Lokführergewerkschaft GDL Weselsky als Chef wiedergewählt

Claus Weselsky, Chef der Lokführergewerkschaft GDL, stand wegen seines kompromisslosen Kurses bei Bahnstreiks oftmals in der Kritik. Nun wurde er mit großer Mehrheit wiedergewählt.

Claus Weselsky
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Claus Weselsky


Claus Weselsky steht auch in den nächsten fünf Jahren an der Spitze der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Mit einer Zustimmung von 95 Prozent bestätigten die rund 200 Delegierten der Generalversammlung in Ludwigshafen den Bundesvorsitzenden in seinem Amt. Auch seine beiden Stellvertreter Norbert Quitter und Lutz Schreiber wurden "mit großer Mehrheit" wiedergewählt.

Weselsky steht seit neun Jahren an der Spitze der GDL. Der 58-Jährige polarisiert und sorgt in Tarifverhandlungen regelmäßig mit scharfen Worten für Schlagzeilen. Die GDL vertritt nach eigenen Angaben rund 34.000 Mitglieder, darunter nicht nur Lokführer, sondern auch andere Berufsgruppen des Zugpersonals.

Der gelernte Lokführer Weselsky verließ 1992 den Führerstand: Seitdem arbeitet er vom Büro aus für die GDL als Personal- und Betriebsrat, seit 2002 ist er für seine Gewerkschaftstätigkeit ganz freigestellt. Im Mai 2006 stieg Weselsky zum Vizevorsitzenden der GDL auf und wurde "Kronprinz" des damaligen Chefs Manfred Schell. Im Mai 2008 wählten die Delegierten der Gewerkschaft Weselsky zum Nachfolger Schells, mit 90 Prozent der Stimmen. 2012 wurde er in seinem Amt bestätigt.

Weselsky kämpfte in Tarifrunden mit harten Bandagen: Im Jahr 2015 bescherte er der Deutschen Bahn den längsten Streik der Unternehmensgeschichte. Während des Konflikts attackierte Weselsky den Konzern scharf, warf dem Unternehmen ein "böses Spiel" und eine "Schmierenkomödie" vor.

Seine kräftigen Poltereien brachten Weselsky in der Vergangenheit aber auch Rücktrittsforderungen ein. Selbst in Gewerkschaftskreisen ist sein Verhandlungsstil umstritten. "Der stellt sich hin, als würde er zum Heiligen Krieg aufrufen. Nur um sein Ego zu stärken", schimpfte sogar schon sein Vorgänger Schell, der im August 2015 im Streit um angeblich nicht bezahlte Mitgliedsbeiträge aus der Gewerkschaft geworfen wurde.

Streiks der Lokführer müssen Kunden der Deutschen Bahn zumindest bis Ende 2018 nicht fürchten. Erst vor zwei Monaten ging die jüngste Tarifrunde zwischen Gewerkschaft und Konzern zu Ende - diesmal ganz ohne Arbeitsniederlegungen, aber erst nach einer Schlichtung. Heraus kam ein Tarifpaket aus mehr Geld und besserer Planung von Arbeitszeiten.

hej/AFP



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
sonntag500 10.05.2017
1.
Einen Besseren kann ich mir für die GDL gar nicht vorstellen. Ein Gewerkschafter, der sich nicht korrumpieren lässt.
Tiberiumdue 10.05.2017
2. Super !
Endlich ein Gewerkschafter der diesen Namen auch verdient und wirklich für seine Mitglieder kämpft. Alle heulen über die Arbeitgeber und das sich die Bedingungen in Deutschland immer verschlechtern. Hier ist einer der mit seiner Gewerkschaft dagegen kämpft - und dafür massivst angefeindet wird in der Öffentlichkeit und vor allen Dingen in den Medien. Als "kleiner" Arbeitnehmer bräuchten wir viel mehr solcher Gewerkschaftler wie Herrn Weselsky. Man kann der GDL und ihren Mitgliedern nur gratulieren !
kosu 10.05.2017
3. Sehr gute Wahl
nicht nur ein Schwätzer sondern einen der weiß warum und wofür er gewählt wurde. Das Managment der Bahn als die guten darstellen ist wohl eher als Witz verstanden! Völlig überbezahlt.
Freidenker10 10.05.2017
4. Gut gemacht!
Im Gegensatz zu Verdi ist Weselsky einer der was für seine Mitglieder tut! Bsirske sieht sich eher als Politiker und träumt von einen gemeinsamen EU Haushalt, was auch immer das mit den Aufgaben einer Gewerkschaft zu tun hat! Der unfassbaren Schwäche unserer Gewerkschaften haben wir die niedrigen Löhne zu verdanken, da sticht einer wie Weselsky richtig heraus! Weiter so!
Leser161 10.05.2017
5. Tjo
Wenn der Mann mich vertreten würde, würde ich ihn auch direkt wiederwählen. Schade das es keine Politiker gibt, die so knallhart für ihre Wähler kämpfen. Ach das wär schön....
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