegt werden, welche Folgen schärfere Vorschriften haben könnten.

Auch die Begeisterung bei EU-Währungskommissar Joaquin Almunia hielt sich in Grenzen. Obamas Vorschläge bezeichnete dieser zwar als angebracht, in der Europäischen Union aber als nicht nötig.

Gemeinsame Lehren aus der Krise ziehen

Chinas Vize-Regierungschef Li Keqiang äußerte sich am Donnerstag in Davos vorsichtiger als seine Amtskollegen, aber dennoch deutlich. Die internationalen Finanzinstitute müssten ebenso reformiert wie die weltweiten Finanzregeln gestärkt werden, sagte er. Auch seien regionale finanzielle Hilfsmechanismen vonnöten. "Wir sollten aus dieser Finanzkrise Lehren ziehen und von unseren Erfahrungen, wie wir mit ihr umgegangen sind, lernen", sagte der Politiker. "Die internationale Gemeinschaft muss ihre Maßnahmen koordinieren, um den Herausforderungen zu begegnen."

Auch Südkorea will als neuer Vorsitzender der Gruppe der wichtigsten Wirtschaftsnationen (G20) die Finanzreformen vorantreiben. Präsident Lee Myung-Bak versprach in Davos, bis zum G20-Gipfel im November die Vorschläge zu bündeln. "Eine wichtige Aufgabe der G20 wird es sein, die Initiativen zur Reform der Finanzregeln, die schon auf den bisherigen Gipfeln benannt worden sind, voranzubringen", sagte er. Der G20 müsse es darum gehen, ein "weltweites finanzielles Sicherheitsnetz" zu schaffen, um unkontrollierte Kapitalbewegungen großen Ausmaßes zu vermeiden. Lee Myung-Bak rief die Finanzwelt ausdrücklich zur Mitarbeit auf: "Die Banken sollten federführend sein."

Zuvor hatte Sarkozy gefordert, "gemeinsame Lehren aus der Krise" zu ziehen. Er preschte dabei in Davos mit der Forderung vor, die Finanzwelt durch "ein neues Bretton Woods" zu reformieren. In der US-Stadt Bretton Woods waren 1944 ein neues Weltwirtschaftssystem gegründet und feste Wechselkurse - gegenüber dem Dollar als Leitwährung - eingeführt worden. Das System hielt bis 1971, heute sind die allermeisten Wechselkurse flexibel.

In Davos werden bis Sonntag etwa 2500 Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft versammelt sein. Im Mittelpunkt vieler Gespräche stehen die Bankgeschäfte. Da zahlreiche Großbanken bereits wieder Milliarden-Gewinne machen und hohe Boni für Manager auszahlen, nachdem einige Institute zuvor von den Steuerzahlern gerettet werden mussten, wird der Ruf nach einer Beschneidung der Geschäfte immer lauter.

fro/dpa/Reuters



insgesamt 181 Beiträge
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Seite 1
SindwirdasVolk?, 26.01.2010
1.
Zitat von sysopDie globale Elite trifft sich zum 40. Mal zum Weltwirtschaftsforum in Davos - doch die Stimmung ist angespannt. Wirtschaftswissenschaftler warnen vor Börsencrashs in Asien, auch die Katastrophe in Haiti und der Klimawandel stehen ganz oben auf der Agenda. Was können Manager für eine bessere Welt tun?
Welche Elite denn? Das einzige was diese " Eliten" können ist sich Boni auszahlen für höhere Renditen auf Kosten des Staates und der Menschen.
lieven, 26.01.2010
2.
Zitat von sysopDie globale Elite trifft sich zum 40. Mal zum Weltwirtschaftsforum in Davos - doch die Stimmung ist angespannt. Wirtschaftswissenschaftler warnen vor Börsencrashs in Asien, auch die Katastrophe in Haiti und der Klimawandel stehen ganz oben auf der Agenda. Was können Manager für eine bessere Welt tun?
..interessiert sich einen Dreck für Davos.
grauer kater 26.01.2010
3. Ihre Handlungen am Wohl der ganzen Menschheit ausrichten
Wenn Manager sich dem Humanismus verpflichtet fühlen würden und das Allgemeinwohl der Menschen weltweit als Ziel ihres Handelns zur Maxime machten, wäre einiges besser! Rüstungskonversion, Produktion in geschlossenen Stoffkreisläufen und solarbasierte Wasserstofftechnologie in der Energiewirtschaft könnten alle wesentlichen Probleme der Menschheit einer Lösung näher bringen!
nr6527 26.01.2010
4. Abteilung Deutschland
Zitat von sysopDie globale Elite trifft sich zum 40. Mal zum Weltwirtschaftsforum in Davos - doch die Stimmung ist angespannt. Wirtschaftswissenschaftler warnen vor Börsencrashs in Asien, auch die Katastrophe in Haiti und der Klimawandel stehen ganz oben auf der Agenda. Was können Manager für eine bessere Welt tun?
Wieso Manager? http://de.wikipedia.org/wiki/Atlantik-Br%C3%BCcke Die Frage muss lauten, was können die ca. 200 Familien und deren Organisationen (Bilderberger, Trilataterale Kommission etc), die die Geschicke dieses Planeten derzeit lenken, in Zukunft besser machen.
archelys, 26.01.2010
5. das können sie tun
Zitat von sysopDie globale Elite trifft sich zum 40. Mal zum Weltwirtschaftsforum in Davos - doch die Stimmung ist angespannt. Wirtschaftswissenschaftler warnen vor Börsencrashs in Asien, auch die Katastrophe in Haiti und der Klimawandel stehen ganz oben auf der Agenda. Was können Manager für eine bessere Welt tun?
Sie können ein Kloster bauen, sich dorthin zurückziehen und zu gegebener Zeit geläutert zurückkommen.
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