Konjunkturmaßnahmen China meldet unerwartet starkes Wachstum 

Die chinesische Wirtschaft ist trotz des Handelsstreits mit den USA zu Jahresbeginn überraschend kräftig gewachsen. Die Konjunkturmaßnahmen der Regierung greifen offenbar - doch Experten warnen vor langfristigen negativen Folgen.

Straßenszene in Peking
Fred Dufour / AFP

Straßenszene in Peking


Durch den starken Anstieg der Industrieproduktion hat China im ersten Quartal ein unerwartet stabiles Wachstum geschafft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft legte von Januar bis März um 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, teilte das Statistikamt in Peking mit. Es erreicht damit denselben Wert wie im Schlussquartal 2018.

Experten hatten in den ersten drei Monaten dieses Jahres wegen der negativen Auswirkungen des Handelskonflikts mit den USA und anderer Unsicherheiten ein langsameres Wachstum erwartet.

Das BIP-Wachstum ist auf die deutlich gestiegene Industrieproduktion zurückzuführen. Diese legte im März um 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu und erreichte damit das höchste Wachstum seit Juli 2014. Offenbar zeigen die Steuersenkungen und andere Maßnahmen der chinesischen Regierung zur Ankurbelung der Wirtschaft ihre Wirkung. Die Einzelhandelsumsätze legten um 8,3 Prozent zu. Die Anlageinvestitionen, das heißt die Ausgaben unter anderem für Maschinen, Immobilien oder Infrastruktur, wuchsen um 6,3 Prozent.

Analysten warnten jedoch, es sei zu früh, um von einer dauerhaften Trendwende auszugehen. Für das Gesamtjahr sind die Konjunkturaussichten nicht allzu positiv: China droht wegen des Handelskonfliktes mit den USA und der schwächeren Weltkonjunktur 2019 das langsamste Wachstum seit rund drei Jahrzehnten. Die Regierung strebt eine Rate von 6,0 bis 6,5 Prozent an. Das wäre ein so geringes Wachstum wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr.

OECD fordert Chinas Führung zum Schuldenabbau auf

Zuletzt blickten Experten wieder optimistischer auf die chinesische Wirtschaft. So korrigierte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für China für dieses Jahr von 6,2 auf 6,3 Prozent nach oben. Von einem kräftigen Wachstum in China profitiert auch die deutsche Wirtschaft, die viel nach China exportiert und stark auf dem chinesischen Markt engagiert ist. "Der Wirtschaft geht es besser", sagte die unabhängige chinesische Expertin Ye Tan. "Die Börse und der Immobilienmarkt entwickeln sich gut. Hinzu kommt die lockere Geldpolitik. All diese Maßnahmen kurbeln den Konsum an." Die Aussichten seien nicht schlecht. "Es gibt keine Anzeichen, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung dieses Jahr verschlechtert."

Die Organisation der Industrieländer (OECD) warnte jedoch, dass die staatlichen Konjunkturmaßnahmen zwar kurzfristig das Wachstum in China voranbringen, aber langfristig die Bemühungen untergraben, die hohe Schuldenlast zu reduzieren und strukturelle Verzerrungen zu korrigieren. "Die Politik sollte sich auf langfristige Strategien konzentrieren, die Wirtschaft in Richtung höheren heimischen Konsums und Dienstleistungen zu bewegen, die Effizienz der Wirtschaft zu verbessern und sicherzustellen, dass zukünftiges Wachstum nachhaltiger, grüner und sozial gerechter ist", schreibt die OECD in ihrem neuen Jahresbericht über China.

Das nun vermeldete stabile Wachstum könnte zunächst die Verhandlungsposition Chinas im Handelskonflikt mit den USA stärken. Die OECD warnte vor einem Scheitern der Handelsgespräche zwischen den beiden größten Volkswirtschaften. Eine weitere Eskalation der Sonderzölle würde schwere negative Auswirkungen haben, prophezeit die OECD. Darunter hätte auch die Weltwirtschaft noch weiter zu leiden, da China zu einem Viertel zum globalen Wachstum beitrage.

Die USA und China haben sich seit vergangenem Jahr gegenseitig mit Sonderzöllen überzogen. Inzwischen sind rund die Hälfte aller US-Einfuhren aus China mit zusätzlichen Zöllen belastet. Die USA wollen eine Verringerung des US-Handelsdefizits und fordern besseren Marktzugang, wirksameren Schutz gegen Produktpiraterie und zwangsweisen Technologietransfer. Auch stoßen sich die USA an staatlicher Förderung chinesischer Firmen, da dies den Wettbewerb verzerre.

Sollte es keine Einigung in den andauernden Handelsgesprächen geben, drohen neue Strafmaßnahmen. Die amerikanischen Sonderzölle auf Importe aus China im Umfang von 200 Milliarden Dollar könnten dann von derzeit 10 auf 25 Prozent erhöht werden.

mmq/dpa-AFX/Reuters

insgesamt 24 Beiträge
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fatherted98 17.04.2019
1. Wie jetzt?....
....nach wochenlangem lamentieren über den Niedergang der Weltwirtschaft (insbesondere das Wachstumsloch in China) jetzt auf einmal das? Erstaunlich wie sich die Weltwirtschaft von heute auf morgen mal eben so erholt....ernst nehmen kann man solche Meldungen wohl kaum mehr.
SabineMeier 17.04.2019
2. chinesische Wirtschaft wächst
Liebe Journalisten, ihr müsst doch wissen was ihr schreibt! Einmal bricht die Wirtschaft wegen US Sanktionen ein (Wunschdenken ) dann wächst sie wieder......... Diese Berichterstattung, nicht nur in dem Fall (Russland, Trump.......) scheint irgendwie die Interessen der Journalisten oder ihrer Einstellung sowie der Vorgesetzten geschuldet zu sein. Und dann noch auf "Experten" berufen!
herm16 17.04.2019
3. gerade noch
war die Chinesische Wirtschaft am zusammenbrechen und jetzt?
mfey 17.04.2019
4.
Der Erfolg gibt den Chinesen recht. Von solchen Zahlen können wir doch seit Jahrzehnten nur träumen. Die OECD vertritt einen untauglichen neoliberalen Austeritätskurs, der uns alle doch schon längst in den prekären Wohlfahrtsstaat geführt hat. Staatsschulden oder auch Unternehmensschulden sind zwingend Notwendig um die yNachfragelücke der Sparer zu schließen. Wer das nicht thematisiert, ist ein makroökonomischer Geisterfahrer!
thequickeningishappening 17.04.2019
5. Wie lange noch will man an Prozentzahlen festhalten
statt Das Wachstum in absoluten Zahlen anzugeben ?
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