Hoffnung auf Erholung US-Wirtschaft wächst überraschend kräftig

Überraschender Schub für die US-Konjunktur: Die Wirtschaft des Landes hat ihr Wachstum im dritten Quartal mehr als verdoppelt. Vor allem die Exporte und der Wohnungsbau liefen gut. Angesichts des Steuerstreits warnen Experten jedoch vor Euphorie.

US-Bauarbeiter in Arlington: Die größte Volkswirtschaft der Welt hofft auf den Aufschwung
AP

US-Bauarbeiter in Arlington: Die größte Volkswirtschaft der Welt hofft auf den Aufschwung


Washington - Die US-Wirtschaft hat im dritten Quartal deutlich zugelegt. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs der Regierung zufolge zwischen Juli und September mit einer Jahresrate von 2,7 Prozent, nachdem es im zweiten Quartal nur ein Plus von 1,3 Prozent gegeben hatte. Damit hat die US-Wirtschaft ihr Wachstum im dritten Quartal mehr als verdoppelt.

Da die US-Zahlen aber auf das Jahr hochgerechnet werden, sind sie nicht unmittelbar mit Zahlen etwa aus Europa vergleichbar. Nach europäischer Methode ergibt sich ein Quartalswachstum von etwas weniger als 0,7 Prozent, also ein robuster Wert.

Für die USA ist es immerhin die höchste Wachstumsrate seit dem Schlussquartal 2011. Treiber waren die Exporte und der Wohnungsbau. Dagegen investierten die Unternehmen erstmals seit mehr als einem Jahr weniger. Auch der private Konsum wuchs spürbar schwächer als zunächst angenommen. Er macht immerhin 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung aus. Immerhin ist die Verbraucherstimmung so gut wie seit fast fünf Jahren nicht mehr.

Experten sind skeptisch, ob sich das robuste Wachstum in den Wintermonaten halten wird. So ist auch die höhere Lagerhaltung der Unternehmen ein Problem. Sollten diese ihre Bestände im vierten Quartal teilweise abbauen, würde dies das Wachstum belasten. Analysten rechnen zudem damit, dass sich die US-Exporte eher abschwächen werden, da die Konjunktur in China schwächelt und die Euro-Zone in der Rezession steckt.

Haushaltsstreit belastet die Wirtschaft

Vom Arbeitsmarkt gab es gute Nachrichten. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind in der vergangenen Woche um 23.000 auf 393.000 gefallen. Doch auch diese Zahlen sind mit Vorsicht zu werten, denn im aussagekräftigeren Vier-Wochen-Schnitt stieg die Zahl zuletzt um 7500 auf 405.250 Anträge.

Der größte Unsicherheitsfaktor in den USA ist allerdings der Haushaltsstreit zwischen Republikanern und Demokraten. Sollte dieser eskalieren, treten zeitgleich Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen in Kraft, die die weltgrößte Volkswirtschaft in eine Rezession stürzen könnten. Die Sorge davor lässt die Unternehmen aus Sicht der US-Notenbank Fed vor Investitionen zurückschrecken. Auch für Privatleute hätte diese sogenannte "Fiskalklippe" Folgen. Eine vierköpfige Durchschnittsfamilie müsste dann im kommenden Jahr 2000 Dollar mehr Steuern bezahlen.

Immerhin hat US-Präsident Barack Obama am Mittwochabend die Hoffnung geäußert, dass sich die Demokraten bis Weihnachten mit den Republikanern auf ein Rahmenabkommen zur künftigen Haushaltspolitik einigen könnten. Zuvor hatte schon Parlamentspräsident John Boehner Entgegenkommen signalisiert.

Beide Seiten haben noch bis zum Jahresende Zeit. Die Signale der Politiker machen auch den Finanzmärkten Hoffnung. "Es wird eine Lösung vor dem 31. Dezember geben, die die USA vor einem Desaster retten wird", sagte Peter Cardillo von Rockwell Global Capital. "Wir sind wieder auf dem Weg zu einer Jahresend-Rallye."

Für Erleichterung an der Börse sorgten auch die guten Konjunkturdaten. Der Dow-Jones-Index Chart zeigen der Standardwerte legte in den ersten Handelsminuten um 0,3 Prozent auf 13.025 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 stieg 0,4 Prozent auf 1416 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Chart zeigen gewann 0,6 Prozent auf 3009 Punkte.

mmq/Reuters/dpa



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dunnhaupt 29.11.2012
1. Nicht
Wer die Wirtschaftsseiten gelesen hat statt der antiamerikanischen Propaganda, der sollte wissen, dass sich die US-Wirtschaft schon seit langem erholt hat. Die USA sind bereits seit längerer Zeit der wichtigste deutsche Exportkunde -- nicht etwa China, wovon ständig geredet wird.
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