Neue Zahlen Wirtschaft im Euroraum verliert unerwartet an Schwung

Das Wachstum in der Eurozone hat sich überraschend abgeschwächt. Das Bruttoinlandsprodukt der 19 Länder des Währungsraums stieg von April bis Juni nur um 0,3 Prozent.
Shopping-Zentrum in Paris: Privater Konsum

Shopping-Zentrum in Paris: Privater Konsum

Foto: Charles Platiau / Reuters

Der Aufschwung in der Eurozone hat im zweiten Quartal wegen der Schwäche in Frankreich und Italien unerwartet an Kraft verloren. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs von April bis Juni lediglich um 0,3 Prozent zum Vorquartal, teilte das Statistikamt Eurostat mit. In den beiden Vorquartalen hatte es noch zu einem Plus von 0,4 Prozent gereicht.

Die großen Euroländer schnitten sehr unterschiedlich ab. Die größte Volkswirtschaft Deutschland gewann leicht an Schwung und wuchs um 0,4 Prozent.

Die Nummer zwei, Frankreich, stagnierte hingegen nach einem starken Jahresauftakt im zweiten Quartal. Das Bruttoinlandsprodukt sei weder gewachsen noch geschrumpft, teilte das französische Statistikamt Insee auf Grundlage vorläufiger Berechnungen mit. Ein schlechteres Ergebnis verhinderten die Exporte: Diese legten um 1,7 Prozent zu - befeuert auch vom niedrigen Euro-Kurs, der Waren in anderen Währungsräumen verbilligt. Die Unternehmen investierten etwas mehr. Dagegen schrumpfte der private Konsum um 0,9 Prozent - was hauptsächlich an geringeren Ausgaben für Energie lag.

Im ersten Quartal hatte die Wirtschaft noch um 0,7 Prozent zugelegt. Frankreichs Wirtschaftsminister Michel Sapin gab sich trotz der schwachen Quartalszahlen zuversichtlich. Er halte an der Vorhersage der Regierung von einem Prozent Wachstum im Gesamtjahr 2015 fest, so der Minister.

Auch die Wirtschaft in Italien ist im Frühjahr etwas schwächer gewachsen als erwartet. Die drittgrößte Euro-Volkswirtschaft legte im zweiten Quartal um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu. Das sei vor allem den wachsenden Dienstleistern zu verdanken, während die Industrie stagnierte und die Landwirtschaft sogar schrumpfte. Italien hat drei Jahre Rezession hinter sich. Für 2015 sagt die EU-Kommission Italien ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent voraus, das sich 2016 auf 1,4 Prozent beschleunigen soll.

Ausgerechnet das krisengeplagte Griechenland hängte die großen Drei ab: Es schaffte ein Plus von 0,8 Prozent, wozu wohl eine starke Tourismussaison beitrug. In Spanien legte das Bruttoinlandsprodukt sogar um 1,0 Prozent zu.

Eine besonders starkes Wachstum erzielte Spanien mit 1,0 Prozent zum Vorquartal. Nur Lettland legte mit 1,2 Prozent noch stärker zu.

Die Aussichten bleiben gedämpft. Besonders der Exportaufschwung ist trotz des billigeren Euro, der Waren in Übersee günstiger gemacht, gefährdet. Grund dafür ist die schlappe Weltwirtschaft. Besonders China sorgte zuletzt mit schwachen Konjunkturdaten, Börsen- und Währungsturbulenzen für negative Schlagzeilen. Die EU-Kommission erwartet 2015 ein Wachstum von 1,5 Prozent. 2014 waren es 0,9 Prozent.

Die Daten der 28 EU-Mitgliedsländer im Überblick:

Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts

Prozentuale Veränderung gegenüber dem Vorquartal
Land 3/2014 4/2014 1/2015 2/2015
Belgien 0,3 0,2 0,4 0,4
Bulgarien 0,4 0,4 0,9 0,4
Dänemark 0,6 0,3 0,5 -
Deutschland 0,2 0,6 0,3 0,4
Estland 0,2 1,0 -0,3 0,8
Finnland -0,2 -0,2 -0,2 -0,4
Frankreich 0,2 0,1 0,7 0,0
Griechenland 0,8 -0,2 0,0 0,8
Irland 1,4 1,2 1,4 -
Italien -0,1 0,0 0,3 0,2
Kroatien 0,2 -0,1 0,0 -
Lettland 0,5 0,5 0,4 1,2
Litauen 0,5 0,7 -0,5 0,6
Luxemburg 2,2 2,2 0,7 -
Malta 0,6 1,0 0,6 -
Niederlande** 0,4 0,9 0,6 0,1
Österreich 0,0 -0,2 0,7 0,1
Polen 0,9 0,8 1,0 0,9
Portugal 0,2 0,4 0,4 0,4
Rumänien 1,3 0,9 1,4 0,1
Schweden 0,6 0,9 0,4 1,0
Slowakei 0,7 0,7 0,8 0,8
Slowenien 0,7 0,3 0,8 -
Spanien 0,5 0,7 0,9 1,0
Tschechische Republik 0,5 0,5 2,5 0,9
Ungarn 0,6 0,7 0,6 0,5
Großbritannien 0,7 0,8 0,4 0,7
Zypern -0,8 -0,2 1,4 0,5
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Die Saisonbereinigung umfasst keine Arbeitstagkorrektur für Irland, die Slowakei und Island.
** Prozentuale Veränderung gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres berechnet anhand arbeitstäglich bereinigter Daten.
Quelle: Eurostat

Jahresinflationsrate im Euroraum unverändert bei 0,2 Prozent

Die Verbraucherpreise im Euroraum sind im Juli wegen gesunkener Treibstoffkosten nur leicht gestiegen. Im Jahresvergleich erhöhte sich das Preisniveau um 0,2 Prozent, teilte Eurostat mit. Im Juni war die Teuerungsrate gleich hoch gewesen.

Die niedrigsten jährlichen Raten wurden in Zypern (minus 2,4 Prozent), Griechenland (minus 1,3 Prozent) und Slowenien (minus 0,7 Prozent) gemessen. Die höchsten jährlichen Raten wurden in Malta (plus 1,2 Prozent), Österreich (plus 1,1 Prozent) und Belgien (plus 0,9 Prozent) verzeichnet. In Deutschland lag die für europäische Vergleichszwecke harmonisierte Inflationsrate bei 0,1 Prozent.

Die Inflationsrate bleibt so auf relativ niedrigem Niveau. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an, da sie auf diesem Niveau von stabilen Preisen ausgeht.

Zum Vormonat gingen die Verbraucherpreise in der Eurozone im Juli um 0,6 Prozent zurück. Dies war von Volkswirten erwartet worden.

bos/Reuters/dpa