Westküste 100 Bund fördert Wasserstoff von der Waterkant

Im Corona-Konjunkturpaket sind Milliarden für den Ausbau der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland vorgesehen, damit die Verkehrs- und Energiewende gelingt. In Schleswig-Holstein wird jetzt investiert.
Offshore-Windpark Butendiek, 30 Kilometer vor Sylt: Windkraft liefert den Strom für die Produktion

Offshore-Windpark Butendiek, 30 Kilometer vor Sylt: Windkraft liefert den Strom für die Produktion

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Die Bundesregierung hat mit der Nationalen Wasserstoffstrategie im Juni 2020 beschlossen, Wasserstoff als Energieträger der Zukunft zu etablieren und industriepolitische Potenziale zu erschließen. In Schleswig-Holstein entstehen unter dem Namen Westküste 100 nun erste Einrichtungen zur Wasserstofftechnologie. Das Bundeswirtschaftsministerium hat hierfür nun 30 Millionen Euro Fördergeld zugesagt, wie die Landesregierung in Kiel mitteilte.

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sprach von einem guten Tag für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort. Das Projekt Westküste 100  zeige, wie sich Ökonomie und Ökologie verbinden ließen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sagte: "Ich freue mich sehr, dass das Reallabor Westküste 100 bereits Bausteine der Nationalen Wasserstoffstrategie umsetzt." Das insgesamt fast 90 Millionen Euro große Projekt könne dazu beitragen, dass Deutschland die Technologieführerschaft beim Thema Wasserstoff übernehme.

Transport und Speicherung des Wasserstoffs sollen erprobt werden

Mit dem Projekt Westküste 100 soll in Dithmarschen nach und nach eine regionale Wasserstoffwirtschaft im industriellen Maßstab aufgebaut werden. In einem ersten Schritt soll ein 30-Megawatt-Elektrolyseur entstehen, der aus Offshore-Windenergie grünen Wasserstoff produziert. Unter anderem die Raffinerie Heide, Thyssenkrupp, der Gasnetzbetreiber OGE, der dänische Stromerzeuger Ørsted und die Thüga sind an dem Projekt beteiligt.

Wasserstoff kann Brennstoffzellen von Lastwagen betreiben, und dient als Grundlage für gasförmige und flüssige Brennstoffe. Er gilt in Deutschland als wichtiger Bestandteil für die Energie- und Mobilitätswende, um langfristig Klimaneutralität zu erreichen.

Die Beteiligten am Projekt Westküste 100 sollen testen, wie die Einspeisung von Wasserstoff in das Gasnetz, der sichere Transport oder die zuverlässige Speicherung des Wasserstoffs in einer unterirdischen Kaverne zu realisieren sind. Darüber hinaus soll untersucht werden, wie das Nebenprodukt Sauerstoff den Verbrennungsprozess eines Zementwerks emissionsärmer und damit klimafreundlicher machen kann. Das im Verbrennungsprozess entstehende Kohlenstoffdioxid wird als Rohstoff eingesetzt, um den chemischen Grundstoff Methanol herzustellen. Die Erkenntnisse sollen auf andere Anwendungsfälle übertragbar sein.

Neben dem Ausbau in Deutschland setzt die Bundesregierung auch auf internationale Partnerschaften, zwei der insgesamt neun Milliarden Euro aus dem Corona-Konjunkturpaket sind dafür vorgesehen. Anlass zu großen Hoffnungen gibt etwa eine Anlage in Marokko. Hier soll die erste industrielle Anlage für "grünen Wasserstoff" in Afrika entstehen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung hieß es, im Konjunkturpaket seien sieben Milliarden Euro für den Wasserstoff vorgesehen. Tatsächlich sind es neun Milliarden Euro. Wir haben den Fehler korrigiert.

apr
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