Risikobericht Weltwirtschaftsforum warnt vor nationalistischer Politik

Das Weltwirtschaftsforum sieht die internationale Ordnung in Gefahr: Die Rückkehr des Nationalismus sei eins von fünf Kernproblemen in diesem Jahr.

WEF-Gründer Klaus Schwab mit Weltrisikobericht
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WEF-Gründer Klaus Schwab mit Weltrisikobericht


Der Aufstieg von Populisten, wachsende soziale Ungleichheit und zunehmende Gefahren für die Umwelt: Die Welt ist nach Ansicht des Weltwirtschaftsforums (WEF) 2017 zahlreichen Risiken ausgesetzt. Auf die großen Herausforderungen müssten Staatenlenker und Wirtschaftsbosse mit engerer Zusammenarbeit reagieren, heißt es im am Mittwoch vorgestellten Weltrisikobericht.

"In erster Linie müssen wir unsere Anstrengungen verdoppeln, das System weltweiter Kooperation zu schützen und zu stärken", fordern die Autoren. Nur mit gemeinschaftlichem Handeln könnten Not und Unbeständigkeit im kommenden Jahrzehnt verhindert werden. "Das Jahr 2017 ist ein entscheidender Zeitpunkt für die Weltgemeinschaft", schrieb WEF-Gründer Klaus Schwab im Vorwort des Berichts.

Das WEF identifizierte in seiner jährlichen Studie für dieses Jahr fünf Kernprobleme. Dazu zählen gesellschaftliche Spannungen wie eine größere Polarisierung oder ein stärkerer Nationalgedanke nach den Wahlerfolgen populistischer Parteien. Wichtig seien nun Antworten darauf, wie die Teilhabe der Menschen am Wirtschaftswachstum verbessert werden und wachsender Nationalismus mit einer vielschichtigen Gesellschaft versöhnt werden könne.

"Die am meisten beachteten Signale der Zerrissenheit kommen zwar aus westlichen Ländern", hieß es in dem Bericht unter Verweis auf den künftigen US-Präsidenten Donald Trump und die Brexit-Entscheidung der Briten. "Aber auf der ganzen Welt gibt es Beispiele einer heftigen Gegenbewegung gegen Teile des inländischen und internationalen Status quo." Konkret verweisen die Experten auf Brasilien, die Philippinen und die Türkei.

Gefährlich für die Welt seien auch die wachsende soziale und wirtschaftliche Ungleichheit sowie Ängste durch Migration, der Klimawandel und Terroranschläge. Für die Studie wurden etwa 750 Manager und Wirtschaftswissenschaftler befragt.

Das 47. WEF-Jahrestreffen in Davos vom 17. bis zum 20. Januar steht unter dem Motto "Responsive and Responsible Leadership" ("Anpassungsfähige und verantwortungsvolle Führung"). Zu dem Gipfeltreffen in dem noblen Schweizer Wintersportort werden etwa 3000 Gäste erwartet, darunter Dutzende Staats- und Regierungschefs sowie zahlreiche Top-Manager. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bleibt der Veranstaltung allerdings das zweite Jahr in Folge fern.

mik/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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Überfünfzig, 11.01.2017
1. Ob die in dem Bericht.....
...enthaltene Kritik am zügellosen Neofeudalismus bei den 100 Mächtigsten des Geldadel angekommen ist? Ich wage es zu bezweifeln, und die Spirale zu einer Rückabwicklung der globalen Wirtschaft könnte sich daher noch etwas schneller drehen.
nofreemen 12.01.2017
2. von Einsichten und Ansichten
Die Kanzlerin geht nicht hin. Es würde ja dem diesjährigen "Motto" widersprechen wenn sie teilnehmen würde. Da ist sie wenigstens konsequent. Hut ab.
hugahuga 12.01.2017
3.
Es sind ja nicht die sog. Populisten, die die wachsende soziale Ungleichheit herbeigeführt haben. Sie mögen eine Folge dessen sein. Man kann das natürlich auch positiv sehen und dem Herrn Schwab und seinem WEF vorwerfen, dass bisher ja nichts dafür getan wurde, dass die Segnungen des Welthandels auch ganz unten beim Bürger ankamen, sondern dass es nach wie vor gilt, dass der Stärkere den Schwächeren schluckt. Wirtschaftliche Verflechtungen - selten auf Augenhöhe - und immer versuchen die Sieger, die Gewinner die Regeln zu schreiben. "Anpassungsfähige und verantwortliche Führung" - anpassen woran? Und verantwortlich wem gegenüber? Wenn Herr Schwab auf eine der beiden Fragen den normalen Bürger nennen würde, würde mich das wundern. Nein - hier geht es um die Aufteilung der Welt, um die globale Vereinnahmung dessen, was vielen gehört, aber von dem nur wenige profitieren. Man sollte das Spektakel abblasen, ehe es begonnen hat. So dieses Mal auch wieder der Herr Kissinger daran teilnimmt, sollte man ihn verhaften und wegen Völkermordes anklagen.
spiegelleser987 12.01.2017
4.
Kein Wunder was Schwab, Mitglied in Aufsichts- und Verwaltungsräten mehrerer internationaler Großunternehmen (und sicherlich auch Aktienbesitzer), fordert. Das WEF ist ja ein gemeinnütziger (steuersparender) Verein, der von 1000 Großunternehmern finanziert wird. Deshalb hat er auch nur die 750 Manager und Wirtschaftswissenschaftler befragt. Die interessieren sich nicht für KMUs. https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Schwab https://de.wikipedia.org/wiki/Weltwirtschaftsforum Was kann man daraus schlussfolgern? Seine Forderung ist die weltweite Abschaffung kleiner und mittlerer Unternehmen. Es soll nur ein paar wenige weltweite Großmonopole geben. Vor einigen Tagen konnte man z.B. erfahren, dass die Landwirtschaft in afrikanischen Ländern abgeschafft und immer mehr durch Großkonzerne ersetzt wird, die nur exportieren. Und wo kommen die her? Die größten Ackerflächen in Afrika hat China übernommen. Deshalb werfen Afrikaner den China eine neue Kolonialpolitik vor und Afrikaner müssen auswandern, weil nur die Elite dort daran verdient. http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.china-und-afrika-afrikaner-werfen-chinesen-kolonialpolitik-vor.6035e998-1d2c-4eb1-a48b-856330554832.html China übernimmt die ganze Welt. Deshalb ist wegen der billigen extremen Massenproduktion in den Industrieländern die industrie immer mehr abgeschafft worden. Der WEF hat ja auch ein Büro in China aufgebaut ... und nicht in Afrika.
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