Weltwirtschaftsforum in Davos Das Imperium ist wieder wer

Gewohnt pompös wird beim Weltwirtschaftsforum die "Umgestaltung der Welt" beschworen. Doch tatsächlich zeigt sich in Davos: Die ökonomische Supermacht heißt weiterhin Amerika. Vor der US-Geldpolitik zittern selbst die lange gefeierten Schwellenländer.

Arbeiten in Davos: Die Welt draußen ist langsamer
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Arbeiten in Davos: Die Welt draußen ist langsamer

Aus Davos berichtet


Das Weltwirtschaftsforum ist ein Ort der Superlative. Entsprechend gewichtig kommt auch das diesjährige Motto daher: "Die Umgestaltung der Welt".

Doch offenbar verändert sich die Welt nicht ganz so schnell, wie es in den vergangenen Jahren in Davos schien. Aufstrebende Schwellenländer wie Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, zusammengefasst als Brics, galten dort lange als die neuen Stars. Ihre aufstiegshungrige Bevölkerung sollte die Wachstumsschwäche ausgleichen, welche die alten Industriestaaten seit Beginn der globalen Finanzkrise befallen hatte.

Mittlerweile scheint das Schlimmste vorbei zu sein, die 2500 in den Alpen versammelten Entscheider sprechen über eine Weltwirtschaft auf Erholungskurs. Und siehe da: Dieser Aufschwung wird von den alten Mächten getragen. "Laut unseren Schätzungen werden 2014 Schwellenländer den geringsten Anteil zum Wachstum seit 2010 beitragen", sagt Nariman Behravesh, Chefökonom des Finanzinformationsdienstleisters IHS. "Tatsächlich werden vermeintlich 'langweilige und alte' Volkswirtschaften wie die USA, Großbritannien, Deutschland und Japan die neuen Wachstumslokomotiven sein."

Besonders die anhaltende Dominanz der USA zeigt sich auch auf der Davoser Gästeliste: 670 Forumsteilnehmer kommen von hier, aus Deutschland sind es 124, aus China 88. Schon die Aussicht auf ein Ende der ultralockeren US-Geldpolitik genügte in den vergangenen Monaten, damit viele Anleger ihr Kapital aus Schwellenländern wieder abzogen. Wegen dieser Kapitalflucht, aber auch wegen struktureller Probleme, werden Brics-Staaten nun auch unter deutlich weniger schmeichelhaften Namen wie die "fragilen fünf" oder "ausgesetzten acht" summiert. Eine Diskussionsveranstaltung in Davos trägt den Titel: "Brics in der Midlife-Crisis?"

Die Bosse werden optimistischer

Unter Top-Managern steigt unterdessen die Zuversicht, das zeigt eine in Davos vorgestellte Umfrage der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers (PwC). Von 1344 befragten Firmenchefs aus 68 Ländern erwarten demnach 44 Prozent in den kommenden zwölf Monaten eine Belebung der Weltkonjunktur. Vor einem Jahr waren es noch lediglich 18 Prozent (siehe Grafikstrecke).

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Studie zum Weltwirtschaftsforum: Manager wittern Morgenluft
Bei den Erwartungen für die eigenen Geschäfte führen mit Russland und Mexiko zwar zwei Schwellenländer die Rangliste an, allerdings ist hier der Anteil der "sehr zuversichtlichen" Manager im Vergleich zum Vorjahr jeweils um mehr als zehn Prozentpunkte zurückgegangen. In Europa stieg ihr Anteil dagegen um acht Prozentpunkte auf 30 Prozent, unter den deutschen Firmenlenkern ist jeder dritte sehr optimistisch. Zudem wurde Deutschland nach China und den USA erstmals als drittwichtigster Absatzmarkt genannt - und verdrängte damit das Schwellenland Brasilien.

Besonders düster schauen französische Manager in die nahe Zukunft, 88 Prozent von ihnen äußerten laut PwC die Sorge vor Überregulierung. Allerdings war das noch bevor Frankreichs Präsident François Hollande mit der Ankündigung von Wirtschaftsreformen einen Befreiungsschlag versuchte.

Angesichts der insgesamt verbesserten wirtschaftlichen Lage widmet man sich in Davos auch wieder verstärkt anderen Themen. Das Problem des Klimawandels etwa zählte dem "Global Risk Report" des Forums zufolge nach Beginn der Finanzkrise nicht mehr zu den größten globalen Gefahren. Nun aber stehen extreme Wetterbedingungen und Klimawandel plötzlich wieder weit oben auf der Risikenliste. Angeführt wird diese Liste schon zum dritten Mal in Folge vor einem Phänomen, vor dem auch die in Davos erwartete IWF-Chefin Christine Lagarde warnt: die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich.

Spannung vor Rohani-Auftritt

Noch mehr Aufmerksamkeit als Klima oder Ungleichheit aber könnte diesmal der Diplomatie gelten. Hier sorgte Davos immer wieder für Aufsehen, etwa mit einem gemeinsamen Auftritt von Palästinenserführer Jassir Arafat und Israels damaligem Außenminister und heutigen Staatspräsidenten Schimon Peres im Jahr 1994.

20 Jahre später spricht nun der iranische Präsident Hassan Rohani in Davos. Seine Rede am Donnerstagmorgen dürfte mit großer Spannung verfolgt werden - ebenso wie der wenige Stunden später folgende Auftritt des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu.

Und dann sind da ja noch die Gastgeber. Schließlich war 2013 das Jahr, in dem sich die Schweiz auf Druck von außen endgültig von ihrem Bankgeheimnis verabschieden musste. Eine der spannendsten Veranstaltungen könnte deshalb am Freitagabend in einem Hörsaal abseits des Kongresszentrums stattfinden. Dort diskutieren eidgenössische Konzernchefs über das Thema: "Das Geheimnis ist gelüftet - Wie geht es weiter für die Schweiz?"

insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
cruiserxl 22.01.2014
1. ...man(n) reibt sich wieder die Hände...
...und debatiert über die "Umgestalltung der Welt"...würg mir wird schlecht, wenn diese Herren beisammensitzen
staplerfahrer_klaus 22.01.2014
2. schauen wir mal
Ich lass mich gern eines Besseren belehren, aber das Problem der Staatsveschuldung der westlichen Länder schwelt vor sich hin. Speziell die USA haben einen völlig unseriösen Staatshaushalt und ein wesentlicher Teil davon wird immer noch direkt von der Fed finanziert. Die Macht der USA beruht nach wie vor auf dem Dollar und das Vertrauen in ihn. Dieser wird aber durch das Gelddrucken aufgeweicht. Gleichzeitig hat China entschieden ihre Dollarreserven nicht mehr zu vergrößern und Erdöl in eigener Währung zu handeln. Hier müssen früher oder später Veränderungen stattfinden.
nomadas 22.01.2014
3. TäterTreffen
Wir halten es mit Oxfam: Die 85 reichsten Menschen der Welt verfügen über ein ebenso großes Vermögen wie die arme Hälfte der Weltbevölkerung. Alles nur eine Frage der Zeit. Die Uhr tickt.
sapereaude! 22.01.2014
4. Wie befürchtet.
Zitat von sysopswiss-image.chGewohnt pompös wird beim Weltwirtschaftsforum die "Umgestaltung der Welt" beschworen. Doch tatsächlich zeigt sich in Davos: Die ökonomische Supermacht heißt weiterhin Amerika. Vor der US-Geldpolitik zittern selbst die lange gefeierten Schwellenländer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/weltwirtschaftsforum-in-davos-was-2014-auf-dem-programm-steht-a-944401.html
Tja, liebe Leute, die Bankenrettungen und Konsolidierung der Staatshaushalte waren erst der Anfang. Jetzt geht's ans Eingemachte! Die Jungs werden noch unsere letzten Euronen bekommen.
Maya2003 22.01.2014
5.
Zitat von sysopswiss-image.chGewohnt pompös wird beim Weltwirtschaftsforum die "Umgestaltung der Welt" beschworen. Doch tatsächlich zeigt sich in Davos: Die ökonomische Supermacht heißt weiterhin Amerika. Vor der US-Geldpolitik zittern selbst die lange gefeierten Schwellenländer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/weltwirtschaftsforum-in-davos-was-2014-auf-dem-programm-steht-a-944401.html
Das Imperium mag wieder da sein - aber dafür haat es jetzt 8000 Milliarden höhere Staatsschulden. Eine Scheinblüte, aber Hauptsache die Börse boomt. Die Journalisten scheinen aus 2007/08 nicht viel gelernt zu haben. Immer noch zählt der Schein mehr als Substanz.
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