Branchenkrise Bundesländer im Norden bitten Merkel wegen Windenergie um Hilfe

Die Windkraftbranche in Deutschland steckt in einer tiefen Krise. Das trifft vor allem die norddeutschen Bundesländer hart. Jetzt haben die Regierungschefs konkrete Forderungen an die Bundesregierung gestellt.

Windenergiepark: Der Ausbau geht nur stockend voran
Patrick Pleul / DPA

Windenergiepark: Der Ausbau geht nur stockend voran


Die fünf norddeutschen Bundesländer haben wegen der Krise in der Windkraftbranche einen Brandbrief an die Bundesregierung geschickt. In dem Schreiben an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bitten die Regierungschefs von Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern um ein Gespräch und stellen einen konkreten Elf-Punkte-Plan vor.

Die Windenergieindustrie befinde sich in einer dramatischen Lage, erklärten die fünf Länderchefs auf einer gemeinsamen Presskonferenz in Berlin. In den vergangenen drei Jahren seien bereits mehr als 40.000 Arbeitsplätze abgebaut worden. Der Ausbau der Windenergie an Land sei in diesem Jahr praktisch zum Erliegen gekommen. Wenn sich diese Entwicklung fortsetze, werde es in absehbarer Zeit keine deutsche Windkraftindustrie mehr geben.

Die Regierungschefs forderten unter anderem einen starken Ausbau der Windenergienutzung auf See, die Privilegierung echter Bürgerwindparks, das Ausschöpfen aller möglichen Flächen für Anlagen, die Optimierung des Netzausbaus und die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren.

Windbranche fordert Verzicht auf umstrittene Abstandsregel

Auch die Windindustrie warnte vor einem Kollaps der Branche. Die aktuelle und frühere Bundesregierungen hätten den Ausbau "durch falsche Entscheidungen und durch Nichthandeln" stark verlangsamt, sagte der Chef des Wirtschaftsverbands Windkraftwerke, Wolfgang von Geldern.

Die Industrie beschwert sich seit Langem, dass Flächen für den Ausbau fehlen. Zudem ist die Zahl der Genehmigungen bereits seit 2017 stark rückläufig. An vielen Orten klagen die Bürger gegen den Bau von Windrädern.

Die Windindustrie kritisierte nun, der geplante Mindestabstand von 1000 Metern zur Wohnbebauung, aber auch Vorgaben der Flugsicherung und des Artenschutzes bremsten die Entwicklung. "Wir verzichten auf Chancen in zukünftig großen Weltmärkten. Wir müssen diesen Prozess stoppen", sagte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie.

Zusammen mit dem Windanlagenhersteller Enercon, dem Energieversorger EnBW und dem Autobauer Volkswagen forderten die beiden Verbände fünf Sofortmaßnahmen gegen die Krise der Windindustrie. So müsse die Regierung den geplanten 1000-Meter-Abstand sofort aufgeben, zudem solle der Bund Maßstäbe für die Konfliktlösung beim Artenschutz vorgeben, den Mindestabstand zu Drehfunkfeuern der Flugsicherung verringern, zwei Prozent der Landesflächen als Vorranggebiete ausweisen und den Ausbau der Windenergie vom Netzausbau entkoppeln.

kko/jki/dpa



insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
MaikKretschmer 29.11.2019
1. Kleine Beispielrechnung zur Windenergie
Kleine Beispielrechnung zur Windenergie am Beispiel des Windparks "Wikinger" vor Ruegen. Baukosten: 1,4 Milliarden Euro (https://de.wikipedia.org/wiki/Offshore-Windpark_Wikinger) Brutto-Leistung: 350 MW (https://de.wikipedia.org/wiki/Offshore-Windpark_Wikinger) Laufzeit: 25 Jahre (https://de.wikipedia.org/wiki/Offshore-Windpark#Eingesetzte_Windkraftanlagen) Kapazitaetsfaktor: 40% (http://energynumbers.info/uk-offshore-wind-capacity-factors) Preis pro MWh: 37.11 EUR (https://www.eex.com/de/) Rechnung: 350 MW * 0.4 * 25 Jahre * 37.11 EUR/MWh * 24 h/Tag * 365 Tage/Jahr - 1 400 000 000 EUR = 262 000 000 EUR Verlust D.h., die Anlage wird **niemals** Gewinne erwirtschaften und ist von Anfang an ein Verlustgeschaeft. Betriebs- und Wartungskosten sind dabei noch nicht einmal mit eingerechnet.
nobronski 29.11.2019
2. Und auch hier wieder.....
....., "Duschen ohne nass zu werden". "Ja, wir (Bürger) wollen die Energiewende, aber bitte kein Windrad in der Nähe meines Hauses". "Ja klar wollen wir eine größere Netzabdeckung, aber doch bitte keinen Sendemast in 100 Meter Abstand zum eigenen Garten". "Ja, selbstverständlich wollen wir, dass die Polizei erfolgreicher in der Ermittlungsarbeit gegen Kriminelle ist, aber doch bitte keine unangekündigten Abhöraktionen (Datenschutz!)." "Ja, natürlich bin ich gegen Kinderarbeit - aber ich will doch keine EUR 30,- für ein T-Shirt bezahlen." "Ja, unbedingt müssen wir Insektenschutz betreiben - aber in meinen Vorgarten will ich weiterhin Kieselsteine statt Blumen haben". "Ja, sicher benötigen wir mehr Bahnstrecken, aber es sollen doch für die Trassen keine Bäume abgeholzt werden". Beim Energiethema bleibt weiterhin das Thema, wie man die gewonnene Energie - speichert - weiterleitet. Wir werden noch in 30 Jahren darüber diskutieren, wie denn Millionen von E-Autos schnell, flächendeckend und vor allem verlässlich mit Strom versorgt werden sollen.
shotaro_kaneda 29.11.2019
3.
Zitat: "...zudem solle der Bund ... den Ausbau der Windenergie vom Netzausbau entkoppeln." Warum sollte er das? Die Windenergiebetreiber sollen dort mit zuzahlen, wo die Netze jetzt schon überlastet sind. Was nützt ein Windrad, wenn es bei Wind abgeschaltet werden muss? Liebe Windkraftindustrie, nicht nur kassieren, sondern auch mal investieren. Alternativ besteht natürlich die Möglichkeit als Voraussetzung Speicheranlagen zu errichten. Wäre für euch wohl aber nochtm teurer. Die 1000 m Abstandsregel sind ein guter Kompromiss. Die Landesregelungen gehen heut schon teilweise darüber hinaus. Und wenn ein Land meint, dass sei zu weit, kann es den Abstand ja selbst verkürzen. Und welche Lösungen erwartet man sich den bitte beim Artenschutz, außer den Artenschutz zu lockern? Und die Begründung mit den verpassten Chancen auf den Weltmärkten spielen in anderen Wirtschaftsbereichen auch schon lang keine Rolle (mehr).
einerkeiner 29.11.2019
4.
Zitat von MaikKretschmerKleine Beispielrechnung zur Windenergie am Beispiel des Windparks "Wikinger" vor Ruegen. Baukosten: 1,4 Milliarden Euro (https://de.wikipedia.org/wiki/Offshore-Windpark_Wikinger) Brutto-Leistung: 350 MW (https://de.wikipedia.org/wiki/Offshore-Windpark_Wikinger) Laufzeit: 25 Jahre (https://de.wikipedia.org/wiki/Offshore-Windpark#Eingesetzte_Windkraftanlagen) Kapazitaetsfaktor: 40% (http://energynumbers.info/uk-offshore-wind-capacity-factors) Preis pro MWh: 37.11 EUR (https://www.eex.com/de/) Rechnung: 350 MW * 0.4 * 25 Jahre * 37.11 EUR/MWh * 24 h/Tag * 365 Tage/Jahr - 1 400 000 000 EUR = 262 000 000 EUR Verlust D.h., die Anlage wird **niemals** Gewinne erwirtschaften und ist von Anfang an ein Verlustgeschaeft. Betriebs- und Wartungskosten sind dabei noch nicht einmal mit eingerechnet.
Sie haben also 3,7ct pro Kilowattstunde ausgerechnet. Rechnen wir nochmal 4ct für Redox-Flow-Langzeitspeicherung dazu, und 4ct für Netzausbau, dann haben wir einen absolute saubere Stromversorgung für 12ct pro kWh. Hört sich doch eigentlich super an. Mit vernünftigen politischen Vorgaben wäre das möglich. Aber Leute wie Sie wollen wohl lieber weiter ganze Landstriche für Braunkohle ausheben, oder Atomkraftwerke bauen, bei denen eine seriöse Berechnung der Gesamtkosten überhaupt nicht möglich ist.
quark4@mailinator.com 29.11.2019
5.
Moment mal - Wenn es um die Märkte im Ausland geht, warum geht man denn da nicht jetzt hin ? Das Know-How ist doch da und im Ausland gibt es auch jede Menge freie Flächen. Ich denke mir mal, das liegt daran, daß es im Ausland kein EEG gibt, d.h. die Sache nicht so subventioniert wird, wie in DE. Jedenfalls sehe ich nicht, warum man hier ausbauen müßte, wenn es ums Ausland geht. Aber darum geht es ja auch nicht wirklich. Vielmehr haben wir durch unsere Förderung dafür gesorgt, daß wir in wenigen Jahren das halbe Land vollgestellt haben. Und diese Produktionskapazität sucht nun Fläche und findet keine mehr. Selbst wenn die Politik jetzt die andere Hälfte auch noch freigäbe, hätten wir in 1..2 Jahren wieder die gleiche Situation. Die Kapazitäten müssen von Aufbau auf Erhaltung zurückgebaut werden, entweder jetzt, oder binnen Kurzem. Und ich bin dafür, daß jeder Betreiber von EE eine anteilige Grundlastsicherung nachweisen und aus seiner Förderung teilfinanzieren muß, so daß sich ein gesunder Mix ergibt, der preislich und von der Stabilität her gut ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.