Stockende Energiewende Nur 35 Windräder mehr - in sechs Monaten

Die Bundesregierung will eigentlich mehr für den Klimaschutz tun. Doch der Ausbau der Ökostromanlagen kommt immer mehr zum Erliegen - vor allem im hierzulande so wichtigen Windsektor.
Windräder in Niedersachsen

Windräder in Niedersachsen

Foto: Mohssen Assanimoghaddam/ DPA

Der Ausbau der Windenergie ist massiv eingebrochen. Das erste Halbjahr 2019 hätte den niedrigsten Neubau an Land seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000 verzeichnet, teilte der Bundesverband Windenergie (BWE) mit.

Es seien nur 86 neue Windräder gebaut worden. Da auch alte abgerissen wurden, seien unterm Strich nur 35 neue mit einer Leistung von 230 Megawatt hinzugekommen. Das entspricht rechnerisch der Leistung eines mittleren Kohlekraftwerks - wenn der Wind immer wehen würde.

In sechs Bundesländern wurden im ersten Halbjahr gar keine neuen Windanlagen errichtet: in Bayern, Hessen, dem Saarland sowie in Bremen, Hamburg und Berlin. Die meisten neuen Anlagen wurden seit Jahresbeginn in Rheinland-Pfalz gebaut, es folgte Niedersachsen.

Als Hauptgründe für den stockenden Ausbau nannte BWE-Präsident Hermann Albers einen Mangel an Flächen, den die Länder für Windräder bereitstellen; vor allem in Bayern gelten strenge Abstandsregelungen zur Wohnbebauung. Auch fehlende Genehmigungen und Klagen gegen bereits erteilte Genehmigungen würden den Ausbau drosseln.

Nach einer Analyse der Fachagentur Wind an Land werden derzeit in Deutschland mehr als 300 Windenergieanlagen mit 1000 MW Leistung beklagt. Der Natur- und Artenschutz ist mit weitem Abstand der Hauptklagegrund.

Branche fordert Windgipfel im Kanzleramt

Gegen den Bau von Windrädern gibt es zahlreiche Bürgerinitiativen. Eine Arbeitsgruppe der schwarz-roten Koalition zur Akzeptanz der Energiewende sollte eigentlich bis zum Frühjahr ein Papier vorlegen. Fachpolitiker von Union und SPD konnten sich aber nicht einigen. Umstritten sind dem Vernehmen nach vor allem Abstandsregelungen für Windräder.

Albers forderte die Politik auf, Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und zu beschleunigen. Es müsse geprüft werden, ob sich Klageverfahren über Jahre hinweg ziehen müssten.

Wegen des Genehmigungsstaus bei neuen Projekten wird im Gesamtjahr vom BWE noch höchstens mit 1500 Megawatt Zubau gerechnet. Zwischen 2014 und 2017 kamen durchschnittlich jedes Jahr 4600 Megawatt hinzu.

Jedem müsse klar sein, dass so weder die Ausbauziele für erneuerbare Energien noch die Klimaschutzziele erreicht werden könnten, sagte Albers.

Windenergie an Land ist die wichtigste Quelle unter den erneuerbaren Energien, die zuletzt fast 40 Prozent des Strombedarfs in Deutschland deckten. Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil auf 65 Prozent wachsen - der stockende Ausbau von Windanlagen gilt als Hauptgrund, dass dieses Ziel derzeit immer unrealistischer wirkt.

ssu/dpa/Reuters
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